Von Lummerland nach Kummerland Fantastische Realverfilmung von Endes „Jim Knopf“

Von Frank Jürgens


Osnabrück „Der letzte Bulle“ Henning Baum und Nachwuchsdarsteller Solomon Gordon glänzen in der fantastisch und liebevoll umgesetzten Realverfilmung nach Michael Endes Kinderbuchklassiker „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Regisseur Dennis Gansel. Ein Abenteuer für die ganze Familie.

Wer kennt sie nicht, diese „Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer“? Natürlich. Das ist Lummerland. Der Geburtsort von „ Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer „. Wobei Geburtsort nicht ganz korrekt ist. Schließlich kommt Jim erst als Baby auf die Insel. In einem Paket. Der Postbote hat Lummerland offenbar mit dem fernen Kummerland verwechselt. Dort sollte Jim eigentlich an eine gewisse Frau Mahlzahn verschachert werden...

Bereits 1960 erschien das legendäre Kinderbuch aus der Feder von Michael Ende („ Momo „). Gleich zweimal wurde es von der Augsburger Puppenkiste für das Fernsehen verfilmt. Nun erscheint erstmals eine Realverfilmung des Stoffes auf der großen Leinwand.

Liebevolle Adaption

RegisseurDennis Ganselsollen für seine sehr gelungene, weil fantasie- und liebevoll umgesetzte Adaption rund 25 Millionen Euro zur Verfügung gestanden haben. Kein Pappenstiel für eine deutsche Produktion. Aber das Geld soll ja nicht nur hierzulande, sondern auch im Ausland wieder eingespielt werden. Das erklärt auch die internationale Besetzung mit dem britischen Nachwuchsdarsteller Solomon Gordon in der Titelrolle des Jim Knopf sowieShirley MacLaine, die in der englischen Synchronfassung anstelle von Judy Winter die Drachendame Mahlzahn spricht.

Gansel setzt in seiner opulenten Verfilmung (Drehbuch: Andrew Birkin, Sebastian Niemann, Dirk Ahner und James V. Hart) auf eine erstaunlich werkgetreue Umsetzung der Romanvorlage. So beginnt das eigentliche Abenteuer erst, als Jim schon ein großer Junge ist.

Da nämlich fasst König Alfons der Dreiviertel-vor-Zwölfte (Uwe Ochsenknecht) einen folgenschweren Entschluss. Die Insel Lummerland sei zu klein für Jim und die Dampflok. Und weil der Junge unmöglich weggeschickt werden könne, müsse halt der Eisenbahnverkehr eingestellt werden. Das können und wollen aber weder Jim noch Lokomotivführer Lukas ( Henning Baum, „Der letzte Bulle“) durchgehen lassen.

Fremde Kulturen und fantastische Geschöpfe

Kurzentschlossen stechen sie mit ihrer Dampflok in See und finden sich schon bald auf einer wilden Abenteuerreise wieder. Eine Flaschenpost macht sie auf die missliche Lage der armen, entführten Prinzessin Li Si (Leighanne Esperanzate) aufmerksam, die in Kummerland gefangen gehalten wird. Ehrensache, dass sich Jim und Lukas auf die Suche machen. Dabei stoßen sie auf zahlreiche Wunder und lernen fremde Kulturen und fantastische Geschöpfe kennen.

Die nicht nur optisch brillant umgesetzte Verfilmung hält geschickt die Balance zwischen bombastischen Bildern, abenteuerlicher Action und Ruhephasen, die den kleinen und großen Zuschauern auch Zeit lassen, das Gesehene zu verarbeiten.

Aber natürlich schimmern im Film auch die Werte der Buchvorlage von Michael Ende durch. Sein „Jim Knopf“ ist schließlich weitaus mehr als „nur“ ein Kinderbuch. Es bezieht klar Stellung gegen den Rassenwahn der Nazis und hält ein zeitloses Plädoyer für Toleranz, Freiheit und ein friedliches Miteinander.