Regisseur Friedemann Fromm im Gespräch „Die Freibadclique“: Wie Krieg Freundschaft verändert

Von Nina Brinkmann


Osnabrück. Fünf Jungs müssen in Zeiten des Krieges erwachsen werden. „Die Freibadclique“ basiert auf dem Roman von Oliver Storz. Regisseur Friedemann Fromm hat auf dieser Vorlage einen Film geschaffen, der die Themen Freundschaft, Freiheit und Schuld auf eine berührende Art darstellt.

„Bleibt übrig“ – Es ist nur ein Satz den die blonde Lore den fünf Jungs der Freibadclique mit auf den Weg gibt, als diese in den Zug steigen. Der Zug bringt sie weg - weg von ihrem Alltag hinein, in die völlig fremde Welt des Krieges. „Der Satz ist ganz zentral. Das ist das, was Onkel und seine Clique während der Zeit im Krieg am Leben hält“, sagt Fromm im Gespräch mit unserer Redaktion.

Im Sommer 1944 treffen sich die fünf Schwaben normalerweise regelmäßig im örtlichen Freibad. Im Kopf haben sie eigentlich nur Mädchen und Musik. Doch dann werden sie aus ihrer hormonell überhitzten Welt herausgerissen und müssen schauen, wie sie mit der neuen Situation klar kommen.

Onkel (Jonathan Berlin), ist der Anführer der Clique. Der erste Teil zeigt, wie er und die anderen Jungs gemustert werden, wie sie alle eingezogen werden und sie ihre ersten eigenen Erfahrungen mit dem Krieg machen. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Besonders als der Erste von ihnen fällt, machen sich Schuldgefühle breit. Lores Aufforderung kommen also nicht alle nach. Nur ein Teil der Clique kehrt aus dem Krieg zurück.

Experte für zeitgeschichtliche Stoffe

Fromm war unter anderem für die DDR-Serie „Weissensee“ und den NS-Film „Nacht über Berlin“ verantwortlich. Er gilt als Experte, wenn es um die Verfilmung von zeitgeschichtlichen Stoffen geht. „Die Wahl dafür ist gar nicht immer so bewusst, mich reizen einfach gute Geschichten“, sagt er. Gerade auch in der heutigen Zeit sei es angebracht, das Thema Krieg in einem Film in den Fokus zu rücken: „Zeitgeschichtliche Stoffe sind wichtig, um den Blick wieder zu schärfen, dass es durchaus ganz schnell wieder anders sein kann, wenn man die Freiheit, die wir haben, nicht wertschätzt.“

Die Freibadclique sei so eine gute Geschichte. Besonders die Figuren seien großartig. „Es sind alles hochmoralische Figuren, die ganz klare Wertvorstellungen haben und sich füreinander einsetzen“, so der Regisseur. Das zeigte schon zu Beginn des Films. Die Jungs versprechen sich, dass wenn einer von ihnen eingezogen wird, sie alle in den Krieg ziehen werden.

Freundschaft muss neu entdeckt werden

Das Kriegsende ist für den Film eine Zäsur. Die aus dem Krieg zurückgekehrten jungen Männer müssen sich erst einmal wieder zu Recht finden und ihre Freundschaft neu entdecken. Früher sprangen Onkel und Knuffke (Theo Trebs) immer gemeinsam in Fliegerformation vom 10-Meter-Turm im Freibad. „Das ist ein Bild von unbedingtem Vertrauen“, sagt Fromm. „Näher kann man einem anderen Menschen fast gar nicht sein, als wenn man sich mit jemandem so eng nebeneinander in die Tiefe stürzt.“ Nach dem Krieg springt Knuffke auf einmal allein. Onkel bleibt oben stehen. Gerade diese Szenen haben Fromm schon beim Lesen des Romans von Oliver Storz gepackt. „Ich habe versucht herauszufinden, welche Szenen auch Oliver wichtig gewesen wären. Themen wie Freundschaft und Courage haben auch ihn immer wieder beschäftigt. Das wollte ich filmisch umsetzen“, sagt der Regisseur.

Die Themen, die Storz und auch Fromm wichtig waren, werden durch die authentische darstellerische Leistungen der jungen Schauspieler getragen. Im zweiten Teil wird der Film etwas unübersichtlich. Beispielsweise durch die unvermittelt auftauchende Figur Gunda (Vica Kerekes), die Geliebte eines Geheimdienstchefs, die allen voran Knuffke den Kopf verdreht. Trotzdem behält der Zuschauer durch geschickt eingesetzte Vorblenden auf das Ende die Lust am Zuschauen. Aber durch die überzeugende Darstellung der jungen Schauspieler, fühlt der Zuschauer zu jeder Zeit mit und denkt darüber nach, wie er sich an ihrer Stelle verhalten hätte. Allein deswegen lohnt es sich den Film anzuschauen. Das liegt Fromm besonders am Herzen: „Meine Idealvorstellung ist, dass sich Familien den Film gemeinsam anschauen und danach darüber sprechen.“

„Die Freibadclique“ läuft am Mittwoch, 28. März, um 20.15 Uhr im Ersten.