„Ich liebe meine Arbeit“ Seit 25 Jahren beim heute-journal: Gundula Gause

Von Reinhard Lüke

Bekanntes Gesicht des ZDF: Gundula Gause. Foto: ZDF/Klaus WeddigBekanntes Gesicht des ZDF: Gundula Gause. Foto: ZDF/Klaus Weddig

Osnabrück. Sie hatte im Studio bereits sieben Männer an ihrer Seite, aber in all den Jahren nie eine andere Frisur. Seit 25 Jahren ist Gundula Gause Nachrichten-Moderatorin beim heute-journal und liebt ihren Beruf trotz aller Veränderungen nach wie vor.

Dass ihre Silberhochzeit mit dem heute-journal ausgerechnet auf Weiberfastnacht fällt, mag manch einer im närrischen Mainz für eine besondere Fügung halten. Aber mit der Fasenacht hat es die gebürtige Berlinerin Gundula Gause, die am Donnerstag seit 25 Jahren beim Nachrichten-Flaggschiff des ZDF vor der Kamera steht, nach eigenem Bekunden nicht so sehr. Beim ZDF ist sie bereits seit 1989, hat die „heute“-Nachrichten moderiert und war danach sechs Jahre beim MoMa. Ihren ersten Fernseh-Job hatte die 52-Jährige allerdings Mitte der 1980er Jahre bei Sat1. „Der Kanal war gerade als einer der ersten Privatsender in der Anstalt für Kabelkommunikation in Ludwigshafen an den Start gegangen“, erzählt Gause im Gespräch mit unserer Redaktion. „Für mich als damals sehr junge Frau war es eine wunderbare Gelegenheit, ein Jahr lang Kameraerfahrungen zu sammeln. Wenn auch nur als Ansagerin. Aber ich möchte die Zeit nicht missen.“

Die Texte schreibt sie selbst

Ansagerinnen gibt es auch bei ARD und ZDF längst nicht mehr und Gundula Gause schreibt ihre Texte für das heute-journal natürlich selbst. Obwohl sie so gut wie nie in Talkshows sitzt, bei Galas über rote Teppiche flaniert oder in Homestories ihr Privatleben ausbreitet, ist die Journalistin mit dem blonden Pagenkopf über die Jahrzehnte zu dem Gesicht des ZDF geworden. „Man mag das so sehen“, räumt Gause ein, „darauf habe ich nun wirklich nicht hingearbeitet. In erster Linie sehe ich mich als Nachrichten-Redakteurin, die ihre Arbeit macht. Uns das so gut wie möglich und noch immer mit großer Leidenschaft. Die Arbeit als Redaktionsmitglied des heute-journals, das Auswählen und Schreiben der Nachrichten, die Recherche zu Themen des Weltgeschehens – das treibt mich jeden Tag neu an.“ Solch ein hehres Arbeitsethos würde aus manch anderem Mund kokett klingen, aber Gundula Gause nimmt man es ab. Sowohl auf dem Bildschirm als auch im Gespräch. Und schließlich lebt das Geschäft mit den Nachrichten heute mehr denn je von Glaubwürdigkeit.

Nach Gauses eigener Zählung ist Claus Kleber der inzwischen siebte Mann an ihrer Seite. Hatte sie in den zweieinhalb Jahrzehnten beim heute-journal nie Ambitionen, selbst zur Moderatorin aufzusteigen? Gause schüttelt den Kopf: „Ich liebe die Arbeit, die ich mache. Auch wenn es für manche Zuschauer vielleicht so aussieht, als sei ich da nur der sogenannte „Sidekick“ des Moderators. Fernsehen ist Teamarbeit und ich bin froh, Mitglied dieses Teams zu sein. Außerdem gehört zum Anforderungsprofil von Moderatoren beim heute-journal auch, mal als Korrespondent im Ausland gearbeitet zu haben.“ Auch den Einwand, dass Marietta Slomka, seit 2001 dabei und jüngst mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, diesem Profil damals auch nicht so ganz entsprochen habe, will sie nicht gelten lassen. Gause: „Doch. Sie hat als Korrespondentin für die Deutsche Welle in Brüssel und beim ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin gearbeitet. Wie auch immer. Ich bin jedenfalls glücklich und zufrieden mit dem, was ich mache.“ Was man ihr schon wieder glaubt.

Viele Ehrenämter

Doch die evangelische Christin engagiert sich nicht nur fürs heute-journal, sondern ist seit langem auch in diversen Ehrenämtern umtriebig unterwegs. So etwa für den Afrikatag des kirchlichen Hilfswerks missio und als Botschafterin der Initiative „Schau hin!“, die sich für die Medienkompetenz von Kindern stark macht. Wofür Gause 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. „Es war schon ein Höhepunkt meines Lebens und ich habe mich sehr gefreut, als ich es vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck für mein ehrenamtliches Engagement überreicht bekam. Zugleich war ich beeindruckt von den großartigen Frauen, die mit mir ausgezeichnet wurden. Ich ziehe den Hut vor den Millionen von Ehrenamtlern, die mit deutlich mehr Intensität und Zeitaufwand als ich in ihrer Freizeit einen tollen Job machen.“

Wer so lange wie Gause Fernsehnachrichten moderiert, hat in seinem Beruf so einiges an Veränderungen erlebt. Wechselnde Kollegen, diverse Studioumbauten, Sende-Logos, Titel-Musiken und technische Innovationen aller Art. „ Als ich anfing, bekam ich meine Meldungen noch aus dem Ticker, die studentische Hilfskräfte mir auf den Tisch legten“, erinnert sich Gause. „Durch die Digitalisierung ist das Geschäft natürlich vor allem schneller geworden. Zudem ist die Nachrichtendichte heute wesentlich größer und unser Job wird immer vielschichtiger, weil über das Netz permanent Informationen kommen. So ist man Macher aber zugleich Getriebener.“ Den Spaß an ihrem Beruf haben ihr all diese Veränderungen aber dennoch nicht nehmen können. „Wir dürfen nicht nachlassen in dem Bemühen, auch in dieser immer komplexer werdenen Zeit nachzudenken, in die Tiefe zu gehen und sich vom Fake-News-Geplärre nicht verrückt machen zu lassen. Oder um es mit dem Titel eines Buches von Claus Kleber zu sagen: ,Rettet die Wahrheit!‘“