Heute Abend im ARD-Programm Tatort „Die Faust“ aus Wien: Fängt stark an, lässt stark nach

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Der Tatort kommt heute Abend aus Wien. „Die Faust“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser fängt stark an – und lässt stark nach.

Herausforderung – Effizienzsteigerung – Must have – Neue Technologien – Synergien – Beste Köpfe – Neue Wege – Neue Gefahren – Zukunftsfit. Der Wiener Sektions-Polizeichef Ernst „Ernstl“ Rauter hält seine jährliche Rede vor den Untergebenen und sein Oberstleutnant Eisner (Harald Krassnitzer) hakt leise feixend auf einem Zettel die von ihm erwarteten Phrasen ab, die dann tatsächlich fallen. Wenig später bedenkt Bibi Fellner (Adele Neuhauser) den Bewerber für die Leitung eines neuen Kommissariats mit den wenig schmeichelhaften, aber durchaus zutreffenden Worten: „Er erfüllt alle Kriterien von einer Polizeikarriere: Keine Ahnung, keine Skrupel, keine Titten.“ (So war der letzte Tatort aus Wien)

Amüsanter Auftakt zum jüngsten Wiener Tatort, der allerdings nicht nur mit einer ordentlichen Portion Schmäh, sondern auch mit einigen Grausamkeiten aufwartet. Das erste Opfer ist an eine Wand genagelt – und der Serbe soll nicht der letzte sein, den ein Täter mit ausgeprägter Neigung zu Leichenschändung und ritueller Inszenierung ins Jenseits befördert. Auffällig ist dabei, dass er seine Opfer stets an Orten zur Schau stellt, an denen reger Publikumsverkehr das Auffinden verwertbarer DNA-Spuren unmöglich macht.

„Grunzel-Krimi“

Gruseln und schmunzeln liegen in der ersten Hälfte nah beieinander, „Die Faust“ wird quasi zu einem „Grunzel-Krimi“. Der sich dann aber selbst ausbremst. Irgendwann wird es immer wirrer, es geht um serbische, georgische, ukrainische Revolution, um russischen Geheimdienst und CIA. Und um die Rolle Wiens, wo schon immer an den ganz großen Rädern gedreht wurde.

Nach einer Stunde verlagert sich die Handlung zunehmend in Büros und Kantinen, beginnt eine Phase langatmiger Erklärungen und Dialoge, die ihr Ziel dennoch verfehlen. Denn es wird immer komplizierter, je länger dieser Tatort läuft. Wer sich eine Pinkelpause gönnt, verpasst mit hoher Wahrscheinlichkeit den Anschluss. Und bekommt nur noch mit, wie der eingangs so amüsante Schmäh zum Schmähchen verkommt. Schade.

Sie haben sich wieder lieb

Drehbuchautor Mischa Zickler und Regisseur Christopher Schier muten ihrem Publikum so einiges zu – und am Ende wird vermutlich manch ein Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes verständnislos abwinken. Wobei Schier mit seinem zweiten Wiener Tatort durchaus ein Händchen für die Hauptfiguren Eisner und Fellner beweist. Hatte er bei seinem Debüt „Wehrlos“ die beiden noch aufs Heftigste aneinandergeraten lassen, so spüren die Zuschauer diesmal die tiefe Zuneigung der beiden füreinander. Auch wenn sie vor allem für Eisner offenbar vollkommen unaussprechbar ist. (Der große Streit im Tatort „Wehrlos“)

Als komplett überflüssig erweist sich hingegen der anfangs gelegte Nebenstrang mit dem neuen Kommissariat, dessen Leitung auch Fellner reizt – und sei es nur, um zu beweisen, dass sich auch Frauen als Führungskraft eignen. Außer dem eingangs erwähnten garstigen Spruch in Richtung ihres Mitbewerbers bleibt am Ende nichts davon übrig. (So war der Tatort am letzten Sonntag)

Tatort: Die Faust. Das Erste, Sonntag, 14. Januar 2018, 20.15 Uhr.

Wertung: 3 von 6 Sternen


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