Von Stockhausen bis Sternal Preis der Schallplattenkritik: Die besten CDs 2015

Von Ralf Döring | 11.12.2015, 14:47 Uhr

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik hat die Jahrespreisträger 2015 bekannt gegeben. Namen von der Prominenz eine Jonas Kaufmann oder einer Anna Netrebko sucht man dabei vergebens auf der Preisträgerliste. Ein Blick darauf lohnt sich dennoch, und vor allem lohnt es, die Preisträger-CDs zu hören. Sogar Osnabrück-Bezug findet sich.

Die Sternal Symphonic Society geht sehr eigene klangliche Wege. Sie mischt auf der Basis einer Jazz-Rhythmusgruppe mit Jonas Burgwinkel am Schlagzeug, Robert Landfermann am Bass und Pianist Pablo Held eine vierköpfige Bläsersektion mit einem Streichquartett. Die Idee zu diesem Grenzgang stammt von Sebastian Sternal; als Komponist, Bandleader und Namensgeber ist er so etwas wie die Dreifaltigkeit eines Ensembles, das mit einzigartiger Überzeugungskraft die Grenzen zwischen Klassik und Jazz aufgehoben hat. Das führt die Sternal Symphonic Society live sehr anschaulich vor Ohren, und das hat auch die kritischen Ohren der Jazz-Juroren beim Preis der deutschen Schallplattenkritik überzeugt: „Konsequenter als andere Ensembles verschmilzt die Symphonic Society den Jazz mit europäischer Musiktradition“, schreibt die Jury in ihrer Begründung und gibt ihm einen Jahrespreis in der Kategorie Jazz.

Einziges Kriterium: Qualität

Nun beschleicht einen manchmal das Gefühl, Preise würden den Plattenmarkt geradezu überfluten. Außerdem bilden einige Preise eher den merkantilen Erfolg als die künstlerische Bedeutung einer Produktion ab: Den „Echo“ nehmen Interpreten sicher gern engegen, auch die Plattenbranche ihre eigenen Produkte auszeichnet und der Glamourfaktor eine gewichtige Rolle spielt. Das schmälert die Aussagekraft der Trophäe doch ein wenig. Der Preis der deutschen Schallplattenkritik setzt sich da wohltuend ab: Unabhängige Musikkritiker wählen unter den Neuerscheinungen aus, und das zentrale Kriterium heißt: Qualität. Das macht die Trophäe so begehrt – zumindest in Insiderkreisen.

Preise für Stockhausen-Einspielung

In diesem Jahr zeichnen die Juroren unter anderem Ronald Brautigam für seine Gesamteinspielung der 32 Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven aus oder eine Neueinspielung früher Werke für Schlagzeug von Karlheinz Stockhausen. Das Artemis Quartett wird für seine Einspielung der Brahms-Streichquartette op 51.1 und op. 67 ausgezeichnet; die letzte Aufnahme übrigens mit dem Bratscher Friedemann Weigle, der wenige Wochen vor der Veröffentlichung starb.

Für das Album „Too Many Roads“ sind Thorbjørn Risager & The Black Tornado ausgezeichnet worden, und auch Vijay Iyer hat für „Break Stuff“ einen Preis bekommen. „ Das Album steht für eine Tendenz, mit zeitgenössischem Jazz aus der Heimstätte der Clubs auszubrechen und sich in Museen und Konzertsälen zu etablieren“, schreibt die Jury. Was nicht heißt, dass die Musik im Club nicht trotzdem hervorragend funktionieren würde. (Hier weiterlesen: Vijay Iyer Trio im Blue Note)

Das Qualitätsbewusstsein der unterschiedlichen Fachjurys lenkt dabei immer wieder den Blick nach Osnabrück: Mit dem einem Vierteljahrespreis der Schallplattenkritik durften sich Toscho Todorovic und seine Blues Company dreimal in Folge schmücken , Tommy Schneller wurde ebenfalls ausgezeichnet, das Label des Morgenland-Festival-Chefs Michael Dreyer dreyer-gaido hat Preise gewonnen. Peter Finger, das Osnabrücker Symphonieorchester, cpo: Die Liste der Osnabrücker Preisträger ist lang. Auch die Sternal Symphonic Society hat Osnabrück-Bezug: Frederik Köster, Niels Klein und Pablo Held prägen als Lehrende ganz entscheidend das musikalische Profil in der Jazzabteilung des Insituts für Musik der Hochschule Osnabrück.