Rekordanzahl an Drehtagen Niedersachsen wird als Drehort immer attraktiver

Von Manuela Kanies

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In dem Film „Die Kleine Hexe“ spielte Karoline Herfurth (links) die kleine Hexe, Suzanne von Borsody verkörpert die böse Hexe Rumpumpel. Der Film wurde unter anderem im niedersächsischen Seesen gedreht und ist ein Erfolg an den Kinokassen. Foto: Walter Wehner/Studiocanal GmbH/Claussen+Putz Film/dpaIn dem Film „Die Kleine Hexe“ spielte Karoline Herfurth (links) die kleine Hexe, Suzanne von Borsody verkörpert die böse Hexe Rumpumpel. Der Film wurde unter anderem im niedersächsischen Seesen gedreht und ist ein Erfolg an den Kinokassen. Foto: Walter Wehner/Studiocanal GmbH/Claussen+Putz Film/dpa

Osnabrück. Von wegen Babelsberg: In Niedersachsen wurde 2017 so viel gedreht, wie nie zuvor. Insgesamt gab es 850 Drehtage, berichtet die Film- und Mediengesellschaft Nordmedia. Für Bremen und Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr 237 Projekte mit rund 11,3 Millionen Euro von der Gesellschaft gefördert. Aus der Sicht von Nordmedia-Geschäftsführer Thomas Schäffer werden die beiden Länder immer attraktiver für Fernseh-, Kino- und Onlineproduktionen. Zum Vergleich: 2016 waren es 660 Drehtage.

Einen besonders beliebten Drehort gibt es dabei allerdings nicht, erklärt Pressesprecherin Lena Jawurek auf Anfrage unserer Redaktion. „Allerdings entfielen etwa 150 Drehtage allein auf das Projekt ‚Kliemannsland‘, das seine Dreharbeiten auch 2018 weiter fortsetzen wird“, so Jawurek. „Kliemannsland“ ist eine Webserie, die auf einem großen Bauernhof in Elsdorf-Rüspel im Landkreis Rotenburg (Wümme) gedreht wird. Die Serie wird von NDR für Funk produziert und auf einem Youtube-Kanal ausgestrahlt.

„Kliemannsland“ ist eine fiktive Monarchie, auf der Internetseite kann man sich als Bürger registrieren und Vorschläge einbringen, was als Nächstes auf dem Bauernhof realisiert werden soll. Nach und nach wird das Gelände in ein Zentrum für Kreative umgebaut. Gegründet hat den kreativen Bauernhof der mit Heimwerkervideos bekannt gewordene Fynn Kliemann.

Ein „Tatort“ aus der Lüneburger Heide

Laut Lena Jawurek waren weitere Schwerpunkte für Dreharbeiten das Wendland sowie die Regionen um Harburg und Lüneburg. In der Lüneburger Heide wurde zum Beispiel der „Tatort: Alles, was Sie sagen“ gedreht. Der Krimi von Özgür Yildirim ist der zehnte Einsatz von Wotan Wilke Möhring als Kommissar Thorsten Falke, für Yildirim ist es der dritte „Tatort“ für den NDR. An der Seite von Möhring spielt Julia Weisz erneut Kommissarin Julia Grosz. Der „Tatort“ soll noch in diesem Jahr ausgestrahlt werden, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Das ZDF-Drama „Systemsprenger“ wurde ebenfalls unter anderem in der Lüneburger Heide gedreht. Im Mittelpunkt des Dramas von Nora Fingscheidt, die sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte, steht ein neunjähriges Mädchen (Helena Zengel), mit dem alle pädagogischen Systeme überfordert sind.

Küstenregionen als Drehorte beliebt

„Allgemein beliebt sind natürlich auch immer die Küstenregionen sowie Hannover und Umgebung“, erklärt Jawurek. Dort entstanden zum Beispiel das deutsch-türkische Familiendrama „Das deutsche Kind“ von Umut Dag mit Katrin Sass im Auftrag des NDR sowie der ARD-Film „Meine fremde Freundin“ von Stefan Krohmer mit Ursula Strauss und Hannes Jaenicke.

In Bremen entsteht ein aufwendiges Dokudrama über Borgward

Auf Bremen entfielen zwar nur wenige Drehtage – insgesamt 28 –, aber dort entsteht zurzeit das aufwendige Dokudrama „Die Affäre Borgward“. Im Auftrag des NDR entsteht an historischen Orten in Bremen ein Film, der eine Mischung aus Dokumentation mit historischen Aufnahmen und fiktivem Fernsehfilm ist. „Die Affäre Borgward“ spielt in den 1950er und 1960er Jahren, im Mittelpunkt steht der Bremer Unternehmer Carl F. W. Borgward, gespielt von Thomas Thieme.

In den 50er Jahren war Borgward der größte Arbeitgeber Bremens, seine Fahrzeuge haben unter Autoliebhabern Kultstatus. Seit 2005 versucht Borgwards Enkel die Automobilmarke wiederzubeleben. Der Film erzählt die Geschichte von Borgwards Untergang durch finanzielle Schwierigkeiten und einem umstrittenen Krisenmanagement.

Erfolgreiche Initiative zwischen drei Ländern

Ein weiterer Erfolg für Niedersachsen als Drehort ist die Initiative „Drehort Harz“ der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Die kleine Hexe“ mit Karoline Herfurth wurde unter anderem im niedersächsischen Seesen gedreht. Der am 1. Februar gestartete Kinofilm stürmte in der ersten Woche an die Spitze der deutschen Kinocharts. Insgesamt sahen ihn bereits über 1,1 Millionen Zuschauer. Auch der Spielfilm „Die Hütte“ von Philipp Hirsch über junge Aussteiger entstand im West- und Ostharz.

Der Netzwerker Fynn Kliemann (links) bearbeitet im Schneideraum auf seinem Kreativhof „Kliemannsland“ ein Video zum Upload auf YouTube. Foto: Ingo Wagner/dpa

Die Nordmedia ist eine gemeinsame Gesellschaft der Länder Niedersachsen und Bremen. Fördermittel steuern auch die Sender NDR, Radio Bremen sowie das ZDF bei. Zum 1. Januar 2018 trat eine neue Förderrichtlinie in Kraft, welche die Produktionen dazu verpflichtet, mindestens das 1,5-fache der gewährten Fördermittel in Niedersachsen beziehungsweise Bremen auszugeben. (mit dpa)


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