Quote schwach wie selten Warum war das Dschungelcamp so verschnarcht?

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Tina York kann mit offenen Augen schlafen – und schafft damit das symbolträchtigste Bild für die zwölfte Staffel des Dschungelcamps. Foto: RTLTina York kann mit offenen Augen schlafen – und schafft damit das symbolträchtigste Bild für die zwölfte Staffel des Dschungelcamps. Foto: RTL

Berlin. Die Quoten sind so schlecht wie lange nicht mehr: Am Samstag endete die zwölfte Staffel des Dschungelcamps. Warum hat das einstige Skandalformat diesmal nur noch so wenige Zuschauer interessiert?

Das Dschungelcamp 2018 endet – und die Quoten sind so schlecht wie lange nicht mehr. Was hatte diese Staffel nicht, was andere hatten?

Die einen wollten zu viel Aufmerksamkeit

„Ich hoffe, dass ich draußen nicht als Arsch rüberkam“, sagte die Schauspielerin Sandra Steffl kurz vor ihrem Auszug aus dem Dschungelcamp – und setzte erschrocken nach: „Oder als langweilig!“ Eine Hassfigur zu sein ist im Dschungelcamp schließlich immer noch besser, als die Zuschauer gar nicht zu interessieren.

Den Kampf um Aufmerksamkeit hat diesmal niemand aggressiver ausgefochten als Matthias Mangiapane und Sydney Youngblood. Matthias, erprobter Reality-Star, trägt in nassen Momenten einen Badeanzug mit Maiskolben-Muster – und kämpft sich daran ab, Larissa Marolts Rekord von zehn Dschungelprüfungen wenigstens einzuholen. Sydney, früher mal Sänger, droht kurz vor seinem Rauswurf: „Ich zeige meinen schwarzen Arsch. Vielleicht sogar meinen Penis.“ Vorher hat er vor allem Heulattacken vorgegaukelt – und sich damit zum Super-Gau des Trash-TV gemacht: zum Selbstdarsteller, an dem weniger real ist, als wenn er gleich nach Drehbuch agiert hätte.

Die anderen wollten zu wenig

Mit ihrem schrillen Auftreten sind die zwei eine Ausnahme im zwölften Dschungelcamp geblieben. Die meisten Kandidaten haben ihre Staffel ausgesessen. Tina York, 63-jähriges One-Hit-Wonder, hat aus der Arbeitsverweigerung immerhin einen kleinen Geniestreich gemacht: Die Frau schläft nicht nur mit offenem Mund, sondern auch mit offenen Augen – und hat dem Dschungelcamp damit das bleibende Bild geschenkt. Ansgar Brinkmann, als letzte Type des Profi-Fußballs ins Camp gezogen, blieb auffällig unauffällig. Seinen ersten echten Konflikt hat er dann gleich so intensiv ausgespielt, dass er freiwillig das Camp verließ – weil RTL ihm wegen einiger Regelverstöße ein Longboard wegnehmen wollte, mit dem er im Urwald ohnehin nichts anfangen konnte.

Auch Daniele Negroni geht als monothematischer Kandidat in die Geschichte ein: Er ist auf Nikotinentzug und entsprechend übellaunig – der Dschungelschurke, zu dem die anderen Kandidaten ihn machen wollen, ist der grundfreundliche DSDS-Finalist leider nicht. Jenny Frankhauser wollte der Welt zeigen, dass sie mehr ist als Daniela Katzenbergers Halbschwester. Bis in die Top 5 hat sie es geschafft – und ist den Beweis noch immer schuldig. (Lesen Sie auch: Jenny Dschungelkönigin? 4 Thesen zur Fehlentscheidung)

Hat der Dschungel seinen Zweck verfehlt?

