Too good to be true Clint Eastwoods Four-Seasons-Musical „Jersey Boys“

Von Daniel Benedict | 31.07.2014, 19:08 Uhr

Als Musical sind die „Jersey Boys“ seit Jahren erfolgreich. Clint Eastwood hat die Geschichte der Band The Four Seasons für die Leinwand adaptiert.

Berlin. Eigentlich wollten sie als The Four Lovers berühmt werden. Aus einer Laune heraus haben die Musiker hinter den Welthits „Big Girls Don’t Cry“ und „Can’t take My Eyes off You“ sich dann aber doch nach einer Bowlingbahn benannt: The Four Seasons. So zumindest erzählt Clint Eastwoods Verfilmung des überaus erfolgreichen Broadway-Musicals die Bandgeschichte. Das heißt – wie der Film nun auch – „Jersey Boys“, sodass manch ein Zuschauer dies für den Namen der Band halten wird. Denn anders als in Amerika ist der Falsett-Sound der Four Seasons in Deutschland berühmter als die Künstler selbst.

Tatsächlich beschreibt der Titel exakt den Blick, mit dem die 60er-Jahre-Stars sich selbst darstellen: Komponist des Jukebox-Musicals, das seine Geschichte um die bekannten Songs strickt, ist nämlich das musikalische Mastermind der Band: Bob Gaudio. Beim Film gehört er zum Produzententeam, gemeinsam mit dem Seasons-Leadsänger Frankie Valli. Und beide sehen sich nach über 100 Millionen verkauften Platten als schlichte Jungs aus einem schlechteren italienischen Viertel New Jerseys. Auf dem rauen Pflaster, heißt es zu Beginn von Eastwoods Film, gab es nur drei Optionen: Mafia, Militär und die Musik. Zwei davon haben die Four Seasons erprobt: Fankie Valli wird beim Karrierestart vom lokalen Mafiaboss protegiert.

Für die Hauptrolle vertraut Eastwood auf den jungenhaften John Lloyd Young, der Frankie Valli auch schon auf der Bühne gespielt hat. Den Paten macht Nebendarsteller Christopher Walken zur charmanten Parodie auf die mythischen Figuren des Mafia-Kinos. „Boardwalk Empire“-Star Vincent Piazza spielt Vallis Gegenspieler in der Band: Tommy DeVito. Der häuft bei Gangsterkollegen jahrelang Schulden an, ein Vertrauensbruch, an dem die Band zerbricht. DeVito wird zum Ausgestoßenen der Truppe; Valli bezahlt die Mafia mit einer Solo-Knochentour durch die übelsten Clubs und Pinten. Als auch noch seine Ehe zerbricht und eine Tochter an einer Überdosis stirbt, wird Valli zur aufrechten Opferfigur stilisiert.

Aber „Jersey Boys“ wäre keine Musicalverfilmung, wenn am Ende nicht doch die gute Stimmung obsiegte. Als Schlusspunkt sieht das Drehbuch den Einzug der Four Seasons in die Hall of Fame vor. Bei diesem Anlass versöhnen sich nicht nur Frankie und Tommy, sondern eigentlich alle Figuren. Das letzte Bild zeigt, wie der komplette Cast sich beim Da capo in den Armen liegt. Spätestens hier wird Eastwoods launiger Film „too good to be true“, wie es im Song heißt. Mafia-Verstrickung und Zerwürfnisse, Familientragödie und Jahre der Einsamkeit – all das fügt sich im frohen Gesang zur Folklore einer großen Band. Warum auch jammern? Big Girls Don’t Cry!

Jersey Boys“. USA 2014. Regie: Clint Eastwood. D: John Lloyd Young, Erich Bergen, Michael Lomenda. 134 Minuten, ab 6 Jahren.