Nur auf Netflix – warum? Garlands „Auslöschung“: Wir sind das Monster, das uns frisst

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Krokodil mit Haifisch-Zähnen: Natalie Portman entdeckt Mutationen. Foto: NetflixKrokodil mit Haifisch-Zähnen: Natalie Portman entdeckt Mutationen. Foto: Netflix

Berlin. Natalie Portman spielt die Hauptrolle in „Auslöschung“, der Regisseur Alex Garland ist ein Experte für das Thema. Warum ist die Sci-Fi-Verfilmung trotzdem nur auf Netflix zu sehen?

Worum geht‘s in „Auslöschung“?

Ein Jahr lang ist der Mann der Zellbiologin Lena verschwunden. Sie glaubt an den Tod des Elitesoldaten, da steht er plötzlich vor ihrer Tür. Ohne Erinnerung. Lena erfährt, dass seine letzte Mission in die „Area X“ führte, ein Gebiet von dem aus sich ein rätselhaftes Phänomen ausbreitet: der Schimmer. Lenas Mann ist der erste Mensch, der ihn lebend verlassen hat; nun lässt sie selbst sich in die Todeszone schicken.

Warum läuft der Film auf Netflix statt im Kino?

Die Verfilmung von Jeff VanderMeers Sci-Fi-Roman „Auslöschung“ ist visuell prächtiges Starkino. Natalie Portman spielt die Wissenschaftlerin im Ungewissen, die Nebenrollen sind mit Oscar Isaac und Jennifer Jason Leigh besetzt. Regie führte der Brite Alex Garland, der sich im Genre mit „Ex Machina“ (2015) einen Namen gemacht hat. Anders als der Vorgänger kommt „Auslöschung“ aber nicht ins Kino, zumindest nicht in Europa. Die Rechte jenseits von Amerika, Kanada und China hat Paramount exklusiv an Netflix gekauft, dessen Kunden das Werk ab Montag, 12. März 2018, streamen können. Hintergrund ist laut dem „Hollywood Reporter“ ein Konflikt der Produzenten Scott Rudin („Lady Bird“) und David Ellison, dessen Firma hinter „Terminator: Genysis“ steht. Nach Testvorführungen soll Ellison auf einen Umschnitt gedrängt haben, der nur durch den Netflix-Deal verhütet wurde. „Auslöschung“, habe Ellison gesagt, sei zu kompliziert und intellektuell.

Zu intellektuell? Davon erzählt „Auslöschung“

Cinephile, die im Netz einen Kinostart fordern, sehen das eher als Lob. Zu Recht. Das Sci-Fi-Kino ist von jeher ein Genre, das kühne Gedanken in große Bildern verwandelt. Garland liefert beides: Er erzählt von einer unheimlichen Natur, die unsere Vorstellung vom Individuum verneint – indem sie von der Zelle bis zum komplexen Organismus immerzu alles zerteilt und neu kombiniert. Visualisiert wird das in einer wuchernden Alptraumwelt genetischer Anomalien. In einer der kühnsten Fantasien des jüngeren Monsterkinos erwacht dabei ein Mensch in der Mutation gerade des Untiers zu neuem Leben, das ihn gefressen hat. In „Auslöschung“ hat man weder die Chance auf ein Ich noch auf ein echtes Verschwinden.

Der Film, auch seine Bilder, sind vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Es bleibt ein Jammer, dass er nicht auf die Leinwand kommt. Zumal das Studio nebenbei auch noch die Chance vergibt, mitten in der Debatte um mehr Diversität im Kino, einen Genre-Film zu präsentieren, der fast ausschließlich Frauen zeigt – als Wissenschaftlerinnen und Soldaten.

„Auslöschung“. USA/GB 2018. R: Alex Garland. D: Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez, Sonoya Mizuno. Ab sofort bei Netflix.


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