Frei nach Prahl und Liefers Tatort-Regisseur nennt seine Katzen Axel und Jan Josef



Osnabrück. Tatort-Regisseur Kaspar Heidelbach hat seine beiden Katzen nach den Münsteraner Quotenkönigen Axel Prahl und Jan Josef Liefers benannt. Die Tiere danken es ihm durch ein Verhalten entsprechend der Charaktere, wie der 63-Jährige im Interview mit unserer Redaktion berichtet.

Doch Heidelbach steht nicht nur für den Münster-Tatort, sondern auch und vor allem für den Kölner. Dessen erste Folge „Willkommen in Köln“ (Erstausstrahlung am 5. Oktober 1997) hatte er ebenso gedreht wie den aktuellen Fall „Bausünden“, den die ARD am Sonntag, 21. Januar 2018, ausstrahlt, und mit dem er quasi nachträglich das 20-jährige Jubiläum des Kölner Teams Ballauf & Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) feiert.

Herr Heidelbach, kann man den Kölner Tatort als Ihr Baby bezeichnen?

Ja, das finde ich schon. Wenn man etwas Neues anfängt, setzt man ja bestimmte Marken und Maßstäbe: Erzählweise, Kostüme, Ausstattung – das sind alles Duftmarken, die mehr oder minder 20 Jahre gehalten haben. Meine Tatort-Taufe waren die Kölner aber nicht – ich hatte ja 1991 schon den ersten Düsseldorfer Tatort mit Martin Lüttge, Roswitha Schreiner und Klaus Behrendt gedreht.

Wie passten die beiden Kommissare damals in den Tatort?

Bis Schimanski kam, wurde mit Tatort-Kommissaren ja vor allem deutsches Beamtentum abgebildet. Ballauf und Schenk waren da schon andere Typen. Mittlerweile sind sie natürlich nicht mehr die jungen Springinsfelde, sondern ein bisschen ruhiger geworden. Deswegen gibt’s auch nur noch wenig Verfolgungsjagden zu Fuß – das hat sich der Klaus verdient, er musste früher ja unheimlich viel laufen (lacht).

Das Privatleben der Kommissare…

Die beiden sind ja selbst ein altes Ehepaar (lacht). Frau Schenk gibt’s nur im Off, daran haben wir eisern festgehalten. Und wenn Ballauf Interesse an einer Frau hat, ist die meistens relativ schnell tot.

Haben die Kommissare ein Verfallsdatum?

Zehn Jahre sehen wir sie wohl nicht mehr, aber fünf Jahre sehe ich mit Sicherheit noch. Sie sind ja nach wie vor sehr beliebt und erfolgreich. Das steigert sich gerade sogar wieder, eben weil sie eher das alte Tatort-Schema bedienen und der Kölner Tatort zu 95 Prozent ein klassischer Ermittlerkrimi ist.

Welche Veränderung hat Ihnen nicht gefallen?

Am Anfang trug Freddy Schenk immer Schlangenlederstiefel, die sind irgendwann einfach verschwunden. Dietmar wollte bequemere Schuhe haben, aber nachher wurden er und ich von vielen Leuten gefragt, was denn aus den Schlangenlederstiefeln geworden sei.

Geblieben sind dagegen die dicken Schlitten, mit denen Freddy Schenk am Tatort aufkreuzt.

Wir hatten damals recherchiert, dass SEK- und Undercover-Ermittler beschlagnahmte Autos fahren können. Dass Schenk dann immer so schöne alte Autos fuhr, lag natürlich an mir (lacht). Ich bin – vorsichtig gesagt – ziemlich auto- und motorradaffin. Hier in Köln gab es früher eine Polizei-Werkstatt, da habe ich mehrere schöne Autos für Schenk gefunden. Und natürlich war klar, dass ich sie erst mal probefahren musste, bevor Schenk sie bekam.

Im Kölner Tatort wurde auch mal geraucht.

