Digitale Buchmarkt-Trends Werden Hörbücher das neue Nebenbei-Medium?

Von Marcel Kawentel

Ein beliebtes Nebenbei-Medium, das während des Sports, bei Hausarbeiten und im Auto genutzt wird, sind Hörbücher. Foto: dpaEin beliebtes Nebenbei-Medium, das während des Sports, bei Hausarbeiten und im Auto genutzt wird, sind Hörbücher. Foto: dpa

Osnabrück. Am 6. März wird auf dem Literaturfest „lit.COLOGNE“ in Köln der Deutsche Hörbuchpreis 2018 verliehen. Schon jetzt ist klar: das Audiobook boomt und ist auf dem besten Wege neben Radio und Fernsehen zu einem der Top-Nebenbei-Medien aufzusteigen.

Das Hörbuch ist aktuell das am stärksten wachsende Segment in der digitalen Verlagsbranche, wie die Audiobook Publishers Association meldet. Den größten Markt stellen die USA. Zunehmend wird das Medium von Hörern unter 35 Jahren genutzt. Wer dabei vor allem den jungen, mobilen Menschen mit Knopf im Ohr vor Augen hat, täuscht sich: der Ort, an dem Hörbücher am häufigsten genutzt werden, ist laut Digital Publishing Report das traute Heim. Ähnlich den Medien-Dinos Radio und Fernsehen wird das Hörbuch gern als Nebenbei-Medium konsumiert. Lieblingstätigkeiten der Zielgruppe beim Hören sind hier Backen, Sport und Basteln - in dieser Reihenfolge. Die Gewöhnung der Nutzer an parallelen Medienkonsum, wie etwa beim Second Screen, einem Zusatzangebot für mobile Endgeräte, das TV-Programme ergänzt, spielt dem Erfolg des Hörbuchs in die Hände. Der Mediennutzer von heute hat gefühlt immer weniger Zeit, von der er folglich immer weniger verplempern will, und er ist ungern gelangweilt. Ein Medium, das - im Gegensatz etwa zur süchtigmachenden Serie - eben nicht die volle Aufmerksamkeit des Nutzers bindet, passt perfekt in einen tendenziell zu vollen Zeitplan. Folgerichtig gewinnt das Smartphone als Abspielgerät für Hörbücher an Stellenwert.

Die CD ist nicht totzukriegen

Der Umsatz von Hörbüchern am deutschen Markt war im Januar verglichen mit dem Vorjahr zwar rückläufig. Der deutsche Markt zeichnet sich aber vor allem dadurch aus, dass viele Verlagen noch immer rund die Hälfte des Umsatzes im Bereich Hörbuch durch physische Datenträger generieren, sprich: mit der guten alten CD. Kilian Kissling vom Verlag Argon und Sprecher der IG Hörbuch, stellt sich die Frage, welche Entwicklung das nehmen wird angesichts der Tatsache, dass immer weniger Neuwagen über CD-Player verfügen - folgt doch das Auto dem Zuhause im Ranking der Nutzungsorte für Hörbücher auf Platz zwei. Zudem kommt Bewegung in den deutschen Streaming-Markt. Apple Music hat etwa seit Ende letzten Jahres auch Hörbücher im Programm, neben bereits etablierten Anbietern wie der Amazon-Tochter Audible drängen neuere wie Book Beat auf den Markt. Auch den Podcast als Erzählmedium, wie er in den USA mit der True-Crime-Reihe „Serial“ bereits seit 2014 boomt, sieht Kissling im Kommen. Der Streaming-Anbieter Deezer zum Beispiel produziert bereits selbst Podcasts wie „Das kleine Fernsehballett“ mit Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier oder die True-Crime-Reihe „Das Böse“.

Interessant ist vor allem die Feststellung, dass die Verkäufe im digitalen Markt nicht unbedingt zulasten des Print-Absatzes gehen. Streaming, digitale Hörbücher und physische Verkäufe können voneinander profitieren, glaubt man bei Deezer.

Hörbuch als zweites Standbein

Attraktiv ist das Hörbuch auch für Schauspieler. Denn eines der großen Verkaufsargumente bei Hörbüchern ist - neben dem Buchtitel an sich - die Stimme, die es liest. Der Sonderpreis beim Deutschen Hörbuchpreis 2018 geht zum Beispiel an Eva Mattes. Besonders bekannte Namen ziehen die Aufmerksamkeit des Käufers auf ein Hörbuch. Doch auch als zusätzliches Betätigungsfeld - und Einkommensquelle - für Darsteller der zweiten und dritten Reihe gewinnt der Hörbuchmarkt an Attraktivität. Selbst Autoren können im Hörbuch-Sprechen mitunter ein weiteres Standbein finden. Martin Baltscheit, Sprecher, Autor und Illustrator, sieht ein Kriterium für die Qualität eines Hörbuch-Sprechers darin, dass es gelingt die Hörer den Sprecher vergessen zu lassen, so dass sie voll in die Geschichte eintauchen können. Das kann einer weniger bekannten Stimme, die keine Assoziationen abseits des gelesenen Titels weckt, womöglich sogar leichter fallen. Dass Hörbücher jedenfalls längst fester Bestandteil der Buchwelt sind, zeigt die Tatsache, dass der Hörbuchpreis auf dem Literaturfest lit.COLOGNE verliehen wird.