„Star Wars“-Wissen ohne Spoiler Star Wars VII: Was Sie über Leia und Vader noch nicht wussten

Von Daniel Benedict | 19.12.2015, 04:30 Uhr

„Star Wars VII“ wirft Fragen auf: Wer ist Kylo Ren? Wo war Luke Skywalker? Wer ist Finn? In welcher Reihenfolge muss ich die alten Filme sehen? Das nötige „Star Wars“-Wissen liefern wir in unserem galaktischen Lexikon.

Sieben „Star Wars“-Filme sind mehr, als ein Zuschauer allein begreifen kann. Wir helfen Laien und Liebhabern mit einem Lexikon zu „Star Wars VII: Das Erwachen der Macht“.

 A wie Abspann: Weil George Lucas den Namen des Regisseurs in den „Star Wars“-Filmen erst in den Schlusstiteln nannte, belegte die Director’s Guild ihn nach „Das Imperium schlägt zurück“ mit einer Geldstrafe. Lucas trat aus der Gewerkschaft aus – und darf deshalb keinen Film mehr für ein großes Hollywood-Studio drehen. (Ist Luke Skywalker Kylo Ren? Zur Spoiler-freien„Star Wars VII“-Kritik) 

 B wie Bluff: Das Plakat zu „Star Wars VII“ nennt zwar den Namen von Mark Hamill. Sein Gesicht ist aber nicht unter den fünf abgebildeten Schauspielern. Es sei denn – er ist der Mann unter der Darth-Vader-Gedächtnis-Maske! Ist Luke Skywalker zum Finsterling Kylo Ren mutiert? Das fragte schreckensbleich die Fan-Gemeinde. Hut ab vor dieser Meisterleistung des inszenierten Gerüchts!

 C wie Carbonite: In Episode V wird Han Solo von Darth Vader in Carbonite eingefroren: Das Resultat ist eine Art Gießharz-Block, aus dem Han stumm herausschreit. In Episode VI befindet er sich , weiterhin schockgefrostet, als Dekogegenstand im Besitz von Jabba the Hutt. Aus der Rückschau ist daran vor allem interessant, dass die gefährliche Weltraum-Substanz Trash-Kunst nach dem miesen Geschmack der 80er schuf.

 

 D wie Darth Vader: Auf der Bestenliste des American Film Institute rangiert Darth Vader als drittbester Schurke hinter Hannibal Lecter und Norman Bates.

 E wie Ewoks: Weil die Ureinwohner des Waldmonds Endor Teddy-gestaltig sind, wurden sie zum größten „Star Wars“-Missverständnis. Ewoks gelten bis heute als niedlich. Wer in ihrer Kampfszene aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ den fragwürdigen Humor ausblendet, wird einsehen: Wer Ewoks süß findet, hält den Clown aus Stephen Kings „Es“ auch für einen lustigen Kinderunterhalter. („Star Wars“-Science: Würde die Wasserversorgung auf dem Wüstenplaneten funktionieren?) 

 F wie May the Fourth: Der höchste Feiertag im Kalender von „Star Wars“Geeks ist der 4. Mai. Weil das Datum „May the Fourth“ fast genauso klingt wie der Jedi-Gruß „May the force be with you“, feiern Liebhaber und Merchandise-Händler an diesem Tag George Lucas’ Helden. Hardcore-Fans verlängern die Party um einen Tag. Unter dem Motto „Revenge of the Fifth“ (Rache des Fünften, eine Anspielung auf „Star Wars III: Revenge of the Sith“) schließen sie sich am 5. Mai der dunklen Seite an.

 G wie Gaststar E.T.: In „Die dunkle Bedrohung“ ist eine Hommage an Spielbergs „E.T.“ versteckt. Als Amidala dem Kanzler ihr Misstrauen ausspricht, sind unter den Delegierten drei Vertreter von E.T.’s Spezies.

 H wie Goldene Himbeere: In der Kategorie des schlechtesten Films hat „Star Wars“ es bei den Anti-Oscars bislang nur zur Nominierung gebracht (Episode I und II). Hayden Christensen dagegen hat als Anakin Skywalker konsequent versagt und wurde in der Rolle zweimal zum schlechtesten Darsteller gekürt. (Weiterlesen: Star Wars 7: Das Erwachen der Macht - Testen Sie ihr Wissen) 

 I wie Igitt: In der „Star Wars“-Bestenliste des Ekels ganz weit oben sind die Mynocks, Jabbas Sandmonster Sarlacc – und die Szene, in der Anakin und Padmé verliebt über bukolische Weltall-Wiesen tollen.

