Donnerstagabend bei Arte Miniserie „Ende einer Legende“ zur „MeToo“-Debatte

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Osnabrück. Passend zur „#MeToo“-Debatte, aber inspiriert durch den Skandal um die britische TV-Legende Jimmy Savile und die dadurch ins Rollen gekommene Lawine um Missbrauchsvorwürfe in der Showbranche, beleuchtet die packende Miniserie „Ende einer Legende“ (Arte, Donnerstag, 20.15 Uhr) das Thema von allen Seiten.

Der alternde Comedian und Schauspieler Paul Finchley ( Robbie Coltrane, „Für alle Fälle Fitz“) hat alles erreicht, was er sich erträumt hat. Am Abend nach einer Preisverleihung ist seine Welt und die seiner Familie scheinbar noch in Ordnung. Am nächsten Morgen dann, die Enkelkinder sind gerade zu Besuch, steht plötzlich die Polizei vor der Tür. Vergewaltigungsvorwurf, Hausdurchsuchung, peinliche Befragung.

Eine Anzeige der einstigen Babysitterin bezieht sich auf ein mehr als zwanzig Jahre zurückliegendes Ereignis. Paul streitet alles ab. Aber es beginnt eine mediale Hexenjagd, die auch vor seiner Familie nicht haltmacht. Besonders seine drogenabhängige und psychisch labile Tochter Dee ( Andrea Riseborough, “The Death of Stalin“), die in einer kirchlichen Einrichtung lebt, reagiert verstört und schockiert auf die Vorwürfe. Trägt sie etwa verdrängte Erinnerungen mit sich herum?

Aber Pauls Frau Marie ( Julie Walters), die jahrzehntelang zahlreiche Frauengeschichten ihres Gatten wegschauend mitgetragen hat, hält tapfer zu ihm. Auch, als sich weitere Frauen als Missbrauchsopfer von Paul melden. Er hat seiner Frau schließlich immer brav alle seine Schandtaten gebeichtet. Die Sache mit den Missbrauchsvorwürfen müsste sie demnach wissen, oder?

Der in Großbritannien bereits im Herbst 2016 ausgestrahlte Vierteiler „Ende einer Legende“ passt wie die Faust aufs Auge zur aktuellen „#MeToo“-Debatte um sexuellen Missbrauch. Der Hintergrund zu „National Treasure“, so der Originaltitel der Miniserie, liegt aber schon etwas länger zurück.

Der Fall Jimmy Savile

Nach dem Tod der äußerst beliebten britischen TV-Legende Jimmy Savile im Jahre 2011 wurden hunderte Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs – vorwiegend an Minderjährigen – gegen den einstigen Moderator der Kultshow „Top of the Pops“ publik. Im Zuge der „Operation Yewtree“ genannten Ermittlungen kam die Polizei dann auf zahlreiche weitere Prominente, die sich insbesondere an Minderjährigen vergangen haben sollten.

Aber die Ermittlungen, in deren Folge neben anderen Glamrocker Gary Glitter zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, führten auch zu Kritik. Nicht jeder Verdächtige war schuldig. Doch das Prinzip der Unschuldsvermutung, so viele Kritiker, sei durch mediale und öffentliche Vorverurteilungen unterlaufen worden.

Nicht nur dieses Dilemma klopft der von der „ Operation Yewtree „ inspirierte Vierteiler „Ende einer Legende“ mit Augenmaß und dramaturgisch extrem packend auf den Punkt gebracht ab. Der Angeklagte, der prominente Nationalheld Paul Finchley, ist plötzlich schuldig bei Verdacht und seine Jobs los. Aber ist er wirklich schuldig? Drehbuchautor Jack Thorne und Regisseur Marc Munden lassen die Zuschauer über einen sehr langen Zeitraum im Unklaren über die Schuldfrage.

Opfer als Täterin stigmatisiert?

Letztendlich dreht sich alles um Glaubwürdigkeit. Auch aus der Perspektive der Missbrauchsopfer erweist sich dieser Aspekt als die größte Hürde, die schnell dazu führen kann, dass die Opfer zu Täterinnen gestempelt und als kalt berechnende Lügnerinnen stigmatisiert werden, wie es ebenfalls in der Miniserie thematisiert wird.

Es ist das größte Verdienst dieser unter anderem 2017 mit dem britischen BAFTA TV-Award ausgezeichneten Produktion, den Zuschauern all diese Unsicherheiten im gesellschaftlichen wie auch familiären Kontext bis zum bemerkenswerten Ende zuzumuten. Obwohl das TV-Publikum am Ende weiß, was wirklich geschehen ist – der Vierteiler lässt einen extrem bitteren Nachgeschmack zurück und ein offenes Ende, das unweigerlich zum Nachdenken anregt. Absolut sehenswert!


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