Wie war Klaas ohne Joko? Late Night Berlin: Bessere Gags, bitte! Und schlechtere!

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Die Premiere ist geschafft: Klaas Heufer-Umlauf in der noch dampfenden Kulisse von „Late Night Berlin“. Foto: Annette Riedl/dpaDie Premiere ist geschafft: Klaas Heufer-Umlauf in der noch dampfenden Kulisse von „Late Night Berlin“. Foto: Annette Riedl/dpa

Babelsberg. Klaas Heufer-Umlauf hat sein Debüt hinter sich. Wie war die erste Ausgabe von „Late Night Berlin“?

Klaas ohne Joko ist wie Sitcom ohne künstlichen Applaus

Oft geht’s um Politik, mitunter auch ums Trash-TV. Wichtigstes Thema von Klaas Heufer-Umlaufs Late-Night-Debüt ist allerdings das neue Format selbst. Mal beschwichtigt der Gastgeber die Fans mit dem Hinweis: Eine Late Night ist erst nach ein paar Hundert Folgen richtig gut. Mal führt er per Bedienungsanleitung durch die Show. „Dieses Geräusch hören Sie, wenn ich einen sehr guten Witz gemacht habe“, sagt er zum Beispiel über das Sounddesign. Was er nicht erwähnt, ist das Geräusch, das ausbleibt: Ohne Joko Winterscheidts kollerndes Gelächter wirkt Heufer-Umlauf wie eine Sitcom ohne eingespielten Applaus. Ein befreiendes Gefühl, auch wenn’s natürlich erstmal irritiert. (Wir haben Klaas in seinem Late-Night-Studio besucht: Wie war‘s?)

Kann Klaas Stand-up?

Auch der Entertainer selbst wirkt im Stand-up noch nicht sicher: „Mein Name ist Klaas Heufer-Umlauf, ich bin zwölf Jahre alt und dies ist ‚Late Night Berlin‘“, sagt er lustig. Die Pointen auf seine eigenen Kosten sitzen. Die aus der Welt der Mächtigen und Verrückten eher nicht: Das Treffen von Donald Trump und Kim Jong-un? Klaas: „Bad Hair Day, wie wir Friseure sagen.“ An der designierten Staatsministerin für Digitales stört ihn vor allem ihre Aussprache von „Brrreidband“. In der Auseinandersetzung mit der AfD, ein Herzensthema der Show, wiederholt er immer wieder den Rassismus-Vorwurf, verpasst aber noch die zielgenauen Treffer auf einzelne Akteure. Am lustigsten ist hier die böswillige Unterstellung, der Flüchtlingshasser an sich würde zwischen seinen Hetzparolen das Nikotin durch die Stimmprothese inhalieren. Inhaltlich wirkt der Stand-up ein bisschen beliebig, im Vortrag so, als würde der Entertainer selbst nicht immer an seine Pointen glauben.

Biberwitze: Ein echtes Plus für „Late Night Berlin“

Umso besser ist logischerweise die Gag-Vorschau, in der „Late Night Berlin“ die Witze der kommenden Woche vorwegnimmt und dabei auch absichtlich schlechte anbietet. Rechtefrei und zur Weiterverwertung, gern auch im Frühstücksfernsehen. Beim Auftakt gibt es Kracher zum Amtsjubiläum von Papst Franziskus („Frau und Kinder dürfen nicht mitfeiern“) oder zur VW-Pressekonferenz, die hier mit der Vorstellung der neuen Testaffen endet. Zu was für verspielten Schleifen Klaas fähig ist, erkennt man an einer schönen Selbstparodie, in der er in seine Kalauer obsessiv Biber-Witze einmogelt. Bitte mehr davon.

Das Laberinth der Macht: Ein kleines bisschen HalliGalli

Beim aufwändigsten Part des „Late Night Berlin“-Auftakts, dem Einspieler „Das Laberinth der Macht“, bedient sich Heufer-Umlauf dann doch an der Vorarbeit aus HalliGalli. Die zähe Regierungsbildung inszeniert er als absichtsvoll scheiterndes Reenactment: Normalbürger fantasieren den Wortlaut der geheimen Verhandlungen; Klaas Heufer-Umlauf, Heinz Strunk und ein paar Laiendarsteller bewegen, mehr schlecht als recht als Merkel, Seehofer, Schulz und Lindner verkleidet, dazu ihre Lippen. Das Resultat sieht dann in etwa so stümperhaft aus wie das reale Debakel. Stammzuschauer kennen den Effekt: Im „Circus HalliGalli“ wurden auf dieselbe Weise „Tatort“-Drehbücher improvisiert. (Lag‘s an der Quote? Warum „Circus HalliGalli“ verschwand)

Casper, Anne Will und Jakob

Erster Gastmusiker ist Casper, erste Gesprächspartnerin Anne Will, der Klaas Heufer-Umlauf das Bekenntnis zu ihrer peinlichsten Fernsehleidenschaft entlockt. (Sie guckt den „Bergdoktor.“) Anders als einst Raab bei „TV total“ hat Klaas Fragen vorbereitet und ist sogar an ihrer Beantwortung interessiert. Sidekick von „Late Night Berlin“ ist der Producer Jakob, der in Anspielung auf die „Harald Schmidt Show“ als Bandleader vor den Studiomusikern sitzt – ohne mit der Musik das Geringste zu tun zu haben. Sein Zusammenspiel mit dem Chef funktioniert wunderbar. Der lustigste Moment des ersten Abends ist sein gespieltes Entsetzen, als Klaas Heufer-Umlauf sich – inspiriert von Detlef D. Soost als RTL-„Undercover Boss“ – mit einer Faschingsnasenbrille verkleidet und Jakob ihn nicht mehr erkennt.

Soll man einen ersten Wunsch an „Late Night Berlin“ formulieren? Die Witze im Stand-up müssen besser werden, die in der Gag-Vorschau schlechter. Wenn das hinhaut, wird’s in ein paar Wochen eine gute Show.

„Late Night Berlin“ läuft ab sofort immer montags um 23 Uhr.


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