Michael Hulls Kolumne Let‘s Dance 2018: Welcher Kandidat kann tanzen?

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Berlin. Während der ersten beiden Staffeln von „Let‘s Dance“ saß Michael Hull noch selbst am Jury-Pult. Jetzt ordnet er die elfte Staffel der RTL-Show für uns ein. Die Lochis? Thomas Hermanns? Jessica Paszka? Welche Kandidaten sieht der mehrfache Weltmeister aus Osnabrück ins Finale von „Let‘s Dance 2018“ einziehen?

Die elfte Staffel des RTL-Formats „Let’s Dance“ beginnt am Freitag, 9. März, um 20.15 Uhr mit einer Kennenlern-Show, in der die 14 Kandidaten ihren Tanzpartnern zugewiesen werden. Der mehrfache Weltmeister Michael Hull wirft vorab einen Blick auf die Promi-Tänzer und ihre Chancen:

Ball der Universität Osnabrück 2018 in der Osnabrückhalle. Michael Hull gab den Tanzschritt des Abends an. Foto: André Havergo

Was erwartet uns? Und was sollten wir erwarten?

Wir erwarten natürlich gute Unterhaltung. Und das wird gelingen, wenn Trainer und Wertungsrichter eine gemeinsame Linie hinsichtlich der Qualität entwickeln, sie konsequent verfolgen und auch dem Publikum vermitteln. Gerade das war in der Vergangenheit nicht immer gelungen: Das Ergebnis des Telefonvotings hinterließ die Experten gelegentlich völlig sprachlos. Es gibt bei Juroren und Zuschauern offenbar unterschiedliche Maßstäbe. Als einziges Jury-Mitglied ist Joachim Llambi seit der ersten Folge dabei. Motsi Mabuse ist seit der vierten, Jorge Gonzalez seit der sechsten Staffel Juror. Auch Eiskunstlauf-Prinzessin Katarina Witt, Mode-Schöpfer Harald Glööckler, Tanz-Profi Roman Frieling, Sängerin Maite Kelly und ich selber bewerteten in der Vergangenheit die Tanzpaare von „Let’s Dance“. (Sie macht die „Let‘s Dance“-Kostüme: Katia Convents plaudert aus dem Nähkästchen)

Die Kandidaten von „Let‘s Dance 2018“

Welche der Promis sind belastbar genug für die Herausforderung von „Let‘s Dance 2018“? Es ist schwer vorherzusagen, denn hier geht es nicht nur um die körperliche Belastung, sondern auch um den Druck: Die Angst, zu versagen, trifft jeden, wenn erst die Lampen leuchten, die Kameras laufen und Millionen Zuschauer jeden Schritt verfolgen.

Natürlich kommt es entscheidend darauf an, welchen Partner die Kandidaten erhalten. Vor der Kennenlern-Show sind meine bisherigen Favoriten:

  • 1. Frau Jessica Paszka,
  • 2. Frau Julia Dietze,
  • 3. Frau Iris Mareike Steen,
  • 4. Frau Barbera Meier,
  • 5. Herr Thomas Hermanns.

Die Lochis werden es vermutlich schwer haben, die vielen Facetten eines gelungenen Tanzes im Vergleich mit dem eigenen Zwillingsbruder unabhängig darzustellen. Herr Ingolf Lück wird eher in den Standardtänzen glänzen. Frau Tina Ruland muss sich – im Vergleich zur Konkurrenz – erst einmal gut vorbereiten. Frau Judith Williams wird nicht unbedingt weit kommen, obwohl ihre Bühnenpräsenz als Opernsängerin nicht unbekannt ist. Vor diesem Hintergrund ist Frau Jessica Paszka bisher meine Favoritin. Sie bereitet sich jetzt schon intensiv und gut vor und nimmt das Tanzen sehr ernst.

Tendenzen der vergangenen Staffel

In der letzten Staffel von „Let’s Dance“ spürte man deutlich, wie sich ein gemeinsamer Teamgeist unter den Promis entwickelte. Der Ehrgeiz bezog sich darauf auf das gemeinsam zu Erreichende. Das Motto „Alle für einen, einer für alle“ zog sich durch alle Sendungen und beförderte die Entwicklung der Paare. Es war auch als Zuschauer klasse mitzuerleben, welche tänzerischen Ebenen die Promis auf diese Weise erreichen konnten. Nun ist es spannend, ob es in diesem Jahr eine ähnliche Entwicklung geben wird. Oder ob die Kandidaten und ihre Leistungen in einer Weise inszeniert werden, bei der Ruhm (oder Geld?) auf Kosten der Würde errungen werden. (Hat der Falsche gewonnen? So urteilt Michael Hull über den Sieg von Gil Ofarim über Vanessa Mai)

Was bedeutet gutes Tanzen?

