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Heute Abend im ARD-Programm Tatort „Meta“ aus Berlin: Spooky Klasse-Krimi zur Berlinale

Von Joachim Schmitz


Der Tatort kommt heute Abend aus Berlin. „Meta“ mit Meret Becker und Mark Waschke spielt zur Berlinale-Zeit – und ist so gut, dass man dem Krimi am liebsten einen Bären verleihen würde.

Normalerweise nimmt’s der Tatort nicht so ernst mit den Jahreszeiten. Da wird schon mal im Winter mächtig geschwitzt und im Sommer stapfen die Kommissare durch tiefen Schnee. Das ist diesmal anders: In Berlin ist Berlinale – und im Tatort auch. Erstmals wurde Deutschlands populärster Krimi auf dem größten Filmfestival des Landes gedreht – und entpuppt sich als eine Art „Film-im-Film-im-Film“, wie Mark Waschke ihn beschreibt. Meret Becker sagt „Zwiebel-Tatort“ dazu.

Feines Frühstück geht anders. Als der Berliner Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) morgens das Büro betritt und erst mal einen Kaffee zu sich nehmen will, findet er ein Päckchen auf seinem Schreibtisch – und darin einen abgetrennten Frauenfinger. (So war der letzte Berliner Tatort „Dein Name sei Harbinger“)

18 Monate in Formaldehyd

Wenig später gibt’s auch die dazugehörige Leiche: Eine minderjährige Prostituierte, die 18 Monate in einem Lagerhaus in einer mit Formaldehyd gefüllten Kiste gelegen hat. Eingelagert von einer Filmproduktionsfirma Meta, die ihr erstes und einziges Werk gerade auf der Berlinale präsentiert. In dem Film „Meta“ geht’s…um eine ermordete minderjährige Prostituierte, der man einen Finger abgetrennt hat.

Und es wird immer sonderbarer: Im Film geschieht alles genauso wie es in der Wirklichkeit auch gerade passiert. Drehbuchautor ist Peter Koteas (Simon Schwarz). Hochintelligent, Videothekenbetreiber, „Taxi Driver“-Fan, Auftragskiller – und seit über einem Jahr tot.

Spooky

„Der Film führt uns zur Wahrheit,“ ist Karow überzeugt, auch wenn Kollegin Nina Rubin (Meret Becker) anfangs skeptisch ist. Und das Publikum vermutlich auch. Doch „Meta“ entpuppt sich mit zunehmender Laufzeit als ein raffiniert inszenierter, außergewöhnlicher, spannender Krimi, der zuweilen so spooky ist, dass sie bei der die ARD vermutlich selbst nicht wissen, ob sie ihn den noch zweimal jährlich gestatteten Experimental-Tatorten zurechnen sollen.

Nein, realistisch und relevant, wie es sich der Tatort gern zur Aufgabe macht, ist „Meta“ kein bisschen. Aber dafür ein bisschen genial, fesselnd, mysteriös, ruppig, gelegentlich anrührend. Ein brillantes Spiel mit verschiedenen Wahrnehmungsebenen. Und vor allem auch ein großer Spaß.

Nächster Geniestreich

Ein neuerlicher Geniestreich von Regisseur Sebastian Marka und Drehbuchautor Erol Yesilkaya, denen wir schon so grandiose Tatort-Folgen wie Joachim Króls Abschied „Das Haus am Ende der Straße“ (2013) und „Die Wahrheit“ (2016) mit den Münchner Kommissaren Batic und Leitmayr zu verdanken haben. Dieses Team kann Tatort - so gut wie kaum ein anderes. (So stark war „Das Haus am Ende der Straße“).

Es ist aber auch ein Krimi, der mit ein paar Sätzen den Zuschauern das Verhältnis der beiden Ermittler seziert. Rubin wünscht sich ein kumpeligeres Miteinander, einen Kollegen, mit dem sie auch mal ein Bier trinken kann. Aber Karow macht irgendwann deutlich: „Ich bin nur Polizist, nichts anderes. Kein Vater, kein Ehemann, kein Kumpel. Wenn ich an was arbeite, dann habe ich keinen anderen Gedanken, keinen Schlaf, keine Ruhe. Bis der Fall aufgeklärt ist. Zwischen uns wird sich nichts ändern.“

Nicht so schlimm, möchte man sagen. Wenn’s so weitergeht mit den beiden, stehen uns wohl noch einige sehenswerte Krimis ins Haus.

Tatort: Meta. Das Erste, Sonntag, 18. Februar 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 6 von 6 Sternen