TV-Programm am Mittwoch Witzig: ARD-Komödie „Herrgott für Anfänger“

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Für die Liebe tut er alles: Der ungläubige Musa (Deniz Cooper, Mitte) lässt sich in einer Moschee in die islamischen Gepflogenheiten einführen. Foto: BR/Lotus-Film/ORF/Petro DomeniggFür die Liebe tut er alles: Der ungläubige Musa (Deniz Cooper, Mitte) lässt sich in einer Moschee in die islamischen Gepflogenheiten einführen. Foto: BR/Lotus-Film/ORF/Petro Domenigg

Osnabrück. Wienerisch witzig ist die multireligiöse Komödie „Herrgott für Anfänger“ mit Deniz Cooper am Mittwoch, 10. Januar 2018 um 20.15 Uhr in der ARD

„Ich bin ein türkischer Wiener – oder ein Wiener Türke“, so stellt sich Hauptperson und Ich-Erzähler Musa ( Deniz Cooper) gleich zu Beginn des Films vor. Keine Frage also: Die Komödie, die für die ORF-Reihe „Stadtkomödie“ produziert und dort am 30. Dezember erstmals ausgestrahlt wurde, ist erkennbar österreichisch. Aber keine Sorge: Sie ist auch für alle Zuschauer diesseits des Weißwurstäquators zu verstehen – sowohl sprachlich wie inhaltlich. Vielleicht deshalb, weil die meisten Darsteller nur gebrochen Wienerisch sprechen, schließlich dreht es sich in dem Film mehr um multikulti als um Sachertorte.

 

Vielleicht auch typisch österreichisch: Niemand nimmt hier ein Blatt vor den Mund. Die Dialoge sind oft frech und politisch unkorrekt. Manchmal sind sie sogar platt, aber komischerweise nimmt man ihnen das nicht übel. Sie passen in die zweifellos ziemlich abstruse Story. In der es zu allem Unglück auch noch um Religion geht – katholisch und muslimisch –, und trotzdem wird nichts und niemand bloßgestellt oder lächerlich gemacht – naja, bis auf den Verfassungsschutz vielleicht, der kommt wirklich ziemlich schlecht weg.

„Es tut ihr gut, einen Türken niederzumachen“

Und das darum geht es: Der 33-jährige Musa ist Taxifahrer – und Lebemann. Gern schleppt er hübsche Kundinnen ab, Vergnügen ist sein höchstes Gebot. Auch wenn sein Freund Yussuf (Tim Seyfi), „der jüngste Imam Wiens“, glattrasiert und mit leicht österreichischem Akzent, ihn von seinem leichten Leben abbringen will. Aber Moral oder Verantwortung – das ist nichts für den großen Jungen Musa. Und Religion schon gar nicht. „Ich hab nichts mit organisierter Religion am Hut“, sagt Musa. „Aber ich hab auch nichts gegen religiöse Leute, solange sie nicht mit Bomben schmeißen oder kleine Buben betatschen.“ Muslimisch und katholisch, wie gesagt.

 

Beides trifft sich auch in Musas Taxi in Gestalt der alten Frau Weininger (Erni Mangold), die Musa regelmäßig zur Therapie fährt. Im Hauptberuf gehört der Weiningerin das Lokal „Die Reblaus“ samt dazugehörigem Weinberg. Im Nebenberuf ist sie Islamhasserin, was sie besonders gern an Musa auslebt. „Es tut ihr gut, zweimal die Woche einen Türken niederzumachen“, seufzt Musa und lässt ihre Bemerkungen friedlich über sich ergehen: „Ein Kollege von Ihnen hat sich in die Luft gespengt“, sagt sie, während sie in der Zeitung blättert. „Taxler?“ – „Naa, IS-ler“.

Religiös wegen Liebe und Geld

So ginge Musas Leben dahin, wenn nicht zwei Dinge passierten, die alles durcheinanderbringen. Das Erste: Musa verliebt sich. Auf den ersten Blick und unsterblich. In Ayse (Zeynep Bozbay), die Tochter seines Chefs. Der türkische Taxiunternehmer ist geschäftlich kurz vor der Pleite und religiös ein frommer Muslim. Musa weiß: Er gibt seine Tochter niemals einem ungläubigen Hallodri wie ihm. „Und so ließ ich Allah in mein Leben, damit meine große Liebe eine Chance hätte“, sprich: Musa lässt sich die Grundlagen des Islams erklären, geht in die Moschee, betet, lernt Arabisch und Türkisch und tut alles, um ein akzeptabler Schwiegersohn zu werden.

Das Zweite: Die alte Frau Weininger stirbt. Das wäre zwar traurig, aber nicht weiter bemerkenswert, wenn sie Musa nicht ihr Lokal „Die Reblaus“ vererbt hätte. Unter einer Bedingung: In einem Jahr muss Musa getaufter Christ sein. „Ich bin mal gespannt, wie ernst ihm die Religion wirklich ist – welche auch immer“, so sagt es ihr letzter Wille. Musa hingegen ist weniger die Religion wichtig als das versprochene Erbe, und so wendet er sich an den Ortspfarrer Vater Benedikt, um katholisch zu werden. Misstrauisch beäugt von Miri (Katharina Strasser), der langjährigen Kellnerin der Weiningerin, die sich als rechtmäßige Erbin des Lokals betrachtet.

 

Ein türkischer Wiener ohne religiöse Überzeugung, der der Liebe wegen Muslim und der Erbschaft wegen katholisch werden will. Skurril. Absurd. Und dennoch herzerfrischend. Denn Musa geht mit viel gutem Willen an seine fromme Lehrzeit. Er besucht freitags die Moschee und sonntags die Kirche. Liest Koran und Bibel. Begleitet den netten, aber naiven Vater Benedikt. Spielt mit Kommunionkindern. Und bringt schon mal die Gesten, Gebete und Symbole durcheinander. Ist ja auch viel Neues und viel Fremdes. Und das im Doppelpack.

Warmherzig, lustig, absurd

Ja, die Klischees lassen oft grüßen. Aber Autor und Regisseur Sascha Bigler – übrigens Sohn der Österreicherin Christiane Hörbiger – hat sie so warmherzig verpackt, dass man lachen kann. Über die eigene Religion oder die fremde. Und darüber, wie ähnlich manches ist. Ja, manches ist auch übertrieben absurd. Die Szenen mit dem Verfassungsschutz zum Beispiel. Oder das Ende. Aber auch darüber kann man lächelnd hinwegsehen. Und sich wünschen, dass 2018 auch die „Profis der Religionen“ so friedlich und so menschenliebend zusammenleben wie in „Herrgott für Anfänger“. Mittwoch, 10. Januar 2018, um 20.15 Uhr im Ersten.


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