TV-Programm am Mittwoch Deutsche flüchten nach Afrika: „Aufbruch ins Ungewisse“ in der ARD

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Osnabrück Der Film „Aufbruch ins Ungewisse“ (Das Erste, Mittwoch, 20.15 Uhr) stellt die Flüchtlingssituation auf den Kopf. Wir sprachen mit Hauptdarsteller Fabian Busch über seine Rolle und auch über seinen Auftritt in der internationalen Kultserie „Fargo“.

Was für ein Szenario – Europa wird von Rechtsextremen regiert. Alle Ländergrenzen sind wieder dicht. In Deutschland sorgt ein Willkürsystem mit „Säuberungen“ dafür, dass „volksfeindliche“ Journalisten, Anwälte und andere unliebsame Oppositionelle verschwinden. Da riskieren viele Europäer die Flucht in die gerade prosperierende „Südafrikanische Union“.

So auch Familienvater Jan Schneider ( Fabian Busch), der sich mit seiner Frau Sarah ( Maria Simon) und seinen Kindern Nora und Nick Schleppern anvertraut, um einer drohenden Verhaftung zu entgehen. Aber statt in Südafrika werden sie in Namibia an Land gespült. Die Familie wird auseinandergerissen. Eine familiäre Tragödie nimmt ihren Lauf.

Wie realistisch ist ein solches Zukunftsszenario überhaupt, und kann man, darf man die aktuelle Flüchtlingssituation für eine fiktionale TV-Produktion einfach so auf den Kopf stellen? Hauptdarsteller Busch sieht darin „eines von vielen Szenarien“, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagt. „Wir leben in einer Zeit, in der plötzlich vieles möglich zu sein scheint. Die Wahl Trumps, die Tendenzen in Ungarn oder Polen, aber auch gleichzeitig der Rückschlag des Populismus in Frankreich, der einen wieder hoffnungsfroher stimmt.“

Zunächst mit Rolle gehadert

Trotzdem habe Busch zunächst mit seiner Rolle gehadert, wie er sagt. „Ich stellte mir die Frage, ob man die Dinge so einfach schwarz auf weiß umkehren kann. Ob man das Schicksal der Menschen übertragen und ‚nachspielen‘ darf. Egal wie man es darstellt, reicht es nicht annähernd an das Leid, das Flüchtlinge tagtäglich erleben. Andererseits haben mir die Festivalvorführungen gezeigt, dass unser Film die Leute gerade deshalb sehr berührt, weil die Hauptfiguren ihre Nachbarn sein könnten.“

So dreht sich im Wesentlichen alles in diesem Film um die Menschen. Der fiktive Rückfall Deutschlands und Europas in rechtsextreme Barbarei wird nur einleitend umrissen und nicht weiter vertieft. Im weiteren Verlauf geht es dann vor allen Dingen darum, wie die Betroffenen während ihrer Flucht mit der Situation und ihrem fortan fremdbestimmtem Leben klarkommen, wie sie sich verhalten. Dabei vermeidet es Regisseur Kai Wessel nach dem Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn und Gabriela Zerhau, seinen Figuren allzu eindeutige Charakteristika zu verleihen. Der Familienvater erscheint hier keineswegs ausschließlich als armes Opfer, sondern wird höchst ambivalent dargestellt.

„Das macht den Film so real und für den Zuschauer nachvollziehbar: Alle Figuren machen Fehler und treffen fragwürdige Entscheidungen“, betont Busch. „Dadurch bekommen sie etwas ‚echtes‘ und sind weniger vorhersehbar. Meiner Meinung nach entsteht so eine viel stärkere Bindung an den Zuschauer.“

Der Film als Mischung aus Flüchtlings- und Familiendrama funktioniert vor allen Dingen dank seiner starken Darsteller, von denen sich die südafrikanische Nachwuchsschauspielerin Athena Strates in ihrer Rolle als pubertierende Tochter als echte Überraschung mit internationalem Potenzial entpuppt.

„Vor Freude im Kreis gehüpft“

Wobei auch Busch unlängst internationales Potenzial beweisen durfte und die deutsche „Fargo“-Fangemeinde mit seinem Auftritt im Prolog zur dritten Staffel überraschte. „Ich wusste damals noch gar nicht, was die Serie ‚Fargo‘ ist“, gesteht er freimütig. „Ich kannte nur den Film und habe meine Szene deshalb relativ unaufgeregt eingeschickt. Nach zwei Monaten kam plötzlich die Zusage. Und nachdem ich mir dann die ersten beiden Staffeln angesehen hatte, bin ich vor Freude im Kreis gehüpft. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich durch die Szene zu einem Teil des ‚Fargo-Universums‘ werden durfte. Und habe das Gefühl, dass ich auf die kurze Szene mehr Resonanz bekomme als auf viele große Rollen, die ich in den letzten 25 Jahren gespielt habe.“

„Aufbruch ins Ungewisse“. Das Erste, Mittwoch, 14. Februar, 20.15 Uhr.

„Fargo“. Alle drei Staffeln in der Flatrate bei Netflix.


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