zuletzt aktualisiert vor

Absurd und schräg Tatort „Der kalte Fritte“ aus Weimar: Hirn, Herz und Hoden

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Der Tatort kam am Sonntagabend aus Weimar. „Der kalte Fritte“ mit Nora Tschirner und Christian Ulmen ist mindestens so absurd und schräg wie seine fünf Vorgänger und soll die Quotenschmach von „Der wüste Gobi“ vergessen machen.

Nora Tschirner ist die beliebteste Tatort-Darstellerin – zumindest einer Umfrage unter „Playboy“-Lesern zufolge, die darüber befinden sollten, mit welchem der Kommissare sie am liebsten mal ein Bier trinken würden. Verwunderlich ist das nicht - der Abend könnte höchst amüsant werden. Der Weimarer Tatort hingegen war zuletzt unter den Zuschauern des Ersten der unbeliebteste. Der wirklich witzige „wüste Gobi“ am zweiten Weihnachtstag 2017 entpuppte sich mit 5,92 Millionen Zuschauern nicht nur als der quotenschwächste Tatort des Jahres, sondern auch als heftigste Tatort-Niete seit 2010. (So war „Der wüste Gobi“)

Mit „Der kalte Fritte“ könnte die Lagerbildung nun weiter voranschreiten, denn auf der nach oben offenen Richterskala des Absurden erreichen die Ermittler aus Thüringen zeitweise neue Höhen. Die Spaßfraktion wird’s freuen, die Puristen eher grausen.

Vorglühen für Rosenmontag

Vielleicht ist es so etwas wie Vorglühen für den Rosenmontag: Wir sind aus Weimar ja einiges gewohnt, aber so eine Geschichte (Buch: Murmel Clausen) muss man sich erst mal ausdenken: Ein Auftragskiller erschießt den Milliardär Alonzo Sassen in seinem Bett - mit Treffern in Hirn, Herz und Hoden. „Ha, ha, ha,“ analysiert Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Chfristian Ulmen) fühlt sich an Methoden aus dem Rotlichtmilieu erinnert.

Der Killer überlebt auch nicht, ihn richtet die junge Frau des Milliardärs auf demselben Bett. Und bewirbt sich Stunden später im Bordell von Fritte Schröder um einen Job – schließlich bekam sie nur zehn Euro pro Ehetag. Dass Kommissariatschef Stich (Thorsten Merten) dann auch noch glaubt, „mein Hering hupt“, sagt fast schon alles über das Strickmuster dieses Krimis.

Und dann ist da Goethe

Schrille Figuren, schreiend und gelegentlich auch quälend komische Dialoge auf dem schmalen Grat zur totalen Albernheit sowie eine größtmögliche Entfernung zur Wirklichkeit - „Der kalte Fritte“ ist ein höchst schräger Weimar-Tatort – der aber auch ganz anders kann. Zum Beispiel hochkulturell. Denn sowohl Fritte Schröder als auch Milliardär Sassen spielten mit beim Immobilienpoker für eine geplantes „Goethe-Geomuseum“.

Und am Ende darf’s sogar ein wenig splattern, wird die Comedy zur Dramedy. Und verliert dabei leider auch ein wenig ihren humoristischen Faden. Dennoch: Eine Abstrafung über die Quote hat auch dieser Weimar-Tatort nicht verdient. Im Prinzip bedient er das gleiche Publikum wie die Kollegen aus Münster – warum quotentechnisch Welten zwischen den beiden Formaten liegen, bleibt ein Rätsel.

Helle Freude

Regisseur Titus Selge, der zuletzt mit der Außenseiter-Ballade „Matthiesen Töchter“ glänzte, hatte zumindest seine helle Freude an seinem ersten Tatort seit über acht Jahren: Der Showdown, so zitiert ihn das Info zum Film, „sprengt im wahrsten Sinne des Wortes den Rahmen all dessen, was ich bisher für das deutsche Fernsehen realisieren durfte“. (So stark war „Matthiesens Töchter“)

Tatort: Der kalte Fritte. Das Erste, Sonntag, 11. Februar 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN