Wer ist Finn im „Erwachen der Macht“? Star-Wars-VII-Kritik: Der erste gute Stormtrooper

Von Daniel Benedict | 16.12.2015, 10:01 Uhr

„Star Wars VII: Das Erwachen der Macht“ ist der erste Disney-Film der Reihe. Eine Figur wie John Boyegas Stormtrooper Finn hätte man „Star Wars“ nicht zugetraut. Die Kritik:

38 Jahre nach „Star Wars“ kommt Episode VII der Saga ins Kino. „Das Erwachen der Macht“ von Regisseur J. J. Abrams ist in der Reihe zugleich der erste Film nach dem Kauf von Lucasfilms durch den Disney-Konzern. Eine Figur wie John Boyegas Stormtrooper Finn hätte man „Star Wars“ nicht zugetraut. Die Kritik:

Der Mythos von „Star Wars“

„Luke Skywalker? Ich dachte, der ist nur ein Mythos“, sagt die Widerstandskämpferin Rey (Daisy Ridley) am Anfang von „Star Wars - Das Erwachen der Macht“ – und spricht damit einen der Kernsätze von J. J. Abrams‘ Film aus. Nicht nur, weil sich die Handlung von Episode VII an der Suche nach dem verschollenen Jedi-Ritter entlang hangelt. Reys Staunen über die Existenz von Skywalker steht auch für das Verhältnis der neuen Protagonisten zu den Helden der Original-Trilogie (1977-1983), die diesmal aufeinandertreffen: Han Solo (Harrison Ford), Chewbacca (Peter Mayhew), Prinzessin Leia (Carrie Fisher) – sie alle sind für die neue Generation in den „Star Wars“-Galaxien genau so zum Mythos geworden wie für das Publikum, das ihr Geschick seit 1977 auf der Leinwand verfolgt. (Weiterlesen: Star Wars 7: Das Erwachen der Macht - Testen Sie ihr Wissen) 

Darf man über „Star Wars VII“ lachen?

Den ersten Teil der Saga und die komplette Prequel-Trilogie (1999-2005) hatte George Lucas selbst inszeniert; inzwischen hat er nicht nur die Regie abgegeben, sondern das ganze Film-Universum verkauft. J. J. Abrams findet als erster Regisseur der Disney-Ära einen guten Tonfall im Umgang mit dem Stoff. Wenn Rey den Millennium Falcon als flugunfähigen Schrott bezeichnet, wenn Han Solo Leia mit dem Hinweis auf ihre neue Frisur begrüßt – dann spielt der Film ironisch mit dem ikonischen Status der „Star Wars“-Figuren. Abrams räumt nicht ganz so radikal auf wie Sam Mendes, der seinem James Bond erst alle lieben Rituale gestrichen hat, um sie Film für Film neu zu begründen. Aber immerhin schreibt Abrams seinem Universum ein Bewusstsein der eigenen Bedeutung ein. Und trotz vieler guter Witze bestärkt er dessen Rang im kulturellen Gedächtnis noch. Han Solo betont sogar: „Es ist wahr: Die Macht, die Jedi-Ritter, das alles alles ist wahr.“ („Star Wars 7“-Wissen: Ist der Droide BB-8 ein gefährliches Genie?) 

„Star Wars VII“ wiederholt die alten Routinen

Alles ist wahr; und deshalb ist auch alles wieder da: Die Autoren – Lawrence Kasdan, Abrams und Michael Arndt – folgen der „Star Wars“-Routine, erfolgreiche Einfälle einfach zu wiederholen. Die Nazi-Uniformität des Bösen und der Individualismus des Widerstands, niedliche Roboter und spektakuläre Monster, geheime Verwandtschaften und der Transfermarkt, auf dem die dunkle und die helle Seite der Macht sich die Talente abwerben: Was immer Lucas‘ Fans lieben, bietet Disney ihnen auch. Obwohl Darth Vader wegen der Handlungslogik nur als Totenkopf reaktiviert werden kann, schnauft weiterhin ein Bösewicht durch die schwarze Maske. Sogar einen Todesstern gibt’s wieder, größer und schöner als alle davor. (Weiterlesen: Star Wars VII: Angeberfakten zum „Erwachen der Macht“) 

Stormtrooper mit Gefühl: Finn ist ein Geniestreich

Eine wirkliche Neuerung in Episode VII ist der Umgang mit dem Fußvolk des Bösen: In sechs „Star Wars“-Abenteuern waren die Soldaten der dunklen Seite zu Plastik erstarrt. Niemand, die Luke und Han Solo bedenkenlos niedermähten. Abrams gibt einem davon nun Gesicht und Namen. Der Deserteur Finn (John Boyega) legt sogar die Rüstung ab und wird zum Protagonisten – wobei er leider seine sympathische Feigheit verliert und zum „Star Wars“-Draufgänger alter Schule mutiert. (Peinlich: Kirche feiert „Star Wars“-Gottesdienst) 

Die zweitbeste Szene in „Star Wars VII“

Dass auch Stormtrooper bluten und Angst vor dem Sterben haben, zeigt Abrams gleich in seiner ersten und stärksten Sequenz. Die zweitbeste Szene ist das Wiedersehen von Han Solo und Leia. Harrison Ford und Carrie Fisher machen es zur Begegnung von zwei Alten, die wissen: Ihre Vergangenheit ist nicht mehr einzuholen. Sehr gut. So ernsthaft ist das Schauspiel in „StarWars“-Filmen sonst nicht. (Star Wars 7: Wer ist Daisy Ridley alias Rey?) 

Was taugt die dunkle Seite der Macht?

Und der Kampf von Gut und Böse? Er wird in einer Schlüsselszene um den Erben Darth Vaders inszeniert – über die man nichts schreiben kann, ohne einen der großen Überraschungseffekte des Films zu zerstören. Die Rhythmisierung der Sequenz ist jedenfalls hinterhältig. Der, naja, philosophische Gehalt und die psychologische Wahrhaftigkeit wirken allerdings etwas dürftig. Das aber ist gewiss vorschnell geurteilt. Bei „Star Wars“ braucht bekanntermaßen jeder Gedanke eine volle Trilogie. Wie klug „Das Erwachen der Macht“ wirklich ist, erweist sich also erst, wenn 2017 und 2019 die längst eingeplanten Episoden VIII und IX anlaufen.