Interview zum Amazon-Start Pastewka: Ich werde oft für Bastian Pastewka gehalten

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Berlin. Was ändert Amazon bei der Serie „Pastewka“? Welche Gaststars haben Bastian Pastewka einen Korb gegeben? Bei welchem Film weint er? Und ist „Star Wars“ besser als „Star Trek“? Zum Amazon-Start seiner achten „Pastewka“-Staffel stellt sich Bastian Pastewka dem schonungslosen Interview.

Bastian Pastewka wechselt mit seiner Comedy-Serie „Pastewka“ zu Amazon. Ab dem 26. Januar ist die achte Staffel beim Streamingdienst verfügbar. Im Interview erklärt Bastian Pastewka, was sich ändert und was nicht.

Herr Pastewka, ich hatte eigentlich große Lust mit Ihnen zu sprechen – bis ich in der ersten Folge von „Pastewka“ begriffen habe, wie schnell man selbst in Ihrer Sendung landet. Vom Medienjournalisten Thomas Lückerath bauen Sie sogar den Anrufbeantworter ein.

Es stimmt, bei uns können alle vorkommen – wenn sie denn wollen. Wir haben Herrn Lückerath gefragt, und er wollte. Aber haben Sie keine Sorge: Wenn Sie ablehnen, respektiere ich das natürlich. Wenn Sie mitmachen wollen, genügt ein Wort.

Sie ziehen mit „Pastewka“ von Sat.1 zu Amazon – und das im Wohnwagen. Das scheint zumindest einer ihrer Hauptdrehorte gewesen zu sein. Liegt das an Ihrer Naturverbundenheit? An Ihrer Liebe zu Dosenravioli?

Jeder weiß ja, wie leidenschaftlich gerne ich zelte, für mich bin, die Natur erspüre und einfach nur mit mir im Reinen bin – Schwachsinn, natürlich nicht. Wir erzählen in unserer achten Staffel die Midlife-Krise eines Komikers namens Bastian Pastewka, und dazu gehört, dass er sich von allem Irdischen lossagt. Deswegen fährt er mit dem Wohnmobil in die Welt, weg von der Freundin, weg von der Arbeit, weg von der Familie – die sind ja eh alle gegen ihn. Und wir sehen über viele schöne Folgen, wie er spektakulär scheitert.

Die Staffel ist auch sehr körperlich angelegt: Folge 1 zeigt Sie im Borat-Badeanzug, der Trailer verspricht weitere Nacktszenen.

Und jede davon ist scheußlich, aber es musste sein. Es ist die Staffel, in der die Hauptfigur sich häutet, und das geht nur, wenn man Haut zeigt. Außerdem sehe ich in Borats Badeanzug sehr, sehr gut aus, sagt meine Mutter.

Und sie hat Recht. Es waren also nicht die rauen Sitten des Streamingdienstes, die Sie entkleidet haben.

Nein, nein, es ist traurigerweise mein eigener Wunsch gewesen, mich mit nacktem Arsch zu präsentieren. Das war natürlich künstlerisch notwendig.

Das ist vermutlich auch ein Trick, um von Ihrem dicken Hals abzulenken, der in der Serie als Ihre große Problemzone gilt. Ist das eine Not, die Sie im wahren Leben auch umtreibt?

In der Serie leidet Bastian Pastewka unter seinem Schwabbelhals, im wirklichen Leben kann ich einigermaßen damit umgehen. Ich kann ja nichts dafür. Es ist einfach so, dass mein Kinn direkt in den Kehlkopf übergeht. Das hat die Natur so vorgesehen.

Gefällt Ihnen als neuem Amazon-Star das Konzept Streaming überhaupt? Man kann ja auch viel dagegen sagen: dass man seinen Freunden keine DVDs mehr ausleihen kann, dass man seine Lieblingsserie nur dann noch einmal sehen kann, wenn man immer noch Abonnent ist.

Schwer zu sagen. Wahrscheinlich hat die Welt größere Probleme, als sich zwischen DVD und Streamingdienst zu entscheiden. Aber ich glaube tatsächlich, dass beim Fernsehen gerade eine angenehm ungeordnete Zeit angebrochen ist. Wobei ich nur von Serien rede, nicht von Shows oder Nachrichtenmagazinen. Serien finden internationalen Zuspruch, und wenn man mich fragt, müssen sich die deutschen nicht verstecken. Von „Weißensee“ bis „Berlin Babylon“ sind wir auf einem guten Weg. Und je mehr Plattformen und Anbieter um die Publikumsgunst konkurrieren, desto spannender werden die Inhalte. Man muss sich auf den Hosenboden setzen, um das Publikum zu beeindrucken.

Wechselt den Wohnort: Bastian Pastewka zieht mit seiner Serie „Pastewka“ zu Amazon. Foto: Amazon Prime Video

Ist der internationale Zuspruch denn auch für „Pastewka“ interessant? Gibt es verschiedene Sprachfassungen?

