Klugscheißen ist ihr Ding Clarissa Corrêa da Silva ist die neue Moderatorin bei „Wissen macht Ah“

Von Nina Brinkmann

Neues Gesicht bei „Wissen macht Ah“: Clarissa Corrêa da Silva ist die neue Moderatorin der Wissenssendung. Foto: WDR/Ben KnabeNeues Gesicht bei „Wissen macht Ah“: Clarissa Corrêa da Silva ist die neue Moderatorin der Wissenssendung. Foto: WDR/Ben Knabe

Osnabrück. Bei der Kika-Sendung „Wissen macht Ah“ hat Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva die Nachfolge von Shary Reeves angetreten. Was die 27-Jährige an dem Format reizt, inwiefern sie selbst eine Klugscheißerin ist und warum sie sich mal sechs Wochen mit dem Zauberwürfel beschäftigt hat erzählt sie im Interview.

Wie spricht man eigentlich Ihren Namen korrekt aus?

Also ganz korrekt würde er ausgesprochen „Correija da Sijlva“, aber in Deutschland sagt man schon Correa da Silva. Man muss das jetzt nicht mit dem brasilianischen Schwung sagen.

Sie sind in Brasilien und Deutschland aufgewachsen – was an Ihnen ist typisch deutsch?

Ich bin ein absoluter Pragmatiker und total effizient gepolt. Pünktlich bin ich eigentlich auch.

Und was ist typisch brasilianisch?

Ich finde für alles immer eine Lösung. Gerne auch improvisiert nach dem Motto „wird schon halten“. (lacht) Prinzipiell bin ich positiv gestimmt und gut drauf.

Sind Sie noch häufig in Brasilien?

Mindestens einmal im Jahr versuche ich schon dort zu sein. Meine ganze Familie lebt noch da – also meine Mama, Tanten, Cousins, Onkels. Eigentlich alle.

Vermissen Sie das Leben dort?

Das ist mein riesen Dilemma, das wird es auch mein Leben lang sein: Wenn ich in Brasilien bin, vermisse ich ganz viele Sachen aus Deutschland und anders herum. An Brasilien vermisse ich unter anderem die Wärme. Und Obst. Es gibt dort so leckeres Obst, das ist von der Sonne geküsst. Das hier in Deutschland kann dagegen einpacken. Und natürlich Steak.

Das Motto des WDR-Wissensmagazins „Wissen macht Ah!“, das sie seit Januar gemeinsam mit Ralph Caspers moderieren, ist: „Klugscheißen mit Clari und Ralph“. Sind Sie auch eine Klugscheißerin?

Absolut! Ich hatte in der Schule schon immer was zu sagen. Als es noch keine Noten gab, sondern die Zeugnisse ausgeschrieben waren, stand bei mir immer: „Clarissa störte häufig den Unterricht“ oder „Sie war sehr lebhaft“. Ich habe auch oft dazwischen gequatscht. Aber das war jetzt nicht so ein Gebrabbel. Ich hab schon immer meine Infos weitergegeben. (lacht)

Und wie ist es im Privaten?

Es gibt da ein Lieblingszitat meiner Mutter. Sie hatte eine kleine Diskussion mit meinem Vater und ich saß mit am Tisch. Ich war vielleicht neun oder zehn. Irgendwann hab ich mich zu meinem Vater gedreht und sagte: „Weißt du Papa, du musst der Mama auch nicht Sachen sagen, die sie sowieso schon weiß“.

In welchen Situationen sind Sie dann heutzutage auch noch eine Klugscheißerin?

Also ich möchte betonen, dass ich nicht der nervige Klugscheißer-Typ bin. (lacht) Ich weiß schon, wann ich mal die Klappe halten muss. Das habe ich mittlerweile gelernt. Aber sonst kommt es in allen möglichen Situationen durch. Wenn mir was einfällt, gebe ich gerne meinen Senf dazu.

Wie wird man zu einem Klugscheißer?

Man wird nicht Klugscheißer, man IST Klugscheißer (lacht). Entweder man hat dieses Gen oder man hat es nicht.

Was reizt Sie am Format „Wissen macht Ah!“?

Alles. Ich finde es ganz großartig, weil es so viele Ebenen hat. Man hat eine humorvolle, eine skurrile, eine sehr tiefgründige und eine qualitativ hochwertig recherchierte Wissensebene. Es gibt selten ein Format, das alles vereint. Dadurch ist es auch ein Familienerlebnis.

