„Das Joshua-Profil“ auf RTL „Gewaltgeil und dumm?“ – Sebastian Fitzek antwortet Denis Scheck

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Berlin. Seit Jahren moniert der Literaturkritiker Denis Scheck die Thriller Sebastian Fitzeks als „talentlos“, „gewaltgeil“ und „dumm“. Vor der Ausstrahlung der RTL-Verfilmung von Fitzeks „Das Joshua-Profil“ haben wir den Autor gefragt: Was antwortet er auf diese Kritik?

Nach acht Minuten tritt Sebastian Fitzek selbst auf: „Kritiker klatschen nicht in die Hände“, sagt er in der Rolle eines Buchhändlers, der eine Lesung moderiert. „Aber ich muss sagen: Grausige Geschichte – mir gefällt’s.“ Den Gastauftritt darf man als Kommentar in eigener Sache einordnen: Denn auch wenn Fitzeks grausige Thriller Millionen Lesern gefallen, gibt es einen Kritiker, der jeden davon in die Tonne wirft: Denis Scheck. (Mehr Fitzek: Im Wortlaut-Interview spricht der Autor über mysteriöse E-Mails in seinem Postfach)


„Gewaltgeil und dumm“: Fitzeks schärfster Kritiker

Der Gastgeber der ARD-Sendung „Druckfrisch“, nennt den Autor „talentlos, klischeeverhaftet und – mit Verlaub – dumm“, erklärt seine „Geil-auf-Gewalt-Prosa“ zur „Nulllinie der deutschen Literatur“ und schlägt den Namen Fitzek als „Eichmaß für die größte Menge an Zumutungen pro Seite“ vor. (Auf der Homepage von Schecks ARD-Sendung „Druckfrisch“ können Sie einige der Verrisse nachlesen.)

Wie sehr verletzt so eine Schmähkritik? Der Schriftsteller antwortet mit einer Gegenfrage: „Welchen Autor hat Denis Scheck entdeckt und gefördert? Wem hat er als Literaturkritiker zum Durchbruch verholfen?“, sagt er. „Für mich ist das belanglos. Er hat noch nicht mal eine Auswirkung auf Autoren, die er mag. Wenn Elke Heidenreich ein Buch empfohlen hat, haben die Buchhändler die Sektkorken knallen lassen. Das hat Auflagen verdoppelt. Denis Scheck arbeitet sich seit zehn Jahren an mir ab, warum auch immer. Er ist bekannt dafür, dass er Bücher in den Mülleimer wirft. Ich bin bekannt dafür, dass ich Menschen zum Lesen bringe. Mit dieser Aufgabenverteilung kann ich gut leben.“ („Safehouse“: Wie gut ist das Brettspiel von Sebastian Fitzek?)

Im Fitzek-Thriller „Das Joshua-Profil“ gerät der Schriftsteller Max Rhode (Torben Liebrecht) in eine blutige Verschwörung, die seine Tochter Jola (Lina Hesker) das Leben kosten kann. Foto: RTL, Boris Laewen

Kein Markt für deutsche Thriller? Fitzek widerlegt die Branche

Auch die Branche war anfangs kritisch: „Für deutsche Thriller sehen wir keinen Markt“ – mit diesen Worten, erinnert sich Fitzek, haben die Verlage reagiert, als er vor zwölf Jahren seinen ersten Roman „Die Therapie“ angeboten hat. Die Erstauflage betrug 4000 Exemplare – und wurde zur Grundlage eines Millionenerfolgs. Fitzeks Romane werden regelmäßig zu Bestsellern; seinem Verlag Bastei-Lübbe zufolge ist er der erste deutsche Thriller-Autor, der drei Bücher gleichzeitig auf den ersten drei Plätzen der „Spiegel“-Bestseller-Listen hatte. Sieht er sich als Vorkämpfer? Da nehme ich mich gar nicht so wichtig“, sagt Fitzek. „Es gab vor mir schon gute deutsche Thriller auf dem Buchmarkt: Petra Hammesfahr, Frank Schätzing. Trotzdem haben die Verlage sich nicht so rangetraut.“ Warum eigentlich? Der Schriftsteller sieht den Grund im Hochmut des Betriebs: „Es gibt ganz einfach Entscheider, die ihr Gespür für den Markt überschätzen. In der Eisenbahn habe ich einmal einen schwedischen Verleger kennengelernt, der mir gesagt hat: Er ist sehr stolz darauf, dass er der einzige ist, der ‚Harry Potter‘ zweimal abgelehnt hat. Der war sich wie alle anderen ganz einfach sicher, den Markt zu kennen.“ Und nach der damaligen Lehre, so Fitzek, galten Kinderbücher ab einer gewissen Seitenzahl als unverkäuflich. Die Verleger hätten „Potter“ nicht mal gelesen. Sein Fazit: „Wir wissen nicht, was Menschen wollen. Marktforschung ist machtlos“, sagt er und nimmt sich selbst nicht aus: „Wenn man mich gefragt hätte, ob ich ein Buch über einen Mann lesen will, der auf dem Mars Ackerbau betreibt, wäre ich weggelaufen. ‚Der Marsianer‘ war trotzdem ein Super-Buch; ich habe es geliebt!“ („Abgeschnitten“: Rechtsmediziner Michael Tsokos über die Zusammenarbeit mit Sebastian Fitzek)

Wieso wagt RTL sich an das „Joshua-Profil“?

Man sollte meinen, dass die von Fitzek kritisierten Bedenkenträger auch in RTL-Redaktionen sitzen. Wie also war es möglich, dass der Sender mit dem nun „Joshua-Profil“ einen Stoff fürs Familienpublikum verfilmt, in dem es nicht nur um Pädophilie geht, sondern auch um ein so kompliziertes Thema wie das „Predictive Policing“ – datengestützte Polizeiarbeit, die Verbrechen vor der Tat verhindern will? „RTL war in jeder Hinsicht sehr mutig. Die Sender haben sich lange Zeit nicht so darum gerissen“, sagt Fitzek – bleibt aber zuversichtlich: „Ich glaube, dass die deutsche Thriller-Welle langsam ins Fernsehen überschwappt.“


„Das Joshua-Profil“

Der Krimi-Autor Max Rhode lebt mehr schlecht als recht von der Erfindung spektakulärer Verbrechen. Als seine Pflegetochter Jola entführt wird, ist er plötzlich selbst die Hauptfigur einer hochkomplexen Intrige. Auf sich allein gestellt, versucht er seine, Familie zu schützen. Sein Gegner ist – die Polizei, die Rhode für den Täter hält. Eine Software, die Verbrechen aufdeckt, bevor sie geschehen, hat die Entführung vorhergesagt. Mit dem TV-Film „Das Joshua-Profil“ wagt RTL sich nach vielen Jahren wieder an einen eigenproduzierten Thriller. Angesichts einer gewalthaltigen Vorlage, die einen pädophilen Psychopathen zum Sympathieträger macht, ist das für den Familiensender eine Herausforderung. Mit „Passagier 23“ verfilmt RTL einen weiteren Fitzek-Thriller.

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