TV-Programm am Karfreitag Sehenswert: ARD-Fluchtdrama „Die Kinder der Villa Emma“

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Bangen um ihr Leben: Auf ihrer Flucht vor den Nazis werden die Kinder und Jugendlichen von Schweizer Grenzbeamten ins Visier genommen. Foto: ARD Degeto/ORF/Graf Film/Volker GlaeserBangen um ihr Leben: Auf ihrer Flucht vor den Nazis werden die Kinder und Jugendlichen von Schweizer Grenzbeamten ins Visier genommen. Foto: ARD Degeto/ORF/Graf Film/Volker Glaeser

Wien. Jüdische Kinder werden im 2. Weltkrieg von der Jugend-Alija aus Europa nach Palästina geschleust. „Die Kinder der Villa Emma“ ist ein sehenswertes Drama um Flucht, Mut und Verantwortung am Karfreitag, 30. März 2018, um 20.15 Uhr in der ARD.

Wien, April 1941. Für die 14-jährige Betty (Sophie Stockinger) stürzt die Welt ein, als ihr Vater ihr verkündet, dass er nach Amerika fliehen muss. Allein. Betty soll sich inzwischen mit der Jugend-Alija, einer jüdischen Hilfsorganisation, nach Palästina durchschlagen. Dass es ein Glück ist, einen Platz im Zug zu bekommen und dass Bettys zurückbleibende Freundin Paula dem Tod geweiht ist, das ahnt Betty nicht. Auch nicht, dass ihre Reise nach Palästina mehr als vier Jahre dauern wird. „Die Kinder- und Jugend-Alija hat vielen jüdischen Kinder geholfen zu fliehen“, sagt die Drehbuchautorin Agnes Pluch. „Aber nicht jede Flucht ist gut ausgegangen.“

Eine Fluchtgeschichte, die gut ausgeht

Diese schon, denn fast alle der über 70 Kinder, von denen der Film erzählt, haben den Krieg überlebt. „Das Schicksal dieser Gruppe ist gut erforscht“, sagt Pluch. „Der Historiker Klaus Voigt hat darüber schon Ende der 1990er Jahren ein dickes Buch geschrieben, das war meine wichtigste Quelle.“ Die Flucht der Wiener Kinder führte über Zagreb und Slowenien nach Italien in die „Villa Emma“, ein leerstehendes Haus in dem kleinen Ort Nonantola in der italienischen Po-Ebene. „Die Villa existiert heute noch“, sagt Pluch. „Es ist dort ein kleines Museum eingerichtet, das die Rettung der Kinder dokumentiert.“ Das Dorf ist zu Recht stolz auf diese Geschichte, denn es hatte großen Anteil an der Rettung der Kinder. „So gesehen ist der Film auch eine Geschichte mit Hoffnung.“

Unterstützt wurden Pluch und das Filmteam auch von Ari Rath, einem inzwischen verstorbenen Zeitzeugen. „Ari ist auch über die Jugend-Alija nach Israel gekommen“, so Pluch. „Es war ein Geschenk, diesen Mann noch kennenzulernen. Er hat uns am Set besucht, und besonders die jungen Schauspieler, die ja in einer ganz anderen Zeit aufgewachsen sind, waren sehr bewegt von der Begegnung.“

Reale Vorbilder für die Personen und Geschichten

Der Film verkürzt die jahrelange Flucht auf gut anderthalb Stunden und die sicher nicht immer spannenden Tage auf dramatische Szenen: auf Angriffe und Gefahren, auf Liebe und Tod. „Natürlich gibt es für einen Spielfilm bestimmte dramaturgische Vorgaben“, sagt die Österreicherin Agnes Pluch. „Aber ich habe schon versucht, mich so weit wie möglich an die Fakten zu halten.“ Dabei seien die Figuren „nicht eins zu eins“ in der Geschichte zu finden, aber für alle gebe es „reale Vorbilder“, sogar für die eingewobene Liebesgeschichte zwischen der Hauptperson Betty und dem 17-jährigen Salomo.

Einige Personen sind historisch besonders klar erkennbar. Etwa Georg Bories (August Zirner), der die Gruppe zunächst leitet, aber schon auf der ersten Station in Zagreb bei einem Rettungsversuch ermordet wird. Oder Helga (Nina Proll), die als Abgesandte aus Palästina die Gruppe begleitet. Und vor allem Josko Indig (Ludwig Trepte), ein junger kroatischer Jude, der nach Georgs Tod unfreiwillig der Chef der Gruppe wird. Die Erinnerungen von Josko, der nach dem Krieg in Israel im Kibbuz Gat lebte, hat der Historiker Klaus Voigt im Jahr 2006 als Buch herausgegeben. „Klaus Voigt hatte noch persönlichen Kontakt zu Personen, die mit dieser Gruppe nach Israel gekommen waren, Josko konnte er noch in Israel besuchen. Zum Zeitpunkt meiner Arbeit an dem Stoff waren die wenigen noch lebenden Geflüchteten leider schon zu krank, um noch zu erzählen“, sagt Agnes Pluch.

Kinder auf der Flucht wurde plötzlich aktuell

Und dann ist da noch die Sache mit der Aktualität. „Gedreht wurde der Film im Sommer 2015, als plötzlich diese große Zahl von Schutzsuchenden aus Syrien nach Europa kam“, erzählt Agnes Pluch. „Die Flucht von unbegleiteten Kindern – das war auf einmal in aller Munde. Das gab den Dreharbeiten plötzlich noch eine andere Dimension. Diese Aktualität hat uns alle überrascht.“ Auch die Frage, wer solche Kinder aufnehmen will und wer die Grenzen dichtmacht, kam auf einmal ziemlich nah. „Besonders, wenn man an die politische Situation in Österreich denkt“, so die Wienerin Pluch.

Im Österreichischen Fernsehen (ORF) wurde der Film schon 2016 gezeigt. „Auch am Karfreitag“, sagt Pluch. „Die Programmverantwortlichen meinen wohl, dass das ein typischer Karfreitagsfilm ist.“ Und damit liegen sie nicht ganz falsch, erzählt er doch eine ganz üble Geschichte, die am Ende doch gut ausgeht.


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