Glauben Sie, dass sich auch Erwachsene beim Schauen der Sendung oft denken „Ah, so ist das“?

Das ist durch Medienanalysen sogar belegt, dass viele Erwachsene das Format gerne gucken. Mir geht’s häufig auch so. Ich lerne dadurch total viel dazu.

Sie wirken jetzt als Erwachsene mit, haben Sie es denn als Kind auch selbst geschaut?

Ja, ich war früher ein großer Fan. Das Schöne ist eben, dass sowohl Kinder als auch als Erwachsene über viele Gags lachen können. Das finde ich, ist das Großartige daran. Die Ansprache ist so vielseitig, dass die Sendung sowohl Kinder als auch die Eltern anspricht.

Alles wird sehr kindgerecht erzählt. Wo liegen da die Schwierigkeiten?

Man muss immer wieder das Kind in sich selber suchen. Man ist halt erwachsen und hat dementsprechend eine andere Basis. Ich denke mir beim Besprechen der Themen häufig: „Moment, ich muss mich jetzt zurückversetzen.“ Da muss man überlegen, was würde man nicht verstehen, wo würde eine Einordnung helfen.

Sie haben mal in einem Interview gesagt, man solle nicht „warum“, sondern „wozu“ fragen. Trotzdem jetzt die Frage: Warum haben Sie gerade ein Faible für Fernsehen für Kinder und Jugendliche?

„Warum“ ist eine Frage nach einer Begründung, etwas was bereits passiert ist – die Vergangenheit kann man aber nicht ändern. „Wozu“ fragt eher nach dem Ziel, wofür ist das gut – also zukunftsorientiert. Ich finde in die Zukunft zu gucken statt sich den Kopf über die Vergangenheit zu zerbrechen eine gute Einstellung.

Außerdem gibt es für mich keine schönere Vorstellung, als dazu beizutragen, dass man Kinder und Jugendliche ernst nimmt und vor allem ist es eine enorme Bereicherung mit ihnen auf Augenhöhe zu kommunizieren. Als Moderatorin beim Kinder- und Jugendfernsehen kann man genau das tun.

Was ist denn das Schöne am Fernsehen für Kinder?

Ich mag Kinder einfach. Sie sind ein super Publikum. Die sind ehrlich und haben keine Schere im Kopf.

Was meinen Sie damit genau?

Sie nehmen dich so, wie du bist. Und dann finden sie dich entweder cool oder scheiße. Die würden jetzt nie anfangen und sagen: „Oh Gott, was hat die da an?“ oder „Wie ist die denn geschminkt?“. Das ist pur.

Nach 15 Jahren folgen Sie jetzt auf Shary Reeves. Haben Sie Respekt vor den Fußstapfen, in die Sie treten?

Ich selber habe gesagt „Wie, Shary ist nicht mehr dabei?!“. Das sind riesen Fußstapfen, in die ich da trete. Ich habe da angenehmen Respekt vor, freue mich aber auch sehr. Es ist eine Herausforderung.

Was wollen Sie eventuell anders machen als Ihre Vorgängerin Shary Reeves?

Ich bin ein anderer Mensch. Ich werde Shary nicht kopieren und vergleiche mich auch nicht mit ihr. Ich bin einfach ich. Dadurch ist auch das Zusammenspiel zwischen Ralph und Shary ein anderes, als das zwischen Ralph und mir.

Hat sie Ihnen denn etwas für die neue Aufgabe mitgegeben?

Wir haben uns persönlich noch gar nicht getroffen, haben uns aber geschrieben. Das war super sympathisch. Sie hat gesagt: ‚Ganz ehrlich, hab Spaß. Du bist gut, du machst das‘.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Ralph Caspers?

Ralph und ich haben uns gleich auf Anhieb gut verstanden. Wir kannten uns schon vorher durch die Aktion „Kika kommt zu dir“, wo wir als Vertretungslehrer an einer Schule eine Biostunde geleitet haben. Das war berufliche Liebe auf den ersten Blick. Deswegen war die Produktion echt toll.

