«That's All Right» Elvis und die Geburtsstunde des Rock'n'Roll

Von dpa | 18.07.2014, 09:13 Uhr

Sie ist knapp 18 Zentimeter breit und nicht einmal zwei Millimeter dick - und eine Weltrevolution: «That's All Right» war die erste Platte von Elvis Presley und gilt als Geburtsstunde des Rock'n'Roll.

Sie war der erste Stein einer Entwicklung, die Geschichte schrieb; nicht nur Musikgeschichte. Vor 60 Jahren wurde sie in Memphis aufgenommen und am 19. Juli veröffentlicht.

«Das hier ist heiliger Boden. Von hier aus wurde die Welt verändert», sagt Lana Deering, selbst Musikerin aus Memphis. Sie nimmt ihre Platten im selben Studio auf, wie Elvis 60 Jahre vor ihr. Der war 18, als er in dem Studio, das später als Sun Records selbst eine Legende werden sollte, am Mikrofon stand. Es sollte nur ein Geschenk für seine Mutter sein, heißt es in der von ihm selbst kreierten Legende. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Lastwagenfahrer entdeckt werden wollte. Ein Jahr später spielte er in demselben Studio noch mal einige Balladen - aber Musikproduzent Sam Phillips wollte keine langsame Musik und gab Presley nur noch eine Chance. Nach einer Pause spielte der «That's All Right, Mama» - und Phillips war begeistert.

Manchmal brauchen Revolutionen eine Weile. Nicht diesmal. Als der populäre Radiomoderator Dewey Phillips die Single spielte, bekam er Hunderte Anrufe und sogar ein paar Telegramme. Noch 14 Mal musste er an diesem Abend «That's All Right» spielen. Phillips hatte vorher gesagt: «Wenn ich nur einen weißen Mann finden könnte, der diese Neger-Musik mit demselben Gefühl spielen könnte, könnten wir Millionen machen.» Er hatte ihn gefunden.

«Seine Karriere war beispiellos. Es ging ab wie eine Rakete», sagt Deering. «Zwei Jahre später hatte er fünf goldene Schallplatten, eine davon sogar eine B-Seite.» Seinem Nachlassverwalter zufolge hat Presley mehr als eine Milliarde Platten verkauft, mehr als jeder andere Künstler. Und er hat in 31 Filmen mitgespielt und war in den 60er Jahren einer der höchstbezahlten Hollywoodstars. Gleich im ersten Film sang er ein Lied: «Love Me Tender» - nicht nur ein Welthit, sondern ein Stück Musikgeschichte.

«Nach Elvis war in der Musik alles anders», sagt in einer Dokumentation jemand, der es wissen muss: Beyoncé Knowles. «Es waren ja nicht nur die Lieder. Es war auch sein Aussehen und sein Auftreten. Alles was wir heute machen, geht irgendwie auch auf ihn zurück.»

Deering räumt ein, dass es die eine Geburtsstunde des Rock'n'Roll nicht gibt. «Viele sehen «Rocket 88» als erste Rock-Platte an. Und das war schon 1951.» Aber erst Elvis habe den Stil populär gemacht und «schwarze» und «weiße» Musik vereint. Oder den Schwarzen ihre Musik genommen? Kid Rock («Devil Without a Cause») sieht es anders: «Er hat nichts gestohlen. Er war doch selbst arm und ganz unten. Er hat es einfach ganz tief aus seinem Herzen geholt», sagt der Musiker in einer Videobotschaft für «Graceland». Elvis' früheres Anwesen ist heute ein Museum mit jährlich 600 000 Besuchern.

Presley wurde zu einer der wichtigsten Figuren des 20. Jahrhunderts. Er konnte sich selbst immer wieder in den Abgrund treiben und auch wieder daraus hervorziehen. Als seine Karriere längst Vergangenheit zu sein schien, gab er 1973 ein weltweit übertragenes Konzert. «Aloha from Hawaii Via Satellite» sollen eine Milliarde Menschen gesehen haben - mehr als vier Jahre vorher die Mondlandung. Presley war kein Mann, kein Sänger, kein Künstler. Er war der King.

Ein König, der fettleibig war und jeden Tag einen ganzen Tabletten-Cocktail schluckte. Bei seinen Konzerten war er kaum noch zu verstehen. Am 16. August 1977 fand seine Verlobte ihn leblos auf dem Boden des Badezimmers. Elvis Presley starb mit 42 Jahren. «Manche nennen mich einen Träumer», hatte er einmal gesagt. «Aber alle meine Träume sind wahr geworden.»