Verstärkung für Friesland-Krimis „Wilsberg“-Erfinder Jürgen Kehrer erweitert sein Revier

Von Harald Keller

Von Münster an die Küste: Jürgen Kehrer schrieb das Drehbuch für den neuen Friesland-Krimi. Foto: imago/teutopressVon Münster an die Küste: Jürgen Kehrer schrieb das Drehbuch für den neuen Friesland-Krimi. Foto: imago/teutopress

Münster. Des Erfolges wegen zeigt das ZDF künftig zwei Folgen der Krimireihe „Friesland“ pro Jahr. Zum Auftakt gibt es einen Neuzugang im Ermittlerteam. Entworfen wurde die Figur von Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer, dem „Vater“ des münsterischen Kult-Detektivs Wilsberg.

Wenn in Fernsehen oder Kino die Verfilmung eines populären Romans startet, fällt ganz sicher irgendwo der Satz: „Das Buch ist aber ganz anders.“ Jürgen Kehrer kennt eine andere Variante. „Sie sind ja gar nicht der Wilsberg“, bekommt er zuweilen bei Lesungen von verstimmten Besuchern zu hören. Nein, Jürgen Kehrer ist nicht Wilsberg. Auch nicht der Schauspieler, der den unwirschen münscherischen Privatdetektiv in einer erfolgreichen ZDF-Reihe verkörpert. Aber Kehrer hat ihn erfunden.

Kehrer kommt vom Journalismus, 1990 erschien sein erster Wilsberg-Krimi „Und die Toten lässt man ruhen“. Münsters bunte und vielfältige Milieus liefern ihm und seiner Frau Sandra Lüpkes, mit der er seit einigen Jahren auch beruflich liiert ist, bis heute Inspirationen und Material für Kriminalgeschichten. Inzwischen seltener für Romane – der letzte erschien 2015 –, sondern vor allem für Drehbücher.

1995 gab es den ersten „Wilsberg“-Fernsehfilm, damals noch mit Joachim Król in der Hauptrolle. Das Drehbuch stammte nicht, wie verschiedentlich falsch verzeichnet, von Jürgen Kehrer, sondern von Dorothea Neukirchen. Kehrer sammelte anderweitig erste Erfahrungen mit der filmischen Form. Er schrieb für die ARD-Polizeiserie „Einsatz für Lohbeck“. „Damals wurden beim Fernsehen Krimiautoren noch gesucht“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das ist heute anders.“

Der nächste „Wilsberg“-Film ließ drei Jahre auf sich warten, unter anderem, weil nach Joachim Króls Abschied ein neuer Hauptdarsteller gefunden werden musste. Die Wahl fiel auf Leonard Lansink. „Er ist der Wilsberg“, sagte der zuständige Redakteur Martin R. Neumann in einem älteren Interview, und so sehen das auch die Zuschauer. Mit dem bizarren Resultat, dass der Schauspieler Lansink völlig mit der Kunstfigur identifiziert wird. „In Münster kennt kaum jemand seinen wirklichen Namen“, berichtet Jürgen Kehrer amüsiert.

Der Drehbuchautor Kehrer hat sich Lansinks Interpretation der Hauptfigur zu eigen gemacht. Zur „Wilsberg“-Reihe stieß Kehrer zunächst als Koautor, 2001 schrieb er erstmals ein Originaldrehbuch.

Mehmet ersetzt Lukas: Maxim Mehmet ist der neue Polizist an der Seite von Sophie Dal. Foto: Willi Weber/ZDF

Aber Kehrer möchte nicht auf Wilsberg festgelegt werden, hat Krimis mit anderen Figuren und Sachbücher geschrieben. Auch bei der Entwicklung von Fernsehstoffen zieht es ihn und Partnerin Sandra Lüpkes zu neuen Ufern. Erstmals hat das Autorengespann ein Skript für die Reihe „Friesland“ verfasst. Wie „Wilsberg“ lebt „Friesland“ als Regionalkrimi vom politischen und gesellschaftlichen Lokalkolorit und vom örtlichen Brauchtum. Bei der Episode „Der blaue Jan“ stellte sich Kehrer und Lüpkes eine unerwartete Aufgabe – während der Arbeit am Skript wurde bekannt, dass Florian Lukas, vordem neben Sophie Dal Hauptdarsteller der Reihe, seine Mitwirkung aus Termingründen beenden würde. Nachfolger wurde Maxim Mehmet, für den eine neue Rolle geschaffen werden musste. Henk Cassens heißt dieser Ermittler, der weltläufiger und tatkräftiger in Erscheinung tritt als sein Vorgänger und sich die Freundschaft seiner Kollegin Süher Özlügül erst noch verdienen muss. Kommissar Brockhorst, der sich wunderbar über die provinzielle Polizeiarbeit und die Leeraner Lebensart aufregen kann, ist wieder ein bisschen ruppiger geworden. „Ich mag an ihm“, sagt Kehrer, „dass er so ein fieser Typ ist, der sich nicht scheut, auch mal richtig gemein zu sein.“ Brockhorsts Grobheiten werden von der geschäftigen Apothekerin Insa Scherzinger wettgemacht, die als ortskundige Hobby-Forensikerin immer als erste am Verbrechensschauplatz zugange ist und die Profis zur Weißglut treiben kann. Selten aber sah man Charme und Kompetenz so traut vereint. Insa wird auch in dieser Folge wieder in vielen Dingen recht behalten.


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