Ich persönlich denke den chinesischen Markt natürlich immer mit, aber aus Sicherheitsgründen richten wir uns offiziell erstmal an Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seit wir bei Amazon sind, müssen wir allerdings englische Untertitel abliefern. Und, ganz neu, Riesen-Konzeptänderung: Neuerdings hat „Pastewka“ einen wunderschönen Abspann! Sat.1 hatte sich gewünscht, dass wir jede Episode mit einer orangefarbenen Tafel beenden, die zwei Sekunden im Bild steht – damit die nächste Sendung schnell anfangen kann.

Gibt es andere Sat.1-Missstände über die Sie nach dem Anbieterwechsel Ihr Herz ausschütten wollen?

Wir hätten „Pastewka“ bei keinem anderen Sender über sieben Staffeln laufen lassen können. Sat.1 hatte mit uns sehr, sehr viel Geduld und auch viel Spaß über die Jahre. Dann aber kam die große Sendeplatzreform: Aus dem Freitag der Sitcoms wurde ein Show-Tag, und da passten wir irgendwann nicht mehr ins Programmschema. Deswegen gucken wir jetzt in eine andere Richtung – und temperieren auch etwas anders, eben für den Zuschauer, der gerne Serien guckt: Wir bauen die Geschichten diesmal ein bisschen mehr aufeinander auf.

Kam Amazon auf Sie zu?

Die Macher von Amazon sind, was uns angenehm überrascht hat, beinharte Fans der Serie. Christoph Schneider, der Amazon-Chef Deutschland, kennt die Serie besser als wir. Wenn wir uns an Details der dritten Staffel nicht erinnern, fragen wir ihn. Die Abrufzahlen der ersten sieben Staffeln sind bei Amazon wohl sehr gut. Als Schneider deshalb fragte, wann es weitergeht, haben wir mit einer Gegenfrage geantwortet: Wie wär’s denn, zusammen weiterzumachen?

Ändert sich die Art der Zusammenarbeit beim Streamingdienst?

Die Kommunikation läuft tatsächlich ein bisschen anders, weil die zwischengeschaltete Redaktion nicht mehr da ist. Das war für mich aber nicht spielentscheidend. Mit unserem langjährigen Sat.1-Redakteur haben wir immer gut zusammengearbeitet.

„Pastewka“ wird als zweites deutsches Amazon-Original vermarktet. Hat Ihnen das erste, Matthias Schweighöfers „You Are Wanted“, gefallen?

Ich hab’s noch nicht gesehen.

(Alle Geheimnisse seiner Amazon-Serie verrät Matthias Schweighöfer hier im Interview)

Haben Sie Sorge, dass das mit „Pastewka“ auch vielen so gehen wird, wenn es nicht mehr im linearen Fernsehen läuft? Dass die Leute es nicht gucken?

Der Optimist in mir glaubt an den Erfolg. Aber was ich weiß: In den vergangenen sieben Staffeln hatten die Folgen mit Gastauftritten von Michael Kessler immer die höchsten Zuschauerzahlen. „Kessler kommt, die Quote steigt“, war unser Stammspruch. Jetzt, wo wir keine Quoten mehr haben, ist Kessler natürlich raus. Ich freue mich, dass er es dank Ihrer Mithilfe aus der Presse erfahren wird.

Haben Sie für die laufende Staffel Gaststars angefragt, die ihrerseits keine Lust auf „Pastewka“ hatten?

Es wäre unfein, Namen zu nennen, aber zwei gab es. Der eine hat mir klar gesagt, dass er meine Serie nicht mag. Respekt. Das ist Haltung! Der andere hatte Angst, dass er für die Serie als Komiker nicht stark genug ist. Und auch das finde ich gut. Ich habe selbst schon Angebote abgelehnt, weil es ganz einfach nicht meine Disziplin gewesen wäre.

Was war das für ein Format?

Improvisations-Comedy. Das ist nicht meine Welt.

War Quote für Sie je ein Argument?

Ich habe vor Jahren aufgehört, mich an diesen Zahlenspielen zu beteiligen. Weil ich gemerkt habe, dass ich mich als Zuschauer davon habe beeinflussen lassen. Serien mit geringer Quote fand ich plötzlich schwach, obwohl ich sie gar nicht gesehen hatte. Was ein Quatsch. Ich will doch ein Programm gut oder schlecht finden, unabhängig davon, was die Mehrheit denkt.

Klausjürgen Wussow wurde während seiner Jahre in der „Schwarzwaldklinik“ oft um medizinischen Rat gebeten, weil er für einen Arzt gehalten wurde.

Stimmt. Und mein Problem ist: Ich werde sehr oft für Bastian Pastewka gehalten. Bitte schreiben Sie das. Das ist schon jetzt mein Lieblingssatz dieses Interviews.

Ist es nicht wirklich riskant, sich unter dem eigenen Namen zur Kunstfigur zu machen?

