Filmheld und TV-Talkmaster Ausstellung über Joachim Fuchsberger zeigt Multitalent

Von Joachim Göres

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Stets an seiner Seite: Gundula Fuchsberger betrachtet ein Foto von ihr und ihrem verstorbenen Mann Joachim Fuchsberger in der Ausstellung. Foto: dpaStets an seiner Seite: Gundula Fuchsberger betrachtet ein Foto von ihr und ihrem verstorbenen Mann Joachim Fuchsberger in der Ausstellung. Foto: dpa

Hannover. Er war Schauspieler, Nachrichtensprecher, Moderator und schrieb Liedtexte für Größen wie Udo Jürgens: Joachim Fuchsberger war vielseitig begabt. Eine Ausstellung im Theatermuseum Hannover widmet ihm erstmals eine Ausstellung.

Joachim Fuchsberger – bis heute beim Fernsehpublikum unter seinem Spitznamen Blacky unvergessen als Inspektor in den Edgar-Wallace-Krimis der 60er Jahre, als Moderator und Talkmaster in „Auf los geht’s los“ oder „Heut‘ abend“, als Produzent von Filmen über seine Wahlheimat Australien. Von vielen als sportlicher Held geliebt, von nicht wenigen kritisiert wegen belangloser Spielfilme und seichter TV-Plauderei. Dreieinhalb Jahre nach seinem Tod widmet das Theatermuseum Hannover Fuchsberger erstmals eine Ausstellung, die einen Mann mit vielen Talenten zeigt.

Im Unternehmen des Vaters kann der 18-Jährige nach Kriegsende als Monteur von Setz- und Druckmaschinen arbeiten und macht durch sein Engagement schnell Karriere, auch ohne Schulabschluss und Ausbildung: Er wird jüngster deutscher Nachrichtensprecher beim Rundfunksender München, Conférencier, Wochenschausprecher und Schauspieler. Der Durchbruch gelingt 1954 in „08/15“ nach einem Roman von Hans-Helmut Kirst. In diesem Antikriegsfilm sagt er als Gefreiter Asch seinem Vorgesetzten mutig die Meinung – das Publikum strömt in die Kinos und ist begeistert. „Plötzlich war ich der Beweis für unendlich viele Geschichten, ob sie wahr waren oder nicht“, erinnert sich Fuchsberger später.

Zahlreiche Filmprogramme, Plakate, Szenenfotos und Autogrammkarten sind zu sehen. Ein Telegramm aus Hollywood mit einer Absage liegt hinter einer Vitrine – leider komme Fuchsberger für die vorgesehene Rolle nicht in Frage, da er zu hübsch und attraktiv sei. 1959 sehen mehr als drei Millionen Kinobesucher „Der Frosch mit der Maske“, die erste deutschsprachige Wallace-Verfilmung mit Fuchsberger in einer der Hauptrollen – „Der Wixxer“ (2004) und „Neues vom Wixxer“ (2007) von Oliver Kalkofe sind eine Hommage an diesen Erfolg.

Bis Ende der 60er Jahre dreht Fuchsberger 60 Spielfilme – und schreibt nebenher noch Schlagertexte für Udo Jürgens (in der Ausstellung ist die Goldene Schallplatte für eine Million verkaufte Scheiben von „Was ich Dir sagen will“ zu sehen), Howard Carpendale, Bibi Johns, Harald Juhnke und Jürgen Marcus, auch Fuchsbergers Text der Vereinshymne der Stuttgarter Kickers wird präsentiert. Er ist Judokameister, Hobbyflieger, geht mit einer Immobilienfirma pleite und saniert sich finanziell mit Werbefilmen für 4711.

Angekreidet wird ihm „ein Hang zu verbalen Ausfällen“ gegenüber einfachen Kandidaten in seinen Shows, während er gegenüber Prominenten immer liebenswürdig bleibt. In der Ausstellung findet sich ein Spiegel-Artikel von 1983, der dem Talkmaster Fuchsberger vorwirft, nicht zuzuhören, an Spickzetteln zu kleben, seine Gäste zu bejubeln und so zum „Vollidol der Schickimicki-Szene“ geworden zu sein. An einem Fernseher kann man Ausschnitte aus den jeweils 45 Minuten dauernden Heut‘ abend-Gesprächen mit Uschi Glas und Lieselotte Pulver verfolgen – anekdotenreiche Plaudereien mit Kollegen, bei denen viel gelacht und auf kritische Nachfragen verzichtet wird. „Alle sind zu ihm gekommen, denn er hat niemanden in die Pfanne gehauen. Dadurch haben Gäste mehr erzählt als sie eigentlich wollten“, verteidigt Gundula Fuchsberger diese Strategie. Die heute 87-Jährige heiratete 1954 Joachim Fuchsberger, stand mit ihm gemeinsam vor der Kamera und gab mit der Geburt des Sohnes Thomas-Michael ihren Beruf als Schauspielerin auf.

Im Theatermuseum wird ein strahlender jugendlicher Liebhaber und erfolgreicher Kommissar gezeigt, der auch selbstkritisch sein konnte. In der in der Ausstellung präsentierten Hörbuchfassung seiner Autobiographie „Denn erstens kommt es anders“ spricht er über seinen Jähzorn. In Filmausschnitten gesteht er ein, dass er weder singen noch tanzen konnte: „Es gibt Schauspieler, Darsteller und Komödianten. Ich gehöre zu den brauchbaren Darstellern.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN