Heute Abend im ARD-Programm Tatort „Mitgehangen“ aus Köln: „Böser“ Ballauf, neuer Assi

Von Joachim Schmitz


Der Tatort kommt heute Abend aus Köln. „Mitgehangen“ zeigt einen veränderten Ermittler Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), der mit seiner Härte den Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) erschreckt. Und er präsentiert mit Norbert Jütte (Roland Riebeling) einen neuen Assi.

Scheiße. Das ist das erste Wort, das wir in diesem Tatort vernehmen. Was früher aus dem Mund des Duisburger Bullen Schimanski kraftvoll, rotzig, fast revolutionär klang, wirkt heute ernüchtert und desillusioniert, wenn es Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) sagt. Was anderes fällt ihm nicht ein, als sich im Knast eine Zellentür öffnet und den Blick auf einen erhängten Häftling freigibt. „Weichgekocht“ raunt Kollege Schenk (Dietmar Bär). Mit einer Spur Verachtung in der Stimme. Rückblende.

Aus einem Baggersee wird ein Auto gezogen, im Kofferraum liegt die Leiche des Verkehrsrowdys und Monteurs Florin Baciu, der seit einiger Zeit ungeliebter, aber umsatzbringender Teilhaber im Reifenhandel von Matthias Grevel (Moritz Grove) war. Jenes Mannes, der zu Beginn des Films erhängt in seiner Zelle hing. In dessen Montagehalle das Opfer erschossen wurde. Der für Ballauf dringend tatverdächtig ist. Den er weichkochen will. (So war der letzte Kölner Tatort)

Knallharter Unsympath

So wie in „Mitgehangen“ hat man Max Ballauf noch nicht erlebt, weder das Publikum noch der Kollege Schenk. Das Zerwürfnis der beiden Kommissare geht sogar so weit, dass Schenk seine Currywurst allein und nicht am Rhein, sondern in einem Industriegebiet futtern muss, während der plötzlich sportliche Ballauf im Schwimmbad seine Trainingsbahnen zieht. Sonst eher der Ermittler mit Herz, wandelt er sich hier zum knallharten Unsympathen, mit dem das Publikum ähnlich fremdeln könnte wie mit dem neuen Assi Norbert Jütte (Roland Riebeling).

Jütte ersetzt Tobias Reisser auf dem Assistentenstuhl in Köln, der seit dem Tod von Franziska Lüttgenjohann ( Tessa Mittelstaedt) zu einem Schleudersitz für Versuchskaninchen verkommen ist. Reissers Darsteller Patrick Abozen hatte der WDR im vergangenen Jahr den Stuhl vor die Tür gesetzt, „um eine neue Assistenten-Figur zu entwickeln“. (So kam das Aus für Patrick Abozen)

Nicht die feine Art

In „Mitgehangen“ lässt Reisser nur noch kurz aus Las Vegas grüßen, wo er offenbar seinen schwulen Freund geheiratet hat. Die Kommissare fühlen sich von ihm im Stich gelassen – so kann man einen Assi auch entsorgen. Die feine Art, lieber WDR, ist das allerdings nicht.

Reissers Nachfolger kommt erst einmal etwas sonderbar daher. Ein bisschen antriebsarm, leicht bräsig, unangebracht vertraulich gegenüber den Kommissaren, denen Lütte zuliefern soll. Der aus dem Ruhrgebiet stammende Darsteller Roland Riebeling beschreibt ihn im Info zum Film so: „Norbert Jütte ist ein Typ, der eher selten zu finden ist im Krimi: Er ist langsam, etwas verschusselt, etwas widerwillig, macht gerne pünktlich Feierabend und weiß gerne Sachen besser. Also genau die Art Behördenmitarbeiter, die man nicht erleben will, wenn man im Amt die Wartemarke gezogen hat.“

Zurück auf Anfang

Aber der Mann habe auch andere Seiten, sagt Riebeling und weiß offenbar mehr als der Zuschauer bei seinem ersten Auftritt sieht: „Norbert Jütte ist wie der Schüler, der beim Sportunterricht als letzter in eine der Mannschaften gewählt wird und dann aber doch noch ein Tor schießt.“

Dem Film von Regisseur Sebastian Ko (Buch: Johannes Rotter) um Schuld, Unschuld und vermeintliche Vorverurteilung tun Figuren wie der veränderte Ballauf und der schräge Assi durchaus gut. Nach einer guten Stunde kehrt der Film wieder zurück zu seiner Anfangsszene. Ein guter, intelligenter und mal etwas anderer Aufbau für einen Krimi, der mit Moritz Grove und Lavinia Wilson als Ehepaar Grevel bestens besetzt ist. Und unterlegt von einer mit Herz und Verstand ausgewählten Musik.

Nachdenklich

Dazu passt auch die finale Szene, die diesmal nicht zum Rhein führt, sondern ins Schwimmbad. Und mit einem Monolog Ballaufs über den Beruf des Polizisten endet, der nachdenklich macht. Sehenswert.

Tatort: Mitgehangen. Das Erste, Sonntag, 18. März 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 5 von 6 Sternen