Ab heute Abend im ZDF-Vorabend Neue „SOKO Hamburg“ mit Marek Erhardt im TV

Von Frank Jürgens


Osnabrück Etwas unscheinbar, aber höchst erfolgreich geht das ZDF-Krimiformat „SOKO“ seit nunmehr 40 Jahren im Fernsehen auf Mördersuche. Seit „SOKO Leipzig“ (2001) hagelt es Ableger. Nun bekommt das Format mit der „SOKO Hamburg“ (ab Dienstag, 18.00 Uhr) und „SOKO Potsdam“ weitere Verstärkung.

Als am 2. Januar 1978 eine neue Krimiserie das Programm des ZDF bereicherte, ahnte noch niemand, dass sie sich zu einem der langlebigsten Formate im deutschen Fernsehen entwickeln sollte. „ SOKO 5113 „ hieß die neue Serie, deren Episoden zunächst nur 25 Minuten lang waren. Die kryptisch wirkende Ziffer im Titel geht auf die Telefondurchwahl des ehemaligen Kriminalbeamten Dieter Schenk beim Bundeskriminalamt zurück, der die Idee zur Serie hatte und tatkräftig an ihrer Realisierung mitbeteiligt war.

Seit zwei Jahren läuft die Mutter aller „SOKOs“ nun unter dem Namen „SOKO München“. Sieben Ableger zählt das Format bereits, von denen bislang lediglich die ursprünglich unter dem Titel „Die Spezialisten: Kripo Rhein-Main“ gestartete „SOKO Rhein-Main“ wieder eingestellt wurde.

Nun kommt eine weitere Verstärkung. Und zwar für den bislang so sträflich vernachlässigten Norden, wie die ZDF-Pressestelle ausdrücklich betont. Kann ja auch nicht angehen, dass es südlich ab Köln und Leipzig nur so vor „SOKOs“ wimmelt, während in Norddeutschland allein das kleine Wismar die Stellung halten muss.

Die neue „SOKO Hamburg“ verschafft also gezielt Abhilfe. Dabei ist sie in zunächst lediglich sechs produzierten Episoden nicht nur für die Hafenmetropole zuständig. Auch nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden Kommissar Oskar Schütz ( Marek Erhardt) und seine Kollegen gerufen, wenn es mal wieder zwischen Dithmarschen und Altem Land zu Mord- und Totschlag kommt.

Den Auftakt macht dann aber doch ein seltsamer Fall in Hamburg, bei dem eine Frau einen Sturz vom Balkon aus dem siebten Stock überlebt und sich an nichts erinnern kann. Schon bald wird Oskars Kollegen Jan Köhler ( Mirko Lang), Lena Testorp ( Anna von Haebler), Maria Gundlach ( Kathrin Angerer) sowie dem IT-Spezialisten Cem Aladag ( Arnel Taci) klar, dass hier ein Mordversuch vorliegt. Aber auch, wenn das Opfer den mutmaßlichen Mordanschlag überlebt hat – Krimifans müssen nicht befürchten, dass die erste Folge der neuen „SOKO Hamburg“ ganz ohne Leiche auskommt.

Natürlich unterliegt auch dieser neue „SOKO“-Ableger dramaturgisch und inszenatorisch den relativ simpel gestrickten Anforderungen des Vorabend-Krimis. Im Vordergrund steht die Tätersuche nach dem „Whodunnit“-Prinzip. Da kann dann die ganze Familie vor dem Fernseher mitraten, und am Ende ist der Mörder doch immer ein anderer.

Wirklich interessant ist hier – wie auch bei vielen anderen „SOKOs“ – die Besetzung. Insbesondere der waschechte Hamburger Erhardt in seiner Rolle des manchmal brummeligen Kommissars Köhler fällt auf. Der Sohn von Regisseur Gero Erhardt und Enkel des legendären Heinz Erhardt profitiert in seiner Darstellung des Hauptkommissars Köhler von Vorbereitungen auf eine ältere Rolle.

Ab der zweiten Staffel der Vorabendserie „Da kommt Kalle“ (2006-2011) übernahm er den Part eines Polizeioberkommissars. Um diesen auch glaubhaft spielen zu können, wollte er einfach mal ein, zwei Tage in den echten Polizeidienst schnuppern. Als er dann auf Anraten des Hamburger Polizeipräsidenten Ralf Martin Meyer mit echten Zivilfahndern in Hamburg-Billstedt auf Streife ging, sind aus den zwei Tagen zwei Jahre geworden, die ihn nachhaltig geprägt haben. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit fließen nun nicht nur in die starke Darstellung seiner neuen Rolle mit hinein. Erhardt hat sie auch in seinem vor vier Jahren veröffentlichten Buch „Undercover“ verewigt.

In Sachen „SOKO“ ist mit Hamburg noch lange nicht Schluss. Gerade haben die Dreharbeiten zum neuesten Ableger „SOKO Potsdam“ begonnen.

TV-Tipp: „SOKO Hamburg“. ZDF, dienstags, ab 27. März, 18.00 Uhr.

Lesetipp: Marek Erhardt. „Undercover: Mit Zivilfahndern unterwegs im härtesten Revier der Stadt“. Ullstein Verlag. Berlin, 2014.