Ja, und heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass die beiden damals im Tatort geraucht haben – Klaus Zigaretten und Dietmar Zigarre. Heute geht so was ja nicht mehr, aber ich rauche immer noch (lacht). Rauch ist ja auch ein Stilmittel, da fängt sich das Licht viel besser.

Welches ist rückblickend Ihr liebster Kölner Tatort?

„Bestien“ mit Armin Rohde von 2001. Damals hat’s Ärger gegeben, weil die Kommissare am Ende die Mörderin durch die Vernichtung eines Beweisstückes zur Totschlägerin machten. In meinen Augen war sie genug gestraft, weil sie ja ihre Tochter verloren hatte. Aber aus diesem Grund wurde „Bestien“ lange nicht wiederholt. Dabei hatten auch die Münchner Kommissare in „Frau Bu lacht“ eine Mörderin in den Flieger nach Thailand gesetzt. Da wurde wohl mit zweierlei Maß gemessen.

Klassischer als den aktuellen Fall „Bausünden“ kann man einen Kölner Tatort kaum bauen – am Anfang gibt’s einen Schwenk über die Hohenzollernbrücke zum Dom und am Ende die Kommissare an der Wurstbraterei am Rhein.

Ich bin halt Überzeugungs-Kölner und versuche auch immer, Perspektiven reinzubringen, die andere nicht so kennen.

Zum Beispiel die Wurstbraterei auf der falschen Rheinseite.

Ja, aber es ist das bessere Bild, denn der Dom ist mit drauf. Wenn ich sie auf die andere Seite des Rheins gestellt hätte, dann hätten wir mittlerweile ständig die RTL-Zentrale im Bild (lacht).

In „Bausünden“ haben Sie selbst einen kleinen Auftritt – als Hundebesitzer, dessen Bulldogge „Hilde“ die Leiche findet. Ihr eigener Hund ist es aber nicht…

Nein, ich habe keinen Hund, sondern zwei Katzen. Die heißen Axel und Jan Josef, weil Prahl und Liefers ihre Patenonkel sind. Als ich die beiden vor ein paar Jahren von meiner Frau geschenkt bekam, habe ich gerade mit den beiden gedreht – und da haben sie eben die Patenschaft übernommen. Die Katzen sind übrigens genauso wie ihre Patenonkel: Axel ist der dickere, blonde, leicht begriffsstutzige – und Jan Josef ist der der schmale, dunkle mit dem Seidenfell, der dem Dicken manchmal auflauert und ihm eine feuert (lacht).

Warum haben Sie die Rolle selbst gespielt?

So kleine Rollen sind manchmal sehr schwer zu besetzen. Wenn ich es dann mal selbst mache, was selten vorkommt, hat das ganze Team seinen Spaß daran. Wenn ich selbst „Bitte“ sage und dann anfange zu sprechen, lachen die sich kaputt.

Wie erklären Sie sich den anhaltenden Erfolg alter Tatort-Teams wie in Köln und München?

Für die Zuschauer ist ja eine schier unüberschaubare Zahl an Kommissaren dazugekommen. Vielleicht gucken sie sich ja deshalb lieber diejenigen an, die sie kennen. Die ersten Folgen mit Til Schweiger waren ein Sensationserfolg, aber dann hat’s auch wieder ziemlich nachgelassen.

Nachgelassen hat das Publikumsinteresse insgesamt – 2017 hatte der Tatort so wenig Zuschauer wie seit sechs Jahren nicht.

Und trotzdem ist der Tatort das letzte Lagefeuer im deutschen Fernsehen, an dem auch viele junge Leute sitzen. Ich kenne allein in Köln zehn Kneipen, in denen gemeinschaftlich Tatort geguckt wird. Aber es kann ja nicht immer weiter nach oben gehen mit den Zuschauerzahlen. Das ist wie in der Autoindustrie – die kann auch nicht immer noch mehr und noch mehr und noch mehr Autos verkaufen. Wenn man schon enttäuscht ist, dass ein Tatort mal weniger als zehn Millionen Zuschauer hatte, sagt das doch einiges.


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