 J wie Jabba the Hutt: Die froschgesichtige Riesenschnecke vom Planeten Tatooine hatte den ersten Auftritt in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ – und kam so gut an, dass eine zunächst entfernte Szene 1997 nachbearbeitet in die Jubiläumsedition von Episode IV montiert wurde. Als amoralischer Schlingfresser ist Jabba ein klassischer Marlon-Brando-Charakter. Der Star erreichte die für die Rolle erforderliche Fettleibigkeit allerdings erst in seinen letzten Lebensjahren. Jabba wurde erst als Puppe, dann als Animation gefilmt.

 K wie Kanonenfutter: Stormtroopers sind die Soldaten des Bösen – und Bauernopfer aller „Star Wars“-Filme. Die Regie verheizt sie nach Belieben und kommt dabei dank der Vollverschleierung sogar mit einem Minimum an Statisten aus. Und das Beste: Niemand muss mit den Toten Mitleid haben, weil die Kämpfer gesichtslos sind. Episode VII macht mit dieser Gewissenlosigkeit Schluss. Der neue Film lässt den Stormtrooper Finn desertieren – und macht ihn damit zum Menschen. (Der Stormtrooper Finn und sein Darsteller John Boyega im Porträt) 

 L wie langweiligste Szene: Zu J. J. Abrams segensreichen „Star Wars“-Reformen gehört der Verzicht auf endlose Senatsdebatten. Die langweiligste Sequenz der Reihe ist allerdings ausgerechnet ein galaktisches Autorennen. Zwölf Minuten (!) dauert es, bis Anakin Skywalker es gewinnt. Wer öde Szenen gern zum Bierholen nutzt, ist anschließend volltrunken. Auch dem Kinderdarsteller Jacob Matthew Lloyd ist die Nummer offenbar zu Kopf gestiegen. Im Sommer wurde er wegen rücksichtslosen Fahrens ohne Führerschein in Haft genommen, nachdem er sich mit der Polizei eine Verfolgungsjagd geliefert und einen Zaun niedergemäht hatte.

 M wie Mutterkomplex: Der Mangel an Frauenrollen im Kino der 70er-Jahre wird auch für „Star Wars“ zum Problem. Jede Trilogie enthüllt neue, verblüffende Eltern-Kind-Konstellationen. Weil Leia zu den wenigen gebärfähigen Frauen der ersten Filme gehört, gehen den Autoren langsam die Mütter aus. Wir warten auf die erste Inzest-Lovestory. (Mehr zu Prinzessin Leia: Ist Carrie Fisher geliftet?) 

 N wie Nacktszene: Als gewagtestes Kostüm aller bekannten und zukünftigen „Star Wars“-Filme gilt der Metall-Bikini, in den Jabba the Hutt seine Gefangene Leia zwingt. (Beziehungsweise George Lucas ihre Darstellerin Carrie Fisher.) Die Fixierung auf die schöne Frau übersieht die einzige wahre Nacktszene der Saga: In „Episode I“ entblößt der seiner Metallverkleidung beraubte Droide C-3PO sein Roboterskelett.

 O wie Oscars: „Star Wars“ hat sieben Academy Awards geholt, sechs für Episode IV, den siebten für Episode V.

 P wie Publikumsinteresse: Die – zumindest nach Google – beliebteste „Star Wars“-Figur taucht in „Erwachen der Macht“ nur als Totenkopf auf: Darth Vader wird am meisten gesucht, vor Leia, Chewbacca, Luke und R2-D2. Die wichtigsten Fragen lauteten bei Google: „In welcher Reihenfolge sollte ich mir ‚Star Wars‘ ansehen?“,

„Wer ist Kylo Ren?“, „Ist Luke Skywalker Kylo Ren?“, „Ab wann werden die Tickets für ‚Star Wars‘ verkauft?“ und „Wer ist Finn in ‚Star Wars‘?“ (Ausblick: Wie geht es nach Episode VII weiter?) 

 Q wie Querfinanzierung: Allein an der Kinokasse haben die ersten sechs „Star Wars“-Filme inflationsbereinigt rund zehn Milliarden Dollar verdient. Für den Kauf von Lucasfilm legte Disney 2012 4,05 Milliarden Dollar auf den Tisch. Es war also immer genug Geld in der Galaxie, um auch Lucas-Flops querzufinanzieren: „Howard The Duck“ zum Beispiel. Der erste Marvel-Kinofilm seit 1944 (!) spielte 1986 mit knapper Not die Kosten ein und versaute allen Beteiligten den Ruf.