Wenn man tanzt, sollte das Ziel nicht das Erreichen eines genauen Punktes auf der Fläche sein. Es geht darum, jeden Schritt auf der Reise dorthin zu genießen und diesen Genuss sichtbar werden zu lassen. Musik und Bewegung sollten harmonieren; eine starre Haltung hin zum Endprodukt darf nicht der Einstieg sein.

Der Tanz als Dialog

Gefühlvolle Musik, die die Fantasie anregt und viele Interpretationsspielräume zulässt: Das sollten die Tanzenden als Raum für ihren Selbstausdruck nutzen. Tanz ermöglicht eine intensive Begegnung, einen non-verbalen Dialog. Die Körperbeherrschung und Bewegung, die beim Tanzen entsteht, sind der Ausdruck dieses Gesprächs. Eine unausgesprochene Verheißung, eine Intensität oder der magische Moment, der zwischen den Tanzpartnern kurz aufscheint – all das kann man von außen nur erahnen. Die Tanzpaare bauen ein Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz, das sich in ihren getanzten Elementen, Schritten und Figuren ausdrückt.

Welche Bewegungsmöglichkeiten die Kandidaten mitbringen, müssen die Profis erst herausfinden; dann muss das Paar testen, welche Ebenen es damit erreichen kann. Der Mann, als Führender initiiert eine Bewegung, die von der Frau angenommen und mit ihrer Beweglichkeit ausgeführt wird. So tanzt jedes Paar seine eigenen choreografischen Möglichkeiten, im besten Fall mit Bewegungsfreude, im Kreis der kritischen Juroren und Zuschauer. Konzentration und Präsenz sind gefordert – sowie ein „heiliger Ernst“. Jedes Paar hat eine eigene Sprache – es kommt darauf an, das Publikum diese Sprache verstehen zu lassen. (Sylvie Meis ist raus: Wieso hat RTL sie bei „Let‘s Dance“ durch Victoria Swarovski ersetzt?)

Was heißt es, dynamisch zu sein?

Ein großes Bewegungsvolumen, dramatische Hebefiguren und Präsenz auf der Tanzfläche? Dies zieht – neben der atemberaubenden Kleidung natürlich – die Wahrnehmung auf sich. Im Vergleich dazu rücken dann gelegentlich die Größe der Haltung, die Neigungswechsel sowie Schrittgrößen und Präzision von Fuß- und Beinarbeit in den Hintergrund. Trotzdem sind sie wichtig, wenn die eigene Balance gehalten werden soll. Andernfalls kommt der Partner leicht aus dem Takt. Die verschiedenen Bewegungselemente werden etappenweise trainiert und sollten dann zu einer sicheren und damit dynamischen Folge zusammengefügt werden.

Der Aufbau von Bewegungsgrundzielen braucht Zeit. Ohne ihn lassen sich aber weder gutes Tanzen noch wirkliche Fortschritte erreichen – abgeliefert wird dann nur noch eine Show. In England erklärt man dies in einem Wort: „BASE“. Das steht für „Body for Artistic Standards of Excellence“. Das Konzept wurde von namhaften Tänzern und Trainern entwickelt, um den hohen Stand im Paartanzbereich zu halten und weiterzuentwickeln.

Je mehr dieser dynamischen Bewegungsformen den Kandidaten vermittelt werden, desto wichtiger ist es, sie im Vorfeld behutsam einzuteilen: Man kommt von Bewegungselementen zu Schritten, übt dann kleine Schwünge ein, sodass die Bewegung reifen kann. Dann erst wird ein fundiertes Wissen vermittelt: zur Fußarbeit, dem Druck zum Boden, zur Dynamik von Pendelschwüngen im Raum. Das führt zum Tanz.

Wer ist der richtige Tanz-Partner?

