„Der Blaue Planet“ ab Montag im Ersten Neue Natur-Doku im Ersten: Zauber der Weltmeere

Von Tom Heise


Osnabrück. Grandioses Erlebnisfernsehen liefern die sechs Folgen der BBC-Reihe: egal ob atemberaubende Bilder aus der Tiefsee oder emotionale Aufnahmen eines Walrossjungen. Mit modernsten Kameratechniken entführen uns die Macher in unbekannte Welten mit teils skurrilen Kreaturen.

Das Projekt ist vom Aufwand her vergleichbar mit Missionen im Weltraum. Sechs Teams machten sich für „Der Blaue Planet“ vier Jahre lang auf den Weg, um in 125 Expeditionen mit über 6000 Stunden Tauchgängen die Faszination der Ozeane bildlich zu dokumentieren – eine Fortsetzung der erfolgreichen, vor 20 Jahren gedrehten Reihe „Unser blauer Planet“ der englischen BBC in Kooperation mit dem WDR. Dabei galt jetzt der Ansatz, nur Neues zu zeigen, das noch niemand gedreht hatte.

Ein Versprechen, das zu 85% eingelöst worden sei, wie die zuständige WDR-Redakteurin Gabriele Conze (die selbst schon mit Pressluftflasche unter Wasser war)  im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. Das Ergebnis des Mammutprojektes, das jetzt in sechs Teilen im Ersten zu sehen ist, beeindruckt. Als Zuschauer wünscht man sich ob der überwältigenden Bilder mehr als einmal, diesen fantastischen, atemberaubenden, teils skurrilen Zauber auf großer Leinwand genießen zu können.

Modernste Kameratechnik

Um schillernde Kreaturen wie den Pfannkuchentintenfisch, den Halsabschneideraal oder den Zombiewurm einzufangen, wurden modernste Tauch- und Kameratechniken eingesetzt. Ohne Luftblasen und Lärm kann sich so unter Wasser bewegt werden. Restlicht-, Saug- und Unterwasser-Endoskop-Kameras liefern unglaubliche Bilder. Mit Drohnen wurden Mantarochen filmisch eingefangen, mit dem „Megadome“, einem kuppelförmigen Unterwasser-Kameravorsatz, konnte perfekt über und unterhalb der Wasseroberfläche fokussiert und belichtet werden.

Wir Zuschauer sitzen staunend vor dem Bildschirm, lassen uns in die dunkle Tiefsee entführen, wo uns ein psychedelisch anmutendes Farbfeuerwerk erwartet. Wir bewundern surfende Delfine auf Monsterwellen, oder verfolgen gebannt die Dickkopf-Stachelmakrele, die sich wie eine Rakete aus dem Wasser in die Luft katapultiert, um im Flug Vögel zu fangen! Vier Jahre Drehzeit und großer technischer, logistischer und personeller Aufwand: eine derartige, auch gebührenfinanzierte Produktion muss doch im Vergleich z.B. zu einer Fußball-Liveübertragung unglaublich teuer sein?

„Nein, ganz im Gegenteil. Den Erstausstrahlungen folgen Wiederholungen in allen dritten Programmen und Ausstrahlungen bei anderen Koproduktionspartnern. Tierfilme haben eine große Repertoirefähigkeit und erreichen dadurch viele Menschen. Ein wesentlich teureres Fußballspiel können Sie nur einmal zeigen, dann ist es nicht mehr interessant“, widerspricht Gabriele Conze, die allein 2017 sechs Monate mit dem Projekt beschäftigt war.

Deutsche Stimme: Axel Milberg

Auch wenn die BBC federführend bei der Produktion war, steckt eine Menge WDR in den deutschen Folgen: „Wir waren von Anfang an intensiv in den redaktionellen Prozess einbezogen“, erläutert Conze. „Ich als federführende Redakteurin habe Drehbücher gelesen, jeden Rohschnitt und Feinschnitt aller sechs Folgen angesehen und zu jedem einzelnen dieser Produktionsschritte mein Feedback gegeben. Die Endfassungen in einer Länge von knapp 50 Minuten mussten dann auf unser Format von 43:30 Minuten gekürzt und ein komplett neuer deutscher Text geschrieben werden.“

Der wird von dem renommierten Schauspieler und Naturliebhaber Axel Milberg gesprochen. Eine gute Wahl, die Conze begründet: „Ein „normaler“ Doku-Sprecher spricht immer etwas distanzierter. Wir wollten jemanden, der wie ein Erzähler fungiert, der die Balance zwischen Faszination, Bewunderung und Nüchternheit hält.“ Auch die Musik kommt von einem seit Jahrzehnten international tätigem Deutschen: Oscar-Preisträger Hans Zimmer.

Einzelkämpfer: der deutsche Tierfilmer

Die BBC ist bekannt für ihre herausragenden Tier- und Naturfilme - sozusagen der Marktführer. Warum nicht ein deutscher Sender? „Die BBC hat schon 1957 eine Tochterfirma, die Natural History Unit in Bristol, gegründet. Sie ist mittlerweile die größte Produktionsfirma für Tierfilme der Welt, mit über 100 Tierfilmen pro Jahr“, erklärt Gabriele Konze. „Die Kolleginnen und Kollegen dort haben eine tradierte Infrastruktur, tradierte Ausbildungswege und Arbeitsmöglichkeiten. In Deutschland dagegen waren und sind Tierfilmer Einzelkämpfer, die irgendwann ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Prominente Beispiele von früher sind Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann.“

Letztlich kann es dem Publikum bei diesem „grandiosen Erlebnisfernsehen“ egal sein, wer es geschaffen hat. Hauptsache wir dürfen es sehen, genießen und mitfühlen. Man kann sich an den Bildern gar nicht sattsehen, die einen oft bewegen und auch für die vom Menschen verursachten Probleme sensibilisieren. So auch Gabriele Conze: „Emotional berührt hat mich in der ersten Folge die Walrossmutter, die ihr Kleines, durch lange Schwimmerei ermüdet, sozusagen im Arm hält und versucht, den Kopf des Jungen über Wasser zu halten.“


Der Blaue Planet

Sechs Teile, wöchentlich ab Montag 19. Februar 2018, 20.15 Uhr, Das Erste

19.2. Unbekannte Ozeane

26.2. Leuchtende Tiefsee

5.3. Faszination Korallenriff

12.3. Auf hoher See

19.3. Unterwasserdschungel

26.3. Extremwelt Küste