 R wie „Rache der Jedi-Ritter“: „Revenge of the Jedi“ war der Arbeitstitel von Episode VI. Weil Paramount zeitgleich den „Star Trek“-Film „Revenge of Khan“ vorbereitete, verhandelten die Studios um eine Titel-Änderung. Als Paramount seinen Film in „Wrath of Khan“ umbenannte, entschied sich auch George Lucas gegen die Rache als Titelwort, weil sie nicht zur Jedi-Ethik passt, und nannte seinen Film „Return of the Jedi“. Shirts, die schon mit dem verworfenen Titel bedruckt worden waren, sollen heute unter Sammlern hohe Preise erzielen. (Star-Wars-Wissen: Kommt Luke Skywalkers Hand aus einem 3-D-Drucker?) 

 S wie die Skywalkers: Aufsteigerfamilie, an deren Anfängen es – ähnlich wie bei Jesus – eine Art Jungfrauengeburt ohne leiblichen Erzeuger gibt. Erbliches Leiden: ausgeprägter Vater-, später auch Großvaterkomplex.

 T wie Trailer: Die ersten Bilder aus Episode VII wurden bei Youtube seit der Veröffentlichung im Oktober über 73 Millionen Mal abgerufen.

 U wie US-Todesstern: Bei 25.000 Unterschriften muss das Weiße Haus Petitionen beantworten. Auf die Forderung nach einem US-Todesstern teilten Obamas Sprecher mit: Geschätzte Kosten von 850.000.000.000.000.000 US-Dollar seien in Todessterne schlecht investiert – zumal ein einziger Pilot sie wegen unausrottbarer Konstruktionsmängel ausschalten könne. Zudem lehne die US-Regierung die Zerstörung von Planeten ab. Ein Satz, den man sich in dieser Deutlichkeit auch in der Klimapolitik wünscht. (Warum unterstützt auch der YouTuber LeFloid eine Todesstern-Petition? Zum Fragebogen.) 

 V wie „Ich bin dein Vater“: Dass Darth Vader der Vater von Luke Skywalker ist, zählt zu den legendären Überraschungseffekten der Filmgeschichte. Damit er auch wirklich überrascht, wurde die Szene mit Fake-Text gedreht und das eigentliche Zitat erst in der Nachsynchronisation einmontiert. (Die Vorgeschichte: Wer ist Darth Vader?) 

 W wie Weltraumschrott: 419,99 Euro kostet der Todesstern im Lego-Shop. Wenn man davon ausgeht, dass die eigentlichen Steine beim durchschnittlichen Spielkind binnen weniger Wochen im Chaos einer großen Lego-Tonne versinken, bleiben als Sammlerstücke 24 Minifiguren. Viel Geld für wenig Kunststoff. (Lizenz-Produkte: Welche „Star Wars“-Spiele sind auf dem Markt?) 

 X wie Xenophobie: „Star Wars“ tritt unübersehbar für ein friedliches Miteinander der Geschlechter, Rassen, Spezies ein. Die liebevolle Herablassung, mit der Han Solo und die anderen „Star Wars“-Menschen nicht nur Droiden, sondern sogar Wookies wie Chewbacca behandeln, würde sich in Filmen über menschliche Rassenunterschiede aber trotzdem keiner mehr trauen. Im Fall des Gungans Jar Jar Binks gab es sogar Proteste wegen rassistischer Stereotype in der Figurenkonzeption .

 Y wie Yoda-Talk: Falsche Satzstellung das Kennzeichen von Yoda ist: Das Objekt der Jedi-Meister in allen Sätzen voranstellt. OSV (Objekt, Subjekt, Verb) diese Grammatik heißt. Sehr selten in unserer Galaxie sie ist. Von den indigenen Xavante aber tatsächlich gesprochen sie wird.

 Z wie Brandt-Zwieback: Skywalker und Leia sind Zwillinge, aber nicht nur sie. Wer Episode I genau ansieht, erkennt, dass auch Darth Vater im Kreißsaal des Bösen von einem Bruder getrennt worden sein muss: Der junge Anakin Skywalker ist dem unsympathischen Kind auf der Brandt-Zwieback-Schachtel wie aus dem Gesicht geschnitten.