Mich schützt, dass ich ein Komiker bin. Und Komiker haben nicht so eine universelle Aufmerksamkeit wie ein Arzt. Weil ich sowieso nie ernst genommen werde, fragt mich auch niemand nach lebensentscheidenden Dingen. Ausgenommen die Frage: Wie werde ich Komiker? Und mit solchen Leuten komme ich sehr schnell in ein fruchtbares Gespräch. Es ist ein Traumberuf, da helfe ich gern, wo ich kann. Manchmal werde ich auch nur gefragt, was gerade die beste Serie ist.

Was empfehlen Sie da?

Manchmal nur zum Spaß das Falsche. Einmal hat mir ein Passant auf so furchteinflößende Weise seine Liebe zu den herumspritzenden Hirnen von „The Walking Dead“ gestanden, dass ich ihm zum Runterkommen „Downton Abbey“ empfohlen habe. Ich frage mich, wie viele Staffeln er durchgehalten hat, bis er gemerkt hat, dass keine Zombies mehr kommen.

Apropos Zombies. Ungewöhnlich viele Schauspieler bei „The Walking Dead“ haben eine Comedy-Vergangenheit. Wäre so ein Wechsel auch für Sie denkbar?

Wahnsinnig gerne. Sofort. Egal in welcher Serie. Wer mich als Leiche buchen will, hat meine Zusage.

War Ihre ZDF-Serie „Morgen hör ich auf“ ein Schritt ins ernste Rollenfach?

Es war zwar eine dramatische Serie, aber sie hatte viele skurrile Momente. Und das interessierte mich. Ich hatte aber nicht den Plan, den Leuten endlich mal eine sogenannte andere Seite von mir zu zeigen. Wenn man sich das extra vornimmt, wird es sowieso anstrengend.

(„Morgen hör ich auf“: Alles über Pastewkas ZDF-Format)

In dem YouTube-Format „Film-Check“ empfehlen Sie „Toy Story 3“ als einen der besten Filme für uninspirierte Drehbuch-Autoren. Welche Rolle spielen Inspiration oder, na ja, das diskrete Klauen guter Ideen für Sie?

Grundsätzlich glaube ich, dass man von humoristischen Schauspielern – und übrigens auch von animierten Figuren – unheimlich viel lernen kann. Über Timing, über Genauigkeit, über Blicke und Reaktionen. Ich spreche zum Beispiel die Giraffe Melman bei „Madagascar“ und sehe, wie toll die Figur animiert ist.

Und was macht „Toy Story 3“ so gut?

Schon die Eröffnungsszene hat mich gekriegt: Da werden alle Spielzeugfiguren von Kinderarmen durch die Luft bewegt, ob sie zusammenpassen oder nicht. Und das wird so visualisiert, als würden die Figuren alles, was die Kinder sich nur ausdenken, wirklich erleben. Außerdem hat der Film mit seinem aussortierten Teddybären einen sehr, sehr guten Schurken, der mich wirklich überrascht hat. Und dazu kommt ein wunderbar emotionales Ende, als das ganze Spielzeug von dem geliebten Andy an ein kleines Mädchen übergeht, dass die Figuren noch viel mehr liebt als ihr Vorbesitzer. Da fragte ich mich, warum ich bei einem Trickfilm flennen muss.

Was mich bei Ihrem Film-Check beeindruckt, ist das exzellente Gedächtnis, mit dem Sie über alte Filme sprechen.

Danke. Aber da möchte ich tieferstapeln: In dem Beitrag rede ich vor allem über Filme, die mich in meiner Jugend beeindruckt haben. Da sitzt die Erinnerung tief. Bei aktuellen Produktionen schwächel ich. „Ziemlich beste Freunde“ war einer der letzten Filme, die ich gesehen habe.

Ihr Fernseh-Pastewka vermeidet das Internet, weil er Angst vor Spoilern zu seinen Lieblingsserien hat. Beschäftigt Sie das auch so intensiv?

In der Regel kann mich keiner spoilern, weil ich immer alles vor allen anderen sehe. In der letzten Zeit werde ich in Interviews immer gefragt, wo der Lagerfeuer-Effekt des Fernsehens geblieben ist. Die Zeit, als ganz Deutschland sich vor „Wetten, dass ..?“ versammelte. Meine Antwort ist der Serien-Hype. Die Leute interessieren sich ohne Ende dafür, sie lesen die Zusammenfassungen von Serienfolgen im Netz, sie gucken stundenlang am Stück, um schneller fertig zu sein als die anderen. Die rätselhafte Rückkehr von Jon Schnee bei „Game of Thrones“ ist Tagesgespräch. Serien sind das Lagerfeuer des Jahres 2018.

Das Kino geht mit den Marvel-Filmen oder dem forcierten „Star Wars“-Output auch zum seriellen Erzählen über. Gewinnt Sie das für die große Leinwand?

Ich fühle mich „Star Trek“ näher als „Star Wars“, und selbst bei der Enterprise sind mir die Serien wichtiger. Grundsätzlich habe ich keine Einwände gegen Filmreihen im Kino. Man muss ja nur an „Der Pate“ denken. Oder an die acht Teile von „Police Academy“, die ja auch sehr feinsinnig aufeinander aufbauten.


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