Zwischen Drama und Thriller „Seven Seconds“: Starke Netflix-Serie thematisiert Rassismus

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Osnabrück. Die erste Staffel der neuen Netflix-Serie „Seven Seconds“ ist inspiriert durch die US-amerikanische „Black Lives Matter“-Bewegung. Ein spannendes Gesellschaftsdrama über die zutiefst gespaltenen USA.

An einem sehr kalten Winterabend in Jersey City, N.J., ist der weiße Polizist Pete Jablonski ( Beau Knapp) privat mit seinem SUV auf dem Weg ins Krankenhaus zu seiner schwangeren Frau. Abgelenkt durch sein Handy, übersieht er im Liberty State Park einen Fahrradfahrer, den jugendlichen Afroamerikaner Brenton Butler. Jablonskis Kollegen sind schnell vor Ort und überreden ihn, den Unfall zu vertuschen und den regungslosen Körper liegen zu lassen.

Erst zwölf Stunden später wird Brenton gefunden. Er lebt noch, befindet sich aber im Koma. Während seine Eltern Latrice (Regina King) und Isaiah (Russell Hornsby) um das Überleben ihres Jungen bangen, übernimmt Staatsanwältin KJ Harper (Clare-Hope Ashitey) den scheinbaren Routinefall. Tatsächlich scheint der schnell abgeschlossen werden zu können.

Zwischen allen Fronten

Ein Sündenbock ist schnell gefunden. Aber zu viele Ungereimtheiten lassen in Harper und dem Polizisten Joe „Fish“ Rinaldi (Michael Mosley) Zweifel an der offiziellen Version des Unfalls wachsen. Schon bald geraten sie zwischen alle Fronten und werden zudem mit ihren eigenen Geistern der Vergangenheit konfrontiert, während Gerüchte um den tatsächlichen Skandal die Runde machen und Rassenunruhen drohen.

Produzentin und Serienerfinderin Veena Sud („The Killing“) legt mit der neuen Netflix-Serie „Seven Seconds“ den Finger in die schmerzhafteste Wunde der US-amerikanischen Gesellschaft. Vor dem realen Hintergrund von tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze und der dadurch ins Leben gerufenen „ Black Lives Matter „-Bewegung entwickelt sich hier ein fiktives, aber sehr realitätsnahes Szenario, das den Blick auf das Missverhältnis zwischen Schwarz und Weiß schärft. Vor allem der Tod des erst zwölfjährigen Tamir Rice, der im November 2014 in Cleveland durch eine Polizeikugel ums Leben kam, habe laut Sud zu ihrer Idee von „Seven Seconds“ geführt.

Die zehnteilige Serie fesselt als episch breit angelegtes Gesellschaftsdrama, das insbesondere den strukturellen wie auch offenen Rassismus im Land der unbegrenzten Möglichkeiten beschreibt. Aber auch Korruption und Machtmissbrauch werden thematisiert, Vorurteile sichtbar gemacht und der tiefe Riss aufgezeigt, der sich durch die US-amerikanische Gesellschaft zieht. Ein Riss, der nicht nur zwischen schwarzen und weißen Bevölkerungsschichten verläuft.

Scharfe Perspektivenwechsel vertiefen den Blick auf die massive Schieflage der US-amerikanischen Gesellschaft. Dabei machen es die komplex gezeichneten Charaktere den Zuschauern nicht immer leicht, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Unfallfahrer Jablonski wird als ähnlich vielschichtige Figur gezeichnet wie die komplett demoralisierte Staatsanwältin und der mit ihr gemeinsam ermittelnde Polizist. Was dominiert, ist Unsicherheit bei allen Personen.

Das ungewöhnliche Ende der Serie, die in den letzten beiden Episoden zum spannenden Gerichtsdrama avanciert, lässt die Zuschauer in einem ziemlich ratlosen Zustand zurück. Ratlos wie die gesamten USA, aber trotz alledem mit einer gewissen Portion Hoffnung.

Jonathan Demmes letzte Regiearbeit

Hinter den Kulissen sind zahlreiche Film- und Fernsehgrößen vertreten. Unter ihnen auch Regisseur und Oscar-PreisträgerJonathan Demme(„Das Schweigen der Lämmer“, „Philadelphia“). Im Februar 2017 realisierte der am 26. April des gleichen Jahres verstorbene Altmeister mit der zweiten Episode für „Seven Seconds“ seine letzte Regiearbeit.

Die Produzenten und kreativen Köpfe hinter „Seven Seconds“ verstehen ihre Serie als Anthologie. Sollte es weitere Staffeln geben, wovon beinahe fest auszugehen ist, dann soll jede Staffel ein anderes politisches Thema hinter den Schlagzeilen menschlich vertiefen. Stoff genug also.


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