Woody Allen wird 80 Was sind Woody Allens beste Filme?

Von Daniel Benedict | 01.12.2015, 06:00 Uhr

An Woody Allen kommt niemand vorbei: Hier empfehlen wir unsere persönlichen Lieblingsfilme von Woody Allen.

Gottes bizarrer Humor: „Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“

 Von Ralf Döring 

Natürlich trägt Woody Allen auch im Russland des ausgehenden 18. Jahrhunderts seine Hornbrille. Denn als Titelheld in „Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“ stellt er Allens existenzielle Fragen: Was kommt nach dem Tod, was ist Moral, wie kriege ich die attraktive Cousine rum? In dieser brillanten Komödie aus dem Jahr 1975 liefern die napoleonischen Russlandfeldzüge die Hintergrundfolie für Allens Themen. Wie einst als Stand-up-Comedian spricht er sein Publikum direkt an, mit Slapstick witzelt er sich durch Krieg und Unbill. Mit Kellnerballett, Cheerleadern und Imbissverkäufern auf dem Schlachtfeld driftet er ins Surreale, und nach seiner Exekution spaziert er mit dem Tod ins Jenseits. Zwar hatte ihm eine Erscheinung die Begnadigung versprochen – doch wenn es für Woody Allen einen Gott gibt, dann pflegt der einen bizarren Humor. Tatsächlich sind die Texte oft lohnender als die bekannten Filmstills und Plakatmotive. (Woody Allen wird 80: Wie viel Biografie steckt in seinen Filmen?) 

Stadtneurotiker im Punkkonzert: „Hannah und ihre Schwestern“

 Von Tobias Sunderdiek 

Gegensätze ziehen sich an. Zumindest in „Hannah und ihre Schwestern“, einer verschachtelten Familiengeschichte, in der „Mr. Manhattan“ Woody Allen „sein“ New York von seiner schönsten Seite präsentiert, sich aber auch ausgerechnet als Jazz-liebender Stadtneurotiker in Dianne Wiest verliebt.

Und die schleppt ihn – oh Graus! – auf Punkkonzerte, auf denen sich Woody Allen so sehr amüsiert „wie bei den Nürnberger Prozessen“. Der intellektuelle Ostküstenhumor des Films blieb indes auch in Hollywood nicht unbeachtet. Drei Oscars erhielt der Film.

Doch Allen zog es vor, in der Oscar-Nacht zu Hause zu bleiben und in einem Jazz-Club Klarinette zu spielen. Er hat schließlich keine seiner vielen Auszeichnungen persönlich entgegengenommen. Manchmal bleiben Gegensätze eben auch bestehen. Und das ist gut so. (Was taugt der neue Woody-Allen-Bildband von Tom Shone?) 

Glücksprinz in der Sinnkrise: „Midnight in Paris“

 Von Stefan Lüddemann 

Der Glücksprinz weiß nicht weiter. Drehbuchautor Gil fremdelt mit Job, Verlobter, seinem Leben. Er will woanders hin, weiß das aber noch nicht. Zum Glück ist er in Paris, der hinreißendsten Stadt der Welt. Paris hilft ihm – als Verlockung zum Glück. Aus der Kapitale an der Seine macht Woody Allen in „Midnight in Paris“ ein zweites New York. Die Stadt ist Bühne, Resonanzraum, Katalysator des Lebens. Und Tor für nächtliche Reisen in zauberhafte Vergangenheiten. Gil kostet sie aus, trifft Pablo Picasso und Ernest Hemingway, Josephine Baker und Cole Porter – und entscheidet sich am Ende für seine Gegenwart. Ein Woody-Allen-Film, in dem der Held auf Kurs kommt: Nicht nur das macht „Midnight in Paris“ zur Besonderheit. Der Streifen feiert mit der Welthauptstadt der Träume die inspirierende Kraft der Fantasie. Paris, ein Fest fürs Leben. Grandios.

Killer widerlegt Künstle: „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“

 Von Daniel Bendict 

Als 2005 „Match Point“ anlief, war der Jubel groß: Woody Allen hatte Europa als Drehort entdeckt, ein neues Kapitel seiner Werkbiografie aufgeschlagen und nach den Enttäuschungen der 90er einen sehr guten Film gemacht.

Was damals unterging: Einen ungesühnten Mord hatte Allen 1989 schon einmal zum Zentrum eines Films gemacht. Und das besser. „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“ erzählt von einem reulosen Frauenmörder (Martin Landau) und von einem Dokumentarfilmer (Woody Allen), der beruflich genauso scheitert wie in der Liebe. Der Künstler sehnt sich nach einer Welt, in der Anstand zum Erfolg führt. Der Killer wundert sich, dass sein Glück auf einem Mord beruht. Erst in der Schlussszene begegnen sich beide – und der Allen-Charakter ahnt nicht einmal, dass sein Gegenüber all seine Hoffnungen widerlegt. Grausam.