Auch David Friedrich und Kattia Vides haben im Dschungel nicht viel geboten, nicht mal einen Flirt – was angesichts ihrer Herkunft aus der Kuppelshow „Der Bachelor“ fast schon unverschämt ist. Aber es hat auch seine Logik. Nichts tun und Geld dafür kriegen – gerade darin besteht ja der Karriereplan, aus dem heraus man ins Dschungelcamp zieht. Die Show sollte einmal das Strafgericht des nutzlosen Ruhms sein; inzwischen produziert sie selbst die Prominenz, über die es sich lustig macht. In der aktuellen „Bachelor“-Staffel werfen die Kandidatinnen sich ganz offen vor, nicht auf den Mann aus zu sein – sondern auf das Ticket ins Dschungelcamp.

Dschungelcamp 2018: Wie waren die Quoten?

Aber reicht das noch? Die Quote zumindest ist so schlecht wie lange nicht mehr. Bis zur 13. Folge liegt der Zuschauerschnitt bei 5,48 Millionen. Weniger hatte – in der gesamten Formatgeschichte – nur die dritte Staffel mit 4,86 Millionen. Zum Vergleich: Staffel 11 erreichte im letzten Jahr 6,52 Millionen Zuschauer, 2016 waren es noch 7,09 Millionen. Am erfolgreichsten war Staffel 8 mit 7,94 Millionen. RTL-Sprecher Claus Richter ordnet die Zahlen so ein: „Mit Marktanteilen von über 30 Prozent ist der Dschungel immer noch die erfolgreichste Show im deutschen Fernsehen. Neben dem allgemeinen Quotenrückgang darf man nicht vergessen, dass jede Staffel ihre eigene Dynamik hat.“ Einen Teil des Rückgangs fängt das Internet auf: Im vergangenen Jahr verzeichneten die RTL-Portale rund 20 Millionen Abrufe zum Thema Dschungelcamp. (Gezählt werden nicht nur ganze Folgen, sondern auch kurze Clips.) Besser läuft es auf dem Schwestersender RTLplus . Mit bis zu 700000 Zuschauern ist der Dschungel-Talk „Die Stunde danach“ das reichweitenstärkste Format des Spartenkanals.

Das Dschungelcamp-Finale zeigt RTL am Samstag ab 22.15 Uhr.

Alle Berichte zum Dschungelcamp 2018 unter noz.de/dschungel

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„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ läuft 2018 in der zwölften Staffel. Als RTL das Dschungelcamp 2004 zum ersten Mal in Deutschland präsentierte, protestierten Tierschützer und Menschenrechtler gleichermaßen. Inzwischen ist das Format so etabliert, dass selbst konservative Medien täglich berichten, wenn RTL 16 Tage lang die Nöte von Promis im australischen Dschungel zusammenschneidet. 2011 war das Dschungelcamp für den Deutschen Fernsehpreis nominiert, 2013 sogar für den Grimme-Preis. RTL fährt mit der Event-Programmierung in täglicher Ausstrahlung regelmäßig gute Quoten ein: Mit bis zu 9,04 Millionen Zuschauern (Finalsendung des Jahres 2011) erreicht „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ Zahlen in der Größenordnung des „Tatort“ – und das, obwohl die Show in der Regel erst gegen 22.15 Uhr beginnt. Sechs Staffeln lang hat Sonja Zietlow das Dschungelcamp mit Dirk Bach moderiert; nach dessen Tod übernahm Daniel Hartwich im Jahr 2013 den Posten. Die Kandidaten der zwölften Staffel Schlagersängerin Tina York, „Bachelorette“-Kandidat David Friedrich, GNTM-Kandidatin Giuliana Farfalla, Reality-Sternchen Matthias Mangiapane, DSDS-Finalist Daniele Negroni, Schauspielerin Sandra Steffl, Sänger Sydney Youngblood, Katzenberger-Schwester Jenny Frankhauser, „Bachelor“-Kandidatin Kattia Vides, Model Tatjana Gsell, Society-Promi Natascha Ochsenknecht und der einstige VfL-Osnabrück-Kicker Ansgar Brinkmann.

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