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Ein Bauern-Opfer weniger Bauer sucht Frau: Wo ist Rainer, der fröhliche Landwirt aus Bad Essen?



Osnabrück. Bauer sucht Frau – Bad Essen sucht Bauer: Seit dieser Woche führt RTL wieder sprichwörtliche Bauern-Opfer vor. Und schon gibt es Verluste: Eine Million Zuschauer hat der Staffelauftakt im Vergleich zum Vorjahr verloren. Außerdem sind seit der Pfingstshow Kandidaten abhanden gekommen: „Rainer, der fröhliche Niedersachse“ ist nicht mehr dabei. Wieso tritt der Mann aus Bad Essen nicht an?

Montag, „Bauer sucht Frau“, Auftakt der achten Staffel: In der Werbepause versucht Peter Kloeppel die Seriosität seines Senders zu retten. Vor lauter Sittlichkeit ergraut, stellt er Fragen, die wehtun. „Geht es in Deutschland noch gerecht zu?“, fragt Kloeppel, als er seinen „Arm und reich“-Thementag vorstellt. „Warum driftet Deutschland auseinander?“

Schön, dass diese Dinge mal mitten im Format der planmäßigen Schadenfreude aufgeworfen werden. Schließlich driftet das Land nirgendwo stärker auseinander als hier: vor der Kamera schlecht beratene Laien, dahinter Medienprofis, die sich über ihre eigenen Vertragskandidaten lustig machen. Nein, Herr Kloeppel, in Deutschland geht es wirklich nicht gerecht zu.

Und das nicht zuletzt aus Sicht der Niedersachsen. Im Juni durfte das Land noch hoffen, dass einer der Seinen bei „Bauer sucht Frau“ antritt. 16 Landwirte hatte RTL in der Pfingst-Show vorgestellt, darunter auch „Rainer, den fröhlichen Niedersachsen“ , wohnhaft in Bad Essen, 65 ha, 200 Bullen, Hund und Katze. In der offiziellen Staffel sind nur noch neun Kandidaten dabei. Wonach siebt RTL wohl aus? Auch ein zweiter Kandidat aus der Region ist auf dem Weg von der Pfingstshow zum Staffelauftakt verloren gegangen: Matthias, „romantischer Rinderwirt und herzlicher Westfale“, aus Schale bei Fürstenau ist nicht mehr dabei.

Der Sender gibt zu den einzelnen Teilnehmern keine Auskunft. „Allgemein ist es so, dass in der Pfingst-Sendung immer mehr Kandidaten vorgestellt werden, als dann in der eigentlichen Staffel dabei sind“, sagt eine „Bauer sucht Frau“-Sprecherin. „Teilweise hat das einfach nur den Grund, dass die Bauern inzwischen anderweitig verliebt sind.“ Bei einem Kandidaten habe eine der Bewerberinnen sich außerdem überraschend um ihr krankes Kind kümmern müssen. Deshalb konnte ihr Strang nicht weitergedreht werden. Andere kriegen, so die Sprecherin „einfach kalte Füße“ – weil sie die Aufmerksamkeit unterschätzt haben und ihnen der Medienrummel zu viel wird.

Mitunter hat es sogar politische Ursachen: Der Oberlausitzer Bauer Fritz flog raus, weil er nicht nur ein zärtlicher Ziegenwirt war, sondern auch seine Vergangenheit als Rechtsextremer mit in die Show einbrachte. Bei dem Bad Essener Bauern gibt es der Sprecherin zufolge allerdings keinen derart drastischen Hintergrund. Und an mangelndem Interesse der Bewerberinnen lag es auch nicht. Nach der Pfingst-Show hatte Rainer demnach zahlreiche Zuschriften bekommen.

Bauern auf Vorrat

Weil überall Schwund ist, braucht der Sender am Anfang Bauern auf Vorrat. Denn den Qualitätsanspruch von „Bauer sucht Frau“ formuliert die Sprecherin so: „Nur die stärksten Geschichten schaffen es bei RTL in die Sendung.“ Was starke Geschichten sind, sah man dann am Montag: eine Flirt-Kandidatin, die schon mal im Sex-Shop gejobbt hat. Und ein Mittvierziger, der beim angeblich ersten Date seines Lebens zum Abendbrot nichts als zwei Bananen anbietet.

War Rainers Geschichte in dieser Konkurrenz nicht stark genug, um die knallharte Nonsens-Redaktion zu überzeugen? War nicht so leicht zum Deppen zu machen? Hat er sich gerade noch rechtzeitig selbst verliebt? Oder hat er „kalte Füße“ bekommen und gemerkt, dass man sich mit Inka Bause besser nicht einlässt? Was auch immer es war - einen Bogen um „Bauer sucht Frau“ zu machen, war sicher kein Fehler.

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