Soziale Kälte der Bourgeoisie „Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste“

Von Tobias Sunderdiek | 10.02.2017, 15:14 Uhr

Eine Art „Willkommen bei den Hartmanns“ à la française: Großbürgerin Karin Viard muss Obdachlose beherbergen. Und sich dabei ihren Neurosen stellen.

Es ist kalt geworden in Frankreich . Nicht nur meterologisch, sondern auch gesellschaftlich. Als in einem besonders strengen Winter Geringverdiener und Obdachlose auf den Straßen von Paris zu erfrieren drohen, greift die Regierung zu drastischen Mitteln: Sie verfügt, dass Bedürftige in Wohnungen der Bessergestelten untergebracht werden. So wie beim Ehepaar Christine und Pierre Dubreuil ( Karin Viard und Didier Bourdon). Oder auch bei einem Ehepaar mit Kind im selben Haus. Während er Schrifsteller ist, lehrt sie an der Uni, gibt sich als Linke aus, will aber alles versuchen, die ihr zugewiesenen Gäste wieder loszuwerden. Und kann dies auch, dank einer rassistischen Concierge ( Josianne Balasko ).

„Madame Christine“ gibt sich als Komödie über soziale Probleme wie „Gentrifizierung“ und „Rassismus“, bleibt letztlich aber genauso spießbürgerlich, wie die Situation, die er angeblich anprangert.

Denn wie bei „Willkommen bei den Hartmanns“ interessiert sich der Film kaum für die Probleme der tatsächlich Betroffenen. Weder für die malische Putzfrau, noch für die Clochards. Stattdessen kreisen sich die müden Witze um die schrulligen Neurosen bourgeoiser Familien, und Regisseurin Alexandra Leclère („Zwei ungleiche Schwestern“) löst zum Ende hin alles harmonisch in Wohlgