Bücher sind ihr Lebenselexier WDR-Doku zum Geburtstag: Elke Heidenreich wird 75

Von Marie-Luise Braun

Mit den Geschichten über ihren Kater wurde Elke Heidenreich als Schriftstellerin bekannt.Foto: imago/Future ImageMit den Geschichten über ihren Kater wurde Elke Heidenreich als Schriftstellerin bekannt.Foto: imago/Future Image

Osnabrück. Ihr Kater habe es ihr ermöglicht, dass sie nicht mehr arbeiten müsste, sagt Elke Heidenreich. Sie tut es trotzdem noch, auch mit 75 Jahren. Am 15. Februar hat die Schriftstellerin, Moderatorin, Kritikerin und Librettistin Geburtstag. Einen Tag später würdigt der WDR sie mit einem Porträt.

Mit Nero Corleone kam der ganz große Erfolg als Schriftstellerin: Die Geschichten um ihren Kater veröffentlichte Elke Heidenreich 1995 – sie wurden in 23 Sprachen übersetzt, wurden mit einigen Preisen ausgezeichnet und brachten so viel Geld ein, dass sie eigentlich nicht mehr arbeiten müsste. So sagt es Heidenreich in der Dokumentation mit dem etwas sperrigen Titel „Elke Helene Heidenreich geborene Riegert – Fast ein Selbstportrait“. Der WDR-Redakteur Klaus Michael Heinz hat den Film anlässlich ihres 75. Geburtstages gemacht.

Bekanntermaßen arbeitet sie immer noch. Und das auf vielfältige Art und Weise. Nach und nach hat sich die Tochter eines Auto-Mechanikers und einer Näherin aus dem Ruhrgebiet ein Berufsfeld nach dem anderen gegriffen: Sie ist Radiomoderatorin, Kabarettistin, Fernsehmoderatorin, Literaturkritikerin, Schriftstellerin und Librettistin. Sie war die Metzgers-Gattin Else Stratmann, die bei Olympia 1988 das von Whitney Houston gesungene Lied „Reach out for the medal“ in „Richard und das Mädel“ umdichtete. Sie war die Moderatorin, die beim Kölner Treff mit direkten Fragen Politiker ins Schwitzen brachte und vor allem lockte sie mit ihren Bücher-Sendungen viele Zuschauer erst vor die Fernseher, dann in die Buchhandlungen. Angesichts ihrer schwierigen Kindheit seien Bücher ihr immer ein Trost gewesen, hat Heidenreich mal gesagt. Eine Lehrerin veranlasste das zu der Bemerkung: „Alles häkelt, Elke liest!“

In dem Film von Heinz wird das alles thematisiert – und mehr. In der Reihe, die er vor 20 Jahren ins Leben gerufen hat, wird der Porträtierte überwiegend mithilfe von Archiv-Material gezeigt. „So ist nicht nur der Ist-Zustand zu sehen, sondern auch, wie sich jemand in der Vergangenheit gezeigt hat“, sagt Heinz.

Mit manchen der so Geehrten sei er zudem an einige ihrer wichtigen Orte gefahren. Nicht aber mit Elke Heidenreich: „Sie hatte keine Lust, überhaupt etwas zu ihrem Geburtstag zu machen“, sagt Heinz und ergänzt: „Sie meint, sie hätte schon alles gesagt. Sie wollte nicht mehr teilhaben am Jahrmarkt der Eitelkeit.“ Dann aber habe sie gesagt: „Bevor es jemand anderes macht und es wird blöde, dann mach‘ du es.“ Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Arbeiten. Befreundet seien sie aber nicht, sagt Klaus Michael Heinz.

Kurz sei der Dreh gewesen: Wenige Stunden habe sie in ihrem Kölner Haus Fragen beantwortet und sich am Rhein beim Spaziergang mit ihrem Mops filmen lassen. Und bei einem Auftritt in der Kölner „Wolkenburg“ habe das Filmteam sie filmen dürfen. Mit dabei war dort ihr Lebenspartner, der Pianist und Komponist Marc-Aurel Floros.

Offen, direkt, undiplomatisch, manchmal bis zur Verletzung des Gegenübers. So charakterisiert sich Heidenreich auch selbst. Das sei auch einer der Gründe für den Bruch mit dem ZDF gewesen, erinnert sie sich. Der Film geht noch einmal in den Konflikt hinein, der mit einem Auftritt von Marcel Reich-Ranicki begann, als er im Jahr 2008 den Deutschen Fernsehpreis wegen mangelnder Programmqualität öffentlich abgelehnt hatte. In einem Artikel in der FAZ hatte sich Heidenreich auf seine Seite gestellt, Scham geäußert, für einen solchen Sender zu arbeiten und ihre Kündigung angeboten. Obwohl sie – unter der Voraussetzung einen besseren Sendeplatz zu erhalten – später bekundete, bleiben zu wollen, kündigte das ZDF den Vertrag mit ihr. Auch der öffentliche Protest von Verlagen half nichts.

Niederlagen gehörten zum Leben dazu, kommentiert Elke Heidenreich solche Ereignisse und vergleicht es mit einer Perlenkette. Da seien zwischen den Perlen Übergänge. So träten die Perlen des Lebens intensiver hervor.

Ihr erstes Buch hat Heidenreich 1992 veröffentlicht – „Kolonien der Liebe“. Alle ihre Bücher waren erfolgreich, ganz besonders aber das über Kater Nero Corleone. Als er starb, habe sie ihm deshalb etwas Besonderes mitgeben wollen. Und so liegt die tote Katze eingewickelt in das erste teure Kleid, das sie sich je geleistet hat, im Garten ihres Hauses: Edles italienisches Design als Gruß für die letzte Reise.

Elke Helene Heidenreich geborene Riegert – Fast ein Selbstportrait. 16. Februar, 23.30 Uhr, WDR.