Untote in Kinderbüchern Zombies in der Bibliothek

Von Corinna Berghahn | 29.06.2013, 08:00 Uhr

Anders als Vampire oder Geister haben Zombies keine große literarische Tradition im Rücken. Trotzdem erobern sie langsam aber sicher den Buchmarkt. So basiert „World War Z“ auf dem gleichnamigen Buch von Max Brooks. Aber auch in Klassikern und Kinderbüchern lässt es sich wunderbar verrotten.

Was für ein Tabubruch: Anglophile Romantiker schätzen die Romane Jane Austens ob ihrer hintersinnigen Beschreibung der Gesellschaft um 1800. Für Zombiefreunde boten sie hingegen wenig. Bis im Jahr 2009 der Klassiker „Stolz und Vorurteil“ zu „Stolz und Vorurteil und Zombies“ umgedichtet wurde. Hier wurden die Bennett-Schwestern zu Zombiejägerinnen, die - soviel Austen muss sein - von den die Irrungen und Wirrungen der Liebe natürlich mehr mitgenommen werden als von dem Kampf gegen die Untoten. „Die Leichen des jungen Werther“ von Susanne Picard mischt ebenfalls die Hoch- mit der Horrorkultur, indem sie den Briefroman Goethes zu einem Zombieroman für Germanisten umschreibt.

Aber die Zombies schlurfen längst nicht mehr nur durch die Horrorfilmabteilung für Erwachsene, sondern finden sich auch in den Bücherregalen von Jugendlichen. Fast wirkt es wie eine Prozession: Erst kamen die Geister („HuiBuh“ und „Casper“), dann die Blutsauger („Der kleine Vampir“, später „Twilight“) und nun auch noch die Zombies.

Wobei es bei letzteren eigentlich schwer sein müsste, sie in all ihrer Unappetitlichkeit ins Kinderzimmer zu schmuggeln - „World War Z“ ist beispielsweise klasse für Erwachsene, hat in Kinderhänden jedoch wenig zu suchen. Doch falsch gedacht: Kinder mögen Zombies. Als App-Spiel beispielsweise, wie in dem sehr kindgerechten Spiel „Plants versus Zombies“ , in dem die bösen Untoten von lieb lächelnden Blumen bekämpft werden. Das mag nicht wirklich verwundern, ist der Kampf der Lebenden gegen Untote doch ein Klassiker in der Spielewelt - selbst im analogen Brettspiel „Zombie“ würfeln sich die Spieler durch eine Stadt voller Untoter.

Ebenfalls Einzug gehalten haben die Zombies in Kinderbüchern. Die mehrbändige US-amerikanische Reihe „Plötzlich Zombie“ über den 12-jährigen Nathan Abercrombie, der aufgrund eines Experimentes langsam zum Zombie mutiert, geht sehr sachte mit dem Thema um. Beispielsweise hat der Junge wenig Appetit, seine Mitbürger zu verspeisen. Stattdessen nutzt er seine „Fähigkeiten“, um bei den angesagten Schülern seiner Highschool Eindruck zu schinden. So ist das Buch eher in der Sparte „Coming of Age“ als im Metier Horror angesiedelt.

Noch jünger ist die Zielgruppe des US-amerikanischen Bilderbuchs „Zombie in Love“. Laut Verlag eignet es sich schon für Vierjährige. Anders verhält es sich mit „Untot - Lauf solange Du noch kannst“. Das Buch ist ab 14-Jahre und erzählt rasant von einer Epidemie, die auch die Kinder eines Schulausflugs bedroht und im Laufe der Handlung minimiert. Das ist düster und ebenso mitreißend - kann aber auch zu bösen Träumen führen. Wie jeder andere Horrorstoff auch - und zudem unzählige Dinge aus der realen Welt wie Kriege, Scheidungen oder Mobbing in der Schule.

Büchertipps:

- Stolz und Vorurteil und Zombies, von Jane Austen und Seth Grahame-Smith, Heyne, 8,95 Euro

- Die Leichen des jungen Werther, von Susanne Picard, Panini, 12,95 Euro

- Plötzlich Zombie - So ein Mist!, von David Lubar, Bastei Lübbe, 9,99 Euro

- Untot - Lauf, solange du noch kannst, von Kirsty McKay, Chicken House, 14,95 Euro