Maschmeyer im Quotenloch „Start Up!“: Darum floppt die Maschmeyer-Show von Sat.1

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Berlin. Mit der „Start Up!“ macht Carsten Maschmeyer seinem eigenen Format „Höhle der Löwen“ Konkurrenz. Erfolglos: Die Sat.1-Show blieb in der Primetime noch hinter den alten Krimis von ZDFneo.

Der erste Kandidat, den Carsten Maschmeyer aus seiner Sat.1-Show „Start Up!“ rausschmeißt, will die Welt mit kristallklaren Eiswürfeln beglücken. Gibt es schon, befand der Investor nach einer Internet-Recherche. Für den Marktwert seines eigenen TV-Auftritts hätte er nicht mal googeln müssen. Dass es auch Gründer-Shows schon gibt, weiß er ja. In der erfolgreichsten macht er schließlich selbst mit. Warum Maschmeyer und die Sony Fernsehproduktion bei Sat.1 nun ihr eigenes Vox-Format „Die Höhle der Löwen“ plagiieren, gehört zu den großen Rätseln dieser ziemlich schlechten Show.

Worum geht‘s in „Start Up!“ überhaupt?

Die erste Hälfte des Show-Auftakts ist eine reine Pitch-Parade. Die erste Gründerin will mit Käsekuchen ohne Boden die Welt retten, die nächste schnuppert an „Männerkerzen“ mit dem Duft von Räucherspeck. Beide gehören zu den Kandidaten, die Sat.1 nach DSDS-Vorbild als Selbstüberschätzer blamiert; die Grenzen sind allerdings fließend: Stützstrümpfe für Frauen mit erschlafften Oberarmen gelten Maschmeyer beispielsweise als Superidee. Und am Ende wird sogar eine von allen als nutzlos erkannte Kreuzung aus Kugelschreiber und Fidget Spinner in die Top 14 aufgenommen – weil ihre Erfinderin charismatisch ist. „Person vor Produkt“, lautet Maschmeyers Grundsatz. Womit zumindest erklärt wäre, warum es überall so viel Mist zu kaufen gibt. (Mehr zum Thema: Verfahren gegen Maschmeyer nach Millionenzahlung eingestellt)

Wo bleiben Maschmeyers Motivationszoten?

Volle 200 Minuten zelebriert „Start up!“ eine zähe Eintönigkeit. Das liegt an der Überfülle hastig abgehandelter Pitches, an der Redundanz immergleicher Off-Kommentare und an der plumpen Euphorie, mit der nicht nur die Produkte der Gründer bejubelt werden, sondern sogar das nagelneue Hotel, in dem Sat.1 gedreht hat. Vor allem aber liegt es am Gastgeber der Show: Vielleicht ist das würdevolle Nicken, mit dem Carsten Maschmeyer jeden einzelnen Kandidaten begrüßt, wirklich die einzige Geste in seinem Repertoire. Vielleicht schneidet Sat.1 auch einfach immer wieder dieselbe Aufnahme ein. Die Langeweile ist jedenfalls Programm. „Ich favorisiere Gründer mit Herzblut, Begeisterung und Überzeugung“, sagt der Investor zum Beispiel. Wo ist der Maschmeyer, der das Anwerben von Finanzberatern mit der Auswahl von Nackttänzerinnen und „Bimbos“ im Puff verglichen hat? Wo bleibt der Schwung der alten Parolen? „Titten gucken, Schniedel gucken, Mitarbeiter einstellen“, rief Maschmeyer früher. Heute klingt er so: „Ein guter Gründer muss für mich kreativ, kommunikativ und mutig sein.“ Dass der Investor zuletzt viel von seinen Entertainer-Qualitäten viel eingebüßt hat, ist aus der „Höhle der Löwen“ bekannt. Trotzdem schmerzt der Kontrast zu den alten AWD-Motivationsreden.

Wie wird man bei Maschmeyer zum Unternehmer?

Wer sich ausgerechnet Maschmeyer als Mentor wünscht, der hofft nicht nur auf ein Millioneninvestment – sondern auch auf Tipps und Tricks: Was sagt man unzufriedenen Anlegern? Ab wann gehört die Wahlkampfhilfe in den Businessplan? Welche Paragrafen helfen wirklich gegen schlechte Presse? Das „Start Up!“-Training aus dem zweiten Teil der Auftaktshow ist in diesen Kernfragen keine große Hilfe: In einer ersten Übung müssen Maschmeyers Gründer Passanten von ihrem Produkt überzeugen – ohne es zu zeigen. Dann organisieren sie, warum auch immer, eine Bustour zu Berliner Sehenswürdigkeiten. Nächste Woche sollen sie dann als Einpeitscher in die Kabine von Profi-Sportlern. Hut ab! Sat.1 begeistert mit Challenges, die noch weniger mit der Wirklichkeit zu tun haben als das Catwalk-Training von GNTM. Linda, die Erfinderin des komfortablen Büstenhalters „Linda-Bra“, hat ihr Produkt beim Straßenmarketing übrigens verbotswidrig trotzdem gezeigt. Maschmeyser hält ihr eine lange Rede über Wettbewerbsregeln und geschäftliches Fairplay. Eine Frage beantwortet das Format also doch: Wie poliert man sein eigenes Image in einer TV-Show auf, die alle anderen Beteiligten zum Affen macht?

Was sagt die „Start Up!“-Quote?

Die Show ist noch viel schlechter als das ebenfalls gescheiterte „Ding des Jahres“. Und auch das Publikum hat das gemerkt: Die auf über drei Stunden aufgeblasene Primetime-Show muss sich nicht nur der ZDF-Serie „Ku‘damm 59“ (5,6 Millionen Zuschauer) und Mario Barth (3,49 Millionen) geschlagen geben. Sogar ZDFneo liegt mit einem recycelten Krimi noch deutlich vor den 1,09 Millionen Sat.1-Zuschauern.


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