Theater am Domhof Sechste Tanzgala mit internationalen Gästen in Osnabrück

Von Marie-Luise Braun, Marie-Luise Braun | 10.06.2018, 12:37 Uhr

Zum sechsten Mal hat das Theater Osnabrück zur Tanzgala eingeladen. Gezeigt wurden im ausverkauften Haus unterschiedlichste Stile aus 200 Jahren Tanz. Zu sehen waren sie anhand von zwölf ausgewählten Stücken verschiedener Ensembles aus dem In- und Ausland.

„Wir wollen mit dem Abend die Freude vermitteln, die Tanz macht“, sagte Mauro de Candia während einer seiner Moderationen. Zwei der Stücke des Leiters der Osnabrücker Dance Company umrahmten den Abend, der mit zwölf Aufführungen einer Wundertüte glich, in der nur Positives zu finden war. Der unterschiedlichsten Tanzstilen Raum bot, die alle für sich aber auch in ihrer Kombination eine fulminante Inszenierung ergaben. Der von Gegensätzen lebte, die sich bereicherten.

Frédéric Tavernini vom Dance on Ensemble war mit seinem ganz eigenen Stück „Solo“ aus „7 Dialogues“ zu sehen. In dem Stück erzählt und tanzt er erdig und in den Gesten reduziert die Geschichte seiner Tattoos – oder doch sein Leben anhand seiner Tattoos? – und spricht das Publikum direkt an. Eine Geste, die im klassischen Tanz nahezu undenkbar ist. Diesen zeigen Emily Bromberg und Rainer Krenstetter vom Miami City Ballet während des Pas de Deux mit dem weißen Schwan sowie kurz darauf Marina Kudryashova und Oleg Rogachev von der Oper Bordeux während des Pas de Deux mit dem schwarzen Schwan.

Irritierend und irisierend

Diesem wiederum folgt ein besonderes Pas de Deux: Simone Deriu und Jean Gabriel Maury, zwei Tänzer von Landerer & Company aus Hannover, interpretieren auf zugleich präzise und legere Weise den männlichen Part des Stücks „Pink or Blue“, das eigentlich erst im September uraufgeführt wird – und auf der Osnabrücker Bühne deshalb abrupt und mitten im Akkord abgebrochen wird. Der Bruch könnte nicht größer sein, haben Deriu und Maury doch eben noch mit ihrer Kunst zu intensiver Musik anscheinend den gesamten Raum gefüllt.

Irritierend und irisierend wirkt Safet Mistele vom Tanztheater des Staatstheaters Kassel in „Erzengel“ nach der Choreografie von Johannes Wieland. Präzise, kraftvoll und leicht zugleich interpretieren Maria Eichwald und Alexandre Riabko die Sonate nach der Musik von Sergei Rachmaninow.

Mit Witz und getanzter Ironie geben Demi Verheezen und Mathieu Di Scala von Introdans ein Paar, das sich über die Führungsrolle noch nicht ganz einig ist. Und voller Ironie steckt auch Purple Fools der Osnabrücker Dance Company, die den Abend mit Branco, das im Februar uraufgeführt worden war, eröffnet hatte.

„Faszinierend, der menschliche Körper“, sagte Patricia Stöckemann, die Managerin der Osnabrücker Dance Company, bevor sie sich gemeinsam mit Mauro de Candia vom Publikum verabschiedete – das die Tänzer mit sehr langem Applaus feierte.