Sehenswerter Blick ARD-Doku über Heintje, Dutschke und andere 1968er

Von Frank Jürgens


Osnabrück Der sehenswerte Dokumentarfilm „Deutschland 68 - (K)ein Jahr wie jedes andere!“ (Das Erste, Montag, 23.30 Uhr) entwirft ein Kaleidoskop aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln von APO über Heintje bis hinter den Eisernen Vorhang.

Auf die Idee, einen Dokumentarfilm über das Jahr 1968 und die damit untrennbar verbundenen gesellschaftlichen Umbrüche ausgerechnet mit dem damaligen Kinderstar Heintje einzuleiten, muss man als Filmautor erst einmal kommen. Aber Caroline Pellmann und János Keretzki haben ja Recht. Damals war die von verdrängter Nazi-Vergangenheit, braven Bürgern und rebellierender Nachkriegsjugend geprägte Gesellschaft mindestens so gespalten wie heute. Während Schüler und Studenten den Aufstand auf der Straße probten, katapultierten deren Muttis und Papis mit der Sehnsucht nach einer heilen Welt Sänger wie Heintje auf die vordersten Plätze in den Charts - vorbei an den Beatles und den Rolling Stones.

Die Dokumentation über „Deutschland ‚68“ lebt natürlich von den ganz bewusst in den Vordergrund gerückten Gegensätzen jener Zeit. Besonders interessant wirkt sich hier aus, dass sich Pellmann und Keretzki häufig abseits ausgetretener Pfade bewegen. So kommen neben einstigen Schülern und Polizisten als Zeitzeugen auch damalige DDR-Jugendliche aus Schirgiswalde zu Wort, die wegen Nichtigkeiten ins Visier der Stasi gerieten. „Deutschland ‚68“ ist mit 45 Minuten ein zwar zu kurzes, aber trotzdem sehr sehenswertes filmisches Kaleidoskop über ein sehr prägendes Jahr.

Wertung: 5 von 6 Sternen.

„Deutschland ‚68 – (K)ein Jahr wie jedes andere!“. Das Erste, Montag, 26. März, 23.30 Uhr.