Vorschlag im Verwaltungspapier Spardiskussion um Osnabrücker Theater: Tanz bedroht?

Von Dr. Stefan Lüddemann | 14.12.2016, 22:10 Uhr

Beginnt in Osnabrück eine Diskussion um die Schließung einer Sparte des Stadttheaters? Eine Verwaltungsvorlage enthält diesen Vorschlag. Der Kulturausschuss lehnt einhellig ab.

Die junge Musikschülerin spielt Weihnachtslieder auf der Geige. Der syrische Praktikant bietet auf der arabischen Laute ein Liebeslied aus seiner vom Krieg geschundenen Heimat dar. Ringsumher stehen die Ateliertische der Kunstschule. Kreativer kann eine Raumatmosphäre kaum sein. „Faszinierend und berührend“, sagt Sebastian Bracke (Bündnis 90/Die Grünen), der Vorsitzende des Osnabrücker Kulturausschusses, als die Musik verklungen ist, und spricht dann aus, was alle denken - dass es schwer sei, nach so zu Herzen gehenden Klängen einfach zu einer politischen Beratung überzugehen.

300000 Euro am Theater sparen?

Aber die harte Wirklichkeit der Kulturpolitik hat Bracke und die anderen Mitglieder des Kulturausschusses am Abend des 14. Dezember 2016 unerwartet schnell wieder. Eigentlich geht es nur um die erste Sitzung des neu zusammengestellten Gremiums nach der Kommunalwahl. Die Stimmung ist gelöst. Man knabbert Weihnachtsgebäck. Bis eine Position in einer Vorlage zum Nachtragshaushalt 2017 des Rates auffällt. In dem Schriftstück aus der Verwaltung geht es um mögliche Einsparungen. 300000 Euro könnten als Einsparung vom Theater Osnabrück geleistet werden, heißt es da, wahlweise in zwei Varianten: durch Mehreinnahmen - oder Spartenschließung.

Politiker spricht von „Testballon“

„Wo kommt das her?“, fragt entgeistert Heiko Schlatermund von der SPD-Fraktion. „Warum wird nicht mit den Betroffenen gesprochen“, sekundiert Brigitte Neumann von der CDU . Und Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereiches Kultur, hebt abwehrend die Hände. Nein, dieser Einsparvorschlag komme nicht aus ihrem Fachbereich, beteuert die Verwaltungsleiterin. Ein Beschlussvorschlag sei das ohnehin nicht. „Ein Testballon?“, fragt Thomas Thiele (FDP) in den Raum. Aber von wem und mit welchem Zweck? Die Ratlosigkeit ist allgemein.

10,5 Millionen für die Bühne

Dabei scheint schon ausgemacht, dass die Stadt Osnabrück Tarifsteigerungen der am Theater Beschäftigten nur zu einem Teil übernimmt. Damit steigt ohnehin schon der Kostendruck auf die Bühne, die bereits erste Einsparauflagen hinnehmen musste. Mit einem städtischen Zuschuss von rund 10,5 Millionen Euro, der 40 Prozent des Osnabrücker Kulturetats entspricht, so die Zahlen der Verwaltung, geht sicher viel städtisches Geld an das Theater. Das wird allerdings auch weit überwiegend für Personalkosten benötigt.

Ist die Tanzsparte bedroht?

Die Verwaltungsvorlage zum Nachtragshaushalt 2017 führt auch gleich die Sparte auf, die geschlossen werden müsste, um eine Einsparung von 300000 Euro zu erzielen. Es träfe den Tanz . Oder könnte das Geld durch höhere Kartenpreise eingespielt werden? Das Theater Osnabrück sei bereits „hochpreisig“, sagt dazu Ausschussmitglied Günter Sandfort (CDU). Teurere Tickets würden die Auslastung drücken - ein Teufelskreis. Einmütig warnen die Kulturpolitiker vor einer Spartenschließung. „Der Schuss geht nach hinten los“, meint markig der frühere Ausschussvorsitzende Ludwig Lanver. Und Brigitte Neumann verlangt, die Diskussion nun zwingend mit jenen Personen zu führen, die bei diesem Thema mit an den Tisch gehörten - den Theaterleuten.