Ziemlich beste Freunde Der viel diskutierte Film „The Interview“

Von Frank Jürgens | 04.02.2015, 20:06 Uhr

Amerikanische Medienprofis sind dumm und Kim Jong-un wirkt beinahe wie ein ziemlich bester Freund. Was hat Nordkorea nur gegen den Film „The Interview“?

Osnabrück. Eminem ist schwul! Dave Skylark (James Franco), Moderator der Talkshow „Skylark Tonight“, kann es gar nicht fassen, was der Skandalrapper da im Interview gerade beiläufig erwähnt hat. Und nun auch noch wiederholt! Sind all seine homophoben Texte aus der Vergangenheit vielleicht falsch verstanden worden?

Während Produzent Aaron Rapaport (Seth Rogen) und Skylark auf diesen Medien-Scoop und die tausendste Sendung anstoßen, rollt schon die nächste faustdicke Überraschung auf das Duo zu. Kein Geringerer als der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un (Randall Park) outet sich als größter Fan von Skylark und lädt den Moderator mit dem Produzenten zu einem Exklusiv-Interview nach Pjöngjang ein.

Da wittert natürlich auch die CIA Morgenluft und bläst zum Attentat auf den verrückten Diktator, dessen Raketen Atomsprengköpfe neuerdings bis an die Westküste der USA tragen können. In Windeseile werden Skylark und Rapaport für ihren Geheimauftrag instruiert. Allerdings hat niemand mit dem Charme des kleinen Diktators und Skylarks Einfalt gerechnet...

Eigentlich ist es vollkommen unverständlich, warum Nordkorea so allergisch auf den übermütigen Film „The Interview“ von Evan Goldberg und Seth Rogen reagiert und sogar die Berlinale vor einer Aufführung warnt – obwohl der Film dort gar nicht zum offiziellen Festivalprogramm gehört.

Die zweite Regiearbeit von Goldberg und Rogen glänzt schließlich insbesondere als im besten Sinne kindlich-anarchische Satire auf die idiotisierte, zynische, sensationslüsterne und auf Oberflächlichkeiten fixierte Medienbranche made in USA. Das müssten die nordkoreanischen Machthaber doch eigentlich goutieren.

So kann Moderator Skylark Stalin nicht von Stalone unterscheiden. Enthüllungen wie eine angebliche Glatze von Rob Lowe überflügeln jede noch so ernsthafte Nachricht. Und gedacht wird hauptsächlich mit dem Unterleib.

Da verwundert es dann auch nicht, dass die vermeintlich knallharten Medienprofis der simplen nordkoreanischen Propaganda mit ihren plumpen Potemkinschen Dörfern zunächst komplett auf den Leim gehen. Zwischen Skylark und Kim erblüht sogar eine wunderbare Freundschaft. Panzerfahrten inklusive. Zwei große Kinder haben Spaß. Und Skylark mag seinen nun ziemlich besten Freund gar nicht mehr abmurksen. Wobei wir uns an dieser Stelle endgültig die Antwort auf die hundsföttische Frage verkneifen, wo die Grenzen von Satire zu verorten sind. Und erst recht darauf, was eine gute von einer schlechten Satire unterscheidet. So etwas entscheidet sich im Endeffekt sowieso stets zwischen Auge, Ohr und Hirn des Betrachters.

Letztendlich überzeugt auch „The Interview“, wie nahezu alles aus der losen Filmclique um Seth Rogen, auf mehreren Ebenen. In dieser übermütigen Mischung aus Mediensatire und Agentenfilmparodie steckt hinter ihrem oberflächlichen Brachialklamauk erneut ein sehr böser, doppelbödiger und treffender Witz mit anspielungsreichem Hintersinn. Hier haben allenfalls „Herr der Ringe“-Fans das Recht, angesichts einiger grob spöttischer Vergleiche beleidigt zu schmollen.

The Interview. USA 2014. R.: Evan Goldberg, Seth Rogen. D.: James Franco, Seth Rogen, Randall Park, Diana Bang, Eminem. Laufzeit:112 Minuten. FSK: ab 12. Cinestar, Filmpassage.