Samstagabend im ZDF Ciao Bella: Letzte „Bella Block“-Folge im ZDF

Von Tom Heise


Osnabrück . Nach 25 Jahren ermittelt die unkonventionelle Kommissarin Bella Block, gespielt von Hannelore Hoger, in der 38. Folge „Am Abgrund“ ihren letzten Fall. Es ist der gelungene und großartige Abschied einer Krimi-Legende.

Auch in ihrem 38. und letzten Fall fährt sie ihn. Genau wie vor 25 Jahren, als sie 1993 mit der Folge „Die Kommissarin“ Premiere feierte: Bella Block und ihr schwarzer VW Käfer-Cabrio gehören einfach zusammen. Läuft und läuft und läuft. Doch jetzt ist Schluss.

„Alte Autos sind immer schwierig. Ein Risiko. Wenn die nicht anspringen, ist das für den Dreh eine Katastrophe“, erklärt Reinhold Elschot völlig unromantisch im Gespräch mit unserer Redaktion. Wie viele der „Kugelblitze“ im Laufe der Jahre für den Dreh benötigt wurden, weiß Elschot nicht. Als junger ZDF-Redakteur betreute er die ersten Bella Block-Filme. Später verfolgte er als Leiter der ZDF-Hauptredaktion Fernsehspiel und als Stellvertretender Programmdirektor des ZDF Bellas Weg bis zu seinem heutigen (Un-) Ruhestand.

Als Einzelfilm geplant

Dabei wurde das erste Drehbuch am Anfang dem Bayrischen Rundfunk angeboten. Doch die Süddeutschen zögerten. Die Vorlage landete beim ZDF „und wir haben quasi über Nacht zugesagt“. Freude bei den Mainzelmännchen. Elschot erinnert sich: „Am Anfang dachten wir nicht an eine Reihe, sondern an einen Einzelfilm. Als wir mit der Bella anfingen, Anfang der Neunziger, waren Kommissarinnen im deutschen Fernsehen alles andere als selbstverständlich, wir betraten gemeinsam Neuland.“

 

Die Besetzung Bellas war für Reinhold Elschot ein Glücksfall: „Hannelore Hoger und Bella Block „matchte“ 1:1.“ Das Publikum nahm die Neue an, die Kritik feierte die kantige Kommissarin, die Nachfolgerinnen den Weg ebnete. Gleich der erste Film heimste wichtige Preise ein, etliche sollten folgen. „ Max Färberböck, Autor und Regisseur der ersten beiden „Bella“-Filme, hat wesentlich zur Entwicklung der Filmfigur beigetragen“, weiß Elschot zu erzählen. Als Vorlage diente eine Romanfigur von Doris Gercke, die sich allerdings später von der Fernseh-Bella distanzierte.

Qualität und Quote

Doch was macht Bella Block und ihren Erfolg aus, so dass aus einem Einzelkrimi eine Erfolgsreihe über ein Vierteljahrhundert wurde? Reinhold Elschot fallen viele Adjektive ein, um Bella zu charakterisieren: „Groß, gewagt, empathisch, ehrlich, fordernd, tiefgehend, widerspenstig, unerschrocken und mit großem Gerechtigkeitssinn.“ Bella Block säuft und flucht, ist schroff und einfühlsam zugleich. Ihre Fälle waren in den meisten Fällen nicht nur unterhaltsam und spannend, sondern auch relevant. Hier wurde endlich mal die alte Forderung der Fernsehfilmschaffenden erfüllt: die Einheit von Qualität und Quote. Mit Kriminalfilmen könne man sehr gut unterhalten, wie auch Gesellschaft am besten erzählen, befindet Elschot. Bella Block sei ein gutes Beispiel dafür.

Gute Autoren, gute Regisseure, gute Rollen- und Episodendarsteller – es gibt viele Faktoren, warum diese Krimireihe so viele Jahre auf (zumeist) höchstem Niveau unterhielt. Der wichtigste Faktor aber ist Hannelore Hoger. „Solange Hannelore Hoger in der Nähe ist, kann man alles erzählen. Die härtesten Bella-Fälle waren mit ihr und wegen ihr machbar. Sie hat uns Sicherheit gegeben“, schwärmt Reinhold Elschot von der Schauspielerin, die jetzt keine Lust mehr auf Bella hat.

Letzte Folge: groß, hart, unversöhnlich

„Am Abgrund“ ist der Titel der letzten Bella Block-Folge, in der Hannelore Hoger überragend aufspielt. Am Abgrund steht die unkonventionelle Polizistin schon nach wenigen Szenen, denn nur durch Zufall überlebt sie einen Autobombenanschlag, bei dem Mehlhorn (Hans-Jürgen Hürrig), Staatsanwalt und guter Bekannter Bellas, getötet wird. Der wollte sich wie Bella in den Ruhestand verabschieden, war aber noch einer großen „Schweinerei“ auf der Spur. Pensionärin Block beginnt ein letztes Mal zu ermitteln und gerät ein weiteres Mal in Todesgefahr.

„Die letzte Folge ist eine „große“ und sehr harte Folge. Und sie ist unversöhnlich“, urteilt Reinhold Elschot. Und er hat Recht. Groß ist die Folge durch ihre fabelhafte Besetzung  bis in die kleinste Rolle (u.a. Corinna Harfouch, Aljoscha Stadelmann). Groß wird sie durch ein Wiedersehen mit alten Weggefährten Bellas: Ex-Lover Simon Abendroth (Rudolf Kowalski), Ex-Assi Jan Martensen (Devid Striesow) und Ex-Kollege Malte Schnaak (Rainer Bock). Groß und hart wird die Folge durch das spannende Buch von Susanne Schneider und die exzellente Regie von Rainer Kaufmann. Unversöhnlich, aber konsequent wird die Folge durch ihr Ende.

Ohne zu „spoilern“: Bella stirbt nicht. Aber nicht immer gingen in dieser Ausnahmekrimireihe die Dinge gut aus. Auch in der letzten Folge nicht. Und das ist gut so. Bella Block hat die deutsche Fernsehlandschaft verändert und bereichert. Eine derartig stimmig entwickelte und gespielte Figur sucht ihresgleichen. Für das ZDF ist es „der Abschied einer Legende“. Für uns der von einer geliebten Figur. Ciao Bella!