Wir haben zwar einen unterschiedlichen Humor, aber verstehen den Humor des jeweils anderen. Dadurch ergänzen wir uns gut. Auch vom Wesen her sind wir sehr verschieden. Ich bin ja eher aufgedreht und flippig. Ralph ist eher ruhig und sehr sarkastisch. Das ist, glaube ich, erfrischend.

Was ich beim Schauen einer der aktuellen Episoden sehr sympathisch fand: Als die Mischung für Seifenblasen zusammengemixt wird, läuft was daneben. Die ersten Seifenblasen gehen aller Erklärung nach, dass sie durch den hinzugefügten Maissirup stabiler sind, doch kaputt. Es wirkt natürlich und nicht künstlich perfekt. Ist das gewollt?

Ich habe immer das Gefühl, dass ich mich selbst und meine Art immer auch einbringen kann und mache das gerne. Auch aufgrund meiner Live-Erfahrung im Format KiKA-Kummerkasten habe ich immer wieder neue Ideen. Denn da muss ich oft auch Situationen überspielen. Beim Dreh von „Wissen macht Ah!“ reagierte die Redaktion meist mit: „Ach, das ist doch nett, wir nehmen das jetzt so“.

Wo liegen die Herausforderungen der Sendung?

Wir legen sehr viel Wert darauf, dass alles journalistisch gut recherchiert ist. Es kommt ganz klar darauf an, dass alles auch korrekt ist. Es ist schließlich ein Wissensmagazin. Da wäre es fatal, wenn falsches Wissen weitergegeben wird. Auch bei den Moderationen ist das so: Manchmal vergisst man einen Halbsatz. Aber dann wird häufig nochmal gedreht, damit dieser Halbsatz auch drin ist und alles korrekt ist.

Gibt es Themenbereiche, die Sie besonders interessieren?

Ich finde physikalische Phänomene ganz spannend. Mich freut es, wenn das Ganze so aufbereitet wird, dass Kinder es verstehen und auch Spaß dabei haben, es zu verstehen.

Warum denn gerade Physik – für viele Schüler eines der Horrorfächer?

Ich hatte sogar Physik Leistungskurs. Mathe mochte ich eh schon immer, da dachte ich, dann kann ich auch Physik. Das war ein Fehler (lacht). Aber der Mann meiner Mutter ist Physikprofessor an einer der besten Unis in Südamerika. Dadurch hatte ich gute Unterstützung.

Welche Frage würde Sie brennend interessieren?

Da gibt es viele. Wenn mir eine einfällt, schreibe ich mir die immer in mein Handy. Beispielsweise: „Wieso sind Tomaten immer heißer als der Rest vom Essen?“ oder „Können Affen lachen?“

Wie oft oder wann besonders denken Sie sich „Aaahh… so ist das“?

Wenn ich sehr viel alleine bin. (lacht) Ich bin generell ein Tüftler-Typ und sehr neugierig. In manche Dinge kann ich mich sehr schnell reinsteigern. Nach dem Abi hatte ich beispielsweise sehr viel Zeit und hab mich ganze sechs Wochen mit dem Zauberwürfel auseinandergesetzt, habe mir Algorithmen überlegt, wie man das Ding lösen könnte.

War das Wetter schlecht oder warum macht man das?

Nein, zu der Zeit habe ich noch in Brasilien gelebt, da war super Wetter (lacht). Aber meine Mutter hat sich echt Sorgen gemacht. Nur lässt mich sowas dann nicht in Ruhe.

Sie haben nach dem Abitur Medienmanagement studiert. Warum wollten Sie gerade zum Fernsehen?

Ich habe nach dem Studium gemerkt, dass ich das nicht machen möchte und keine Managerin werden will. Aber auch schon als Kind habe ich getanzt und war immer viel auf Bühnen unterwegs, hatte nie wirklich ein Problem damit, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich habe da einfach Spaß dran.

Was sollen Zuschauer nach dem Schauen von „Wissen macht Ah!“ aus der Sendung mitnehmen?

Es wäre super, wenn sie einen Ah-Effekt aus der Sendung mitnehmen. Es sind immer fünf Filme, das ist schon viel Input, aber wenn eine Sache hängen bleibt, würde ich mich freuen. Und ein fetter Lacher muss auch dabei sein.

Die neue Staffel „Wissen macht Ah!“ ist ab dem 28. Mai zu sehen, immer montags bis donnerstags, 19.25 Uhr bei KiKA