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Heute Abend im ARD-Programm Großes Kino im TV: „Fremder Feind“ mit Ulrich Matthes

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Unter dem Titel „Fremder Feind“ zeigt das Erste heute Abend die Verfilmung des Romans „Krieg“ von Jochen Rausch. Ein starker, intensiver Film vor grandioser Alpenkulisse. Mit einem großartigen Ulrich Matthes in der Hauptrolle.

Mit Romanverfilmungen ist es so eine Sache. Autoren fühlen sich häufig eines Großteils ihrer Geschichte amputiert, Leser sehen plötzlich ganz andere Figuren, als diejenigen, die sie vor ihrem geistigen Auge hatten. In diesem Fall verhält es sich komplett anders. Jochen Rausch, der den Roman „Krieg“ verfasst hatte, ist begeistert: „Mein Roman erzählt eine komplexe Geschichte, die Rick Ostermann und Leah Striker wunderbar und treffend in Szene gesetzt haben,“ sagt der Buchautor und lobt damit den Regisseur und die Kamerafrau.

„Und als ich Ulrich Matthes sah, hatte ich das Gefühl, ich begegne der Hauptfigur Arnold persönlich,“ fügt Rausch hinzu. Ulrich Matthes ist der Darsteller von Arnold Stein. Ein Mann, der alles verloren hat. Der auf einer einsamen Hütte in den verschneiten Alpen seinen Frieden sucht. Und dort nur einen unsichtbaren Feind findet. Einen Feind, der die Einsamkeit der Berge für sich behalten will.

Ständige Perspektivwechsel

Regisseur Rick Ostermann erzählt in konsequent durchgehaltenen Perspektivwechseln die Geschichte von Arnold Stein. Hier die des Lehrers und Pazifisten, der wie seine Frau Karen (Barbara Auer) verständnislos miterleben muss, dass sich ihr gemeinsamer Sohn Chris erst beim Militär und dann für einen gefährlichen Auslandseinsatz in Afghanistan meldet – dort, wie sich Stein nur in Begleitung eines Hundes auf eine einsame Hütte in den tief verschneiten Alpen zurückzieht. Lange ahnt der Zuschauer nur den Grund für diese Flucht in die weiße Wildnis, Gewissheit bekommt er erst nach einer knappen Stunde.

Mit Steins Ankunft an der Hütte setzt der Film ein. Im Abspann wird sich Regisseur Rick Ostermann beim Wettergott bedanken, dafür hat er einen guten Grund: „Wir haben im schönen Navis-Tal kurz vorm Brenner auf ca. 1500 Meter gedreht,“ berichtet er im Info zum Film. „Bis zwei Tage vor Drehbeginn gab es keinen Zentimeter Schnee. Die Berge waren braun und sehr trist. Das war für mich eine mittlere Katastrophe, denn ich wollte die Geschichte eines Mannes erzählen, der allem Wetter und Kälte zum Trotz in die Berge geht und die Einsamkeit sucht. Pünktlich zu Drehbeginn kam der Schnee und hat uns auch den ganzen Dreh über treu begleitet.“

Der Pazifist greift zum Gewehr

In dieser weißen Wüste findet Stein die kürzlich erworbene Hütte in erbärmlichem Zustand vor Die Tür ist aufgebrochen, das Innere verwüstet. Der neue Besitzer hat Warnungen der Dorfpolizei in den Wind geschlagen, dort oben treibe sich „ein komischer Typ“ rum. Nun bekommt er es mit dem furchteinflößenden Unbekannten direkt zu tun. Denn der wirft Steine, schießt auf seinen Hund, stürzt Skulpturen im Garten um. Der Pazifist greift zum Gewehr – und wehrt sich.

Für Ulrich Matthes, Star des Deutschen Theaters in Berlin, war es ein ganz besonderer Dreh: „Es war anstrengend, aber ich habe sehr viel Energie und bin abends immer vergnügt ins Bett gegangen und konnte sehr gut schlafen,“ berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir hatten bei den Nachtdrehs bis zu minus 28 Grad. Es war irre kalt, manchmal konnte ich nichts mehr bewegen und war wie schockgefroren. Aber dann wurde ich ins Warme geführt und es ging weiter.“ (Hier gibt es das vollständige Interview mit Ulrich Matthes.)

Premiere in Venedig

Regisseur Rick Ostermann hat aus Rauschs Stoff einen intensiven Film gemacht, der vor allem durch seine reduzierte Erzählweise anspricht. Es wird nicht immer alles erklärt, manchmal reicht eine einzige Einstellung, ein einziger Schnitt, um mehr zu erzählen als viele Sätze es könnten. Da erscheint es kaum verwunderlich, dass „Fremder Feind“ seine Weltpremiere beim Internationalen Film Festival in Venedig feierte, wo Ostermann schon sein Debütwerk, den Kinofilm „Wolfskinder“, gezeigt hatte. Auch Fernsehen kann großes Kino sein.

Und wie war es für Ulrich Matthes, mit einem Hund zu drehen, den er im Film nur „Hund“ nennt? „Ich bin wirklich ein großer Hundefreund und wollte schon als Kind immer einen haben. Aber der hier war echt ein bisschen dämlich…,“ sagt der 58-Jährige. „Es gibt ja dämliche Menschen, es gibt aber auch dämliche Hunde. Ich schätze, es war wirklich mühsam im Schnitt, diesen dämlichen und schauspielerisch auch eher unbegabten Hund so hinzukriegen, dass er zumindest sympathisch rüberkommt.“

Ist das nicht ein bisschen garstig, Herr Matthes? „Nee nee,“ sagt der Schauspieler und lacht. „Ich bin nach wie vor großer Hundefreund. Aber der war dämlich.“

Fremder Feind. Das Erste, Mittwoch, 21. Februar 2018, 20.15 Uhr.


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