TV-Programm am Freitag NDR-Reportage über Reisebegleiter für Menschen mit Behinderung

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Lernen einander erst bei Reisebeginn kennen: Johanna Gnau (links) und ihre Urlaubsbegleitung Anke Germer im Sauerland. Foto: NDR/Thomas KarpLernen einander erst bei Reisebeginn kennen: Johanna Gnau (links) und ihre Urlaubsbegleitung Anke Germer im Sauerland. Foto: NDR/Thomas Karp

Osnabrück. Die Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement sind zahlreich, aber dieses ist dann doch besonders: Reisebegleiter für einen Menschen mit Behinderung. Der Filmautor Thomas Karp hat zwei solche Tandems begleitet – eines an die Algarve und eines im Sauerland. Eine Reisereportage am Freitag, 16. Februar 2018, um 21.15 Uhr im NDR

„Anfang 2017 war ich auf einer Messe in Hamburg, wo sich Organisationen vorstellten, die Ehrenamtliche suchen“, sagt Thomas Karp im Gespräch mit unserer Redaktion. „Den gemeinnützigen Verein Weitsprung fand ich spontan total spannend.“ Denn Weitsprung arbeitet nach einem ungewöhnlichen Modell: Menschen mit einer Behinderung buchen eine Reise, und begleitet werden sie dabei von einem ehrenamtlichen Helfer. Den kostet die Reise nichts – aber er ist für Unterstützung und Pflege zuständig.

Und das kann sehr unterschiedlich aussehen, wie die doppelte Reisereportage zeigt. Herbert Swyter (64) hat es in gewisser Weise einfacher getroffen. Der Rentner begleitet Jochen Ehlers (30) aus Bremen, der seit seiner Geburt blind ist, für zwei Wochen an die portugiesische Algarve. Sehen kann Jochen nicht, aber ansonsten ist er recht selbständig. In seinem Hotelzimmer kommt er gut klar, anziehen, Hygiene – alles schafft er allein.

Helfen ohne jede Erfahrung

Johanna Gnau aus Marburg dagegen leidet seit ihrer Kindheit an fortschreitendem Muskelschwund. Sie sitzt im Rollstuhl und kann nichts mehr allein. Rein ins Bett, raus aus dem Bett, Toilette, Dusche – bei allem braucht sie die Hilfe von Anke Germer. Doch die 55-jährige ehemalige Verkäuferin aus Hamburg hatte noch nie zu tun mit Rollstühlen und den Finessen diverser technischer Hilfsmittel und Hebevorrichtungen. Da sind auf ihrer Reise ins bergige Sauerland schon rein praktische Probleme programmiert.

Thomas Karp hat beide Tandems begleitet. „Wir waren zu dritt im Team“, sagt er. „Ich als Autor, eine Kamerafrau und ein Assistent, der für den Ton zuständig war“. Am Anfang seien die Dreharbeiten nicht so einfach gewesen. „Die beiden Reisenden haben sich ja gerade erst kennengelernt und mussten sich erst beschnuppern. Und dann standen wir als Fernsehteam immer gleich daneben und wollten ja nichts kaputt machen.“ Wegen dieser schwierigen Konstellation habe es auch einige Zeit gedauert, überhaupt Leute zu finden, die bei dem Film mitmachen wollten. „Da musste ich schon eine ganze Menge Gespräche führen, zumal ich ehrenamtliche Begleiter haben wollte, die das zum ersten Mal machen.“

Alle sind am Anfang unsicher

Herbert Swyter und Anke Germer machen es zum ersten Mal und die Unsicherheit ist ihnen anzumerken. „Darf ich zu einem Blinden bei der Begrüßung sagen: Schön dich zu sehen?“, fragt Swyter sich. Und Germer hat vor der Reise Alpträume, dass der Rollstuhl ihr aus der Hand rutscht und den Berg runtersaust. Erfahrung mit Behinderten haben beide nicht – und die zwei Tage Schulung, die sie vom Verein „Weitsprung“ bekommen haben, waren auch nicht so üppig, dass sie große Sicherheit verspüren. Die Reise ist für sie ein Abenteuer, wenn auch eines ganz eigener Art.

Unsicher war aber auch das Fernsehteam. „Das war ein besonderer Dreh, weil keiner wusste, wie die Sache läuft. Ob die Leute sich überhaupt verstehen, ob alles gutgeht oder ob zwischendurch abgebrochen wird.“ Das kommt nämlich vor bei solchen Reisen – und auch bei Anke und Johanna sah es gleich zu Anfang so aus, als wäre der Urlaub schneller zu Ende, als er begonnen hat.

Was man als Zuschauer bei dieser Reportage vermisst, das ist ein bisschen Hintergrund: Wie werden die Begleiter ausgesucht und geschult? Warum lernen sich die Teams erst bei der Abreise kennen? Warum machen Herbert und Anke mit? „Das stimmt, dass diese Fragen zu kurz kommen“, sagt Thomas Karp im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber mich hat vor allem interessiert, was sich zwischen diesen Menschen abspielt, die sich gerade erst kennenlernen und schon aufs Engste miteinander verbunden sind.“

Gerne wieder!

Und darin bietet der Film in der NDR-Reihe „ Die Reportage „ tatsächlich Einblicke. Einblicke, die Mut machen, so etwas auch mal auszuprobieren – sei es als Reisender mit Handicap, sei es als ehrenamtlicher Begleiter. Beide Tandems wachsen nämlich wirklich zusammen. Sind sie am Anfang Betreuer und Betreuter, werden sie mehr und mehr zu Freunden, unterhalten sich über das Leben und die Hobbys, freuen sich gemeinsam an Ausflügen und Erlebnissen. Und vor allem verlieren die ehrenamtlichen Begleiter ihre Scheu vor den Behinderungen und nehmen sie zunehmend als selbstverständlich hin. Sowohl an der Algarve wie im Sauerland kann man am Ende sagen: Es war für alle ein schöner Urlaub – und gerne wieder!

 

Biete Urlaub, suche Pflege

Am Freitag, 16.2.2018,

um 21.15 Uhr im NDR


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