Ein wirklich guter Begleiter ist beim Tanz fast genauso schwer zu finden wie im richtigen Leben. Tanzpartner spielen eine wichtige Rolle als Ratgeber, ohne die man niemals sein möchte, gerade im Show-Format von RTL, wo Ehrgeiz, Fleiß, Talent und Können zusammenkommen müssen. Im höheren Level der Tanzkunst folgt man nicht mehr den Fußspuren der Meister; man sucht selbst den Weg, den sie einmal gesucht und gefunden haben.

Ist das Niveau von Vanessa Mai zu halten?

Das letztjährige Beispiel von Vanessa Mai hat meines Erachtens gezeigt, dass eine noch wenig bekannte und sehr kurzfristig aufgeforderte Promi-Dame sich innerhalb kürzester Zeit zur perfekten Tänzerin formen kann – die selbst die schwersten Elemente, Figuren und Bewegungen in Perfektion vorführt, wenn ein Trainer wie Christian Polanc sie lehrt. In Vanessa Mai war er auf Ehrgeiz, Fleiß und Ernsthaftigkeit gestoßen. Schon nach kurzer Zeit wurde sichtbar, dass es bei den beiden nicht mehr um den Ablauf von Schritten oder um Choreografien ging, sondern dass hier harmonische Bewegungsabläufe und exzeptionelle, voll ausgetanze Hebefiguren gereift waren. Das Level von Maite Kelly oder Susan Sideropoulos, die Stars der früheren Staffeln, hatte Vanessa Mai weit hinter sich gelassen.

Die Zeit verging 2017 wie im Flug, wir schauen auf eine tolle Sendung zurück. Eine intensive Zeit lang konnten wir alle verfolgen, wie die Resultate das bisher höchste Level erreichten! Es wird eine Herausforderung für die Choreografen werden, die Highlights und die dazu gehörigen wunderschönen Stimmungen erneut zu erreichen oder gar zu übertreffen. Die vergangene Staffel hat sehr große Fußstapfen hinterlassen!

Vorfreude auf die neue Staffel „Let‘s Dance“

„Von der Schönheit der Bewegung zur Hässlichkeit der Kraft!“ Nichts ist so leicht, wie es aussieht! Die scheinbare Leichtigkeit von Tanzweltmeistern haben wir alle vor Augen. Mit diesem Vorwissen erkennen wir auch, wie noch nicht ganz so entwickelte Paare, die das Gleiche ohne Grundlagen darstellen möchten, eine schlechte Figur machen. Große Bewegungen, die man nicht halten kann, sind nicht schön anzuschauen. Sehr schön dagegen ist es, wenn die Grundlagen stimmen. Dann kann man genussvoll die Bewegungen verfolgen, die sich rhythmisch im Paar entfalten. Zentripetal- und Zentrifugalkräfte, Rotation, Energie und das Timing, Fleiß bei der Auseinandersetzung mit der Materie, Hebelwirkungen und Neigungsgrade: Alles stimmt dann überein, und damit erhält jede Bewegung eine Aussage.

Ich hoffe sehr, dass es Profi-Tänzern gelingt, viel Gewicht auf die Entwicklung tänzerischen Könnens zu legen statt auf unnötig große, überdimensionale Bewegung. Dann werden wir (wieder) Personen erleben, die sich zu Tanzpaaren entwickeln und uns mit ihrer Magie gefangen nehmen. Seien wir gespannt, was die kommende „Let‘s Dance“- Staffel uns bringen wird!


Die RTL-Show „Let‘s Dance“ geht in die elfte Staffel: Am Freitag, 9. März 2018, lernen die Promis ihre Profi-Tänzer kennen, die sie im besten Fall über 13 Folgen ins Finale begleiten. Das Kandidaten-Feld umfasst diesmal Barbara Meier, Judith Williams, Chakall, Heiko Lochmann, Iris Mareike Steen, Bela Klentze, Ingolf Lück, Jessica Paszka, Roman Lochmann, Tina Ruland, Thomas Hermanns, Julia Dietze, Jimi Blue Ochsenknecht und Charlotte Würdig. Zum ersten Mal moderiert Daniel Hartwich mit Victoria Swarovski. Die Siegerin der neunten Staffel löst Sylvie Meis ab, die in der dritten Staffel den zweiten Platz ertanzt hatte und ab der vierten moderierte. In der Jury sitzen wie gewohnt Joachim Llambi, Motsi Mabuse und Jorge Gonzalez.

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