Leider nicht viel besser Polizeiruf 110 aus Magdeburg: „Starke Schultern“, kein gutes Team

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Der Polizeiruf 110 kommt diesmal aus Magdeburg. „Starke Schultern“ ist der dritte gemeinsame Auftritt von Claudia Michelsen als Doreen Brasch und Matthias Matschke als ihrem Kollegen Dirk Köhler. Leider auch nicht viel besser als die ersten beiden missratenen Versuche.

Aller guten Dinge sind drei, heißt es. Aller schlechten Filme auch? Schon zweimal haben die eigentlichen vorzüglichen Schauspieler Claudia Michelsen und Matthias Matschke als Ermittlerpaar im Magdeburger „Polizeiruf“ enttäuscht – höchste Zeit, mal einen passablen Krimi abzuliefern.

Es brennt. Sirenen heulen durch die Nacht, Feuerwehrleute hetzen, dichter Qualm steigt auf aus einer Luxusvilla. Davor steht René Ottmann (Thomas Loibl) und hustet. Der ebenso erfolgreiche wie selbstgefällige Bauunternehmer sagt von sich selbst „Ich mache alles, was groß ist“. Nicht nur die Kommissarin, auch das Publikum weiß gleich: Das ist keiner, den wir mögen. Aber einer, der geradezu exemplarisch für diesen Polizeiruf steht.

Aus dem Setzbaukasten

Denn „Starke Schultern“ ist ein Krimi aus dem Setzbaukasten. Ein vielgehasster Unternehmer, viele lose Enden, ein dunkles Familiengeheimnis und zwei Polizisten, die sich nicht verstehen – die zupackende Doreen Brasch (Michelsen) und der linkische Dirk Köhler (Matschke). Und ein Polizeipsychologe (Steven Scharf), der den beiden die Zusammenarbeit erträglich machen soll. Und demnächst wohl häufiger dabei sein wird.

Damit plätschert dieser Polizeiruf so vor sich hin, ist nicht richtig schlecht, aber ganz bestimmt auch nicht richtig gut. Und dürfte Sylvester Groth im Nachhinein einmal mehr in seiner Entscheidung bestärken, nach fünf Folgen wegen der Qualität der Drehbücher aus diesem Format ausgestiegen zu sein. Vor allem das Finale von „Starke Schultern“ kommt daher wie ein prominent besetztes Bauerntheater.

Nur Michelsen überzeugt

Bleibt die Frage, wann auch Claudia Michelsen und/oder Matthias Matschke zu Groths Erkenntnis kommen. Denn das Buch zu „Starke Schultern“ (Josef Rusnak nach einer Idee von Stefan Rogall) ist einfach zu bieder und überraschungsarm, um diesen Krimi aus dem großen grauen Einerlei herausheben zu können. Was leider auch für die Inszenierung von Regisseurin Maris Pfeiffer gilt, die es an überraschenden Ideen, starken Bildern und gehaltvollen Dialogen fehlen lässt.

Wenn es überhaupt jemanden gibt, dem in diesem Film eine herausragende Leistung zu bescheinigen ist, dann ist es wohl einmal mehr Claudia Michelsen, die aus ihrer Figur eine echte Type macht. Am liebsten wäre sie ja Tatort-Kommissarin in ihrer Geburtsstadt Dresden geworden, wie sie einmal in einem Interview mit unserer Redaktion verriet. Da ist gerade nach dem überraschenden Abschied von Alwara Höfels eine Stelle frei geworden, dahin würde Claudia Michelsen bestens passen.

Einfach mal wechseln

Was tatsächlich für den MDR eine echte Alternative und ein Ausweg aus seiner Krimikrise wäre. Nur mal so dahingesponnen: Michelsen alias Brasch wirft in Magdeburg die Brocken hin, wechselt nach Dresden und trifft da auf Dienststellenleiter Schnabel (Martin Brambach) – das wäre eine wunderbare Konstellation. Und den Magdeburger Polizeiruf stampft man ein und stellt ein neues Format auf die Beine. Das Publikum würde es dem MDR wohl danken.

Polizeiruf 110: Starke Schultern. Das Erste, Sonntag, 25. März 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 3 von 6 Sternen


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