TV-Programm am Freitag Bitterböse: George A. Romeros „Bruiser“

Von Tobias Sunderdiek

Henry Creedlow (Jason Flemyng) ist der Fußabtreter für alle seine Freunde und Bekannten. Als er eines Tages ohne Gesicht aufwacht und stattdessen einer weißen Maske gleicht, beginnt er sich an seinen Peinigern zu rächen. Foto: ZDF/Sophie GiraudHenry Creedlow (Jason Flemyng) ist der Fußabtreter für alle seine Freunde und Bekannten. Als er eines Tages ohne Gesicht aufwacht und stattdessen einer weißen Maske gleicht, beginnt er sich an seinen Peinigern zu rächen. Foto: ZDF/Sophie Giraud

ZDF Neo lädt ein, „Bruiser“ von “Zombie“-Regisseur George A. Romero wiederzuentdecken. Als subtil-sarkastische Horrorsatire auf das Bürgertum.

Er will Rache. Jahrelang haben alle auf Henry Creedlow, den farblosen Angestellten des schmierigen Magazins „Bruiser“ (zu Deutsch „Schläger“ oder „Rabauke“) eingeprügelt. Seine Frau verachtet ihn, er wird von seinem sexistischen Chef vor Kollegen gedemütigt, und der angebliche „beste Freund“ nimmt ihn finanziell aus. Ja, selbst die Putzfrau betrügt ihn. Als sich eines Tages eine weiße Maske auf Creedlows Gesicht befindet, ist aus dem „Mann ohne Eigenschaften“ ein „Gesichtsloser“ geworden. Und ein Racheengel, der seinen Peinigern blutig „eine Maske vorhält“. Als Regisseur George A. Romero, mit Werken wie „Die Nacht der lebenden Toten“ und Zombie“ zum „Vater des modernen Horrorfilms“ gekürt, im Jahr 2000 „Bruiser“ veröffentlichte, spaltete er Publikum und Presse. „Zu unblutig“ für viele Fans, „zu anspruchsvoll“ für einige US-Kritiker, verdient der Film des 2017 verstorbenen Romero spätestens jetzt eine Neubewertung. Erstmals im Fernsehen, erweist sich der Film mit seinen liebevollen Verweisen auf Horrorklassiker wie „Augen ohne Gesicht“ (1959) letztlich als durchaus doppelbödige, bitterböse Satire auf Sein und Schein der Neureichen und als komplexes Spiel mit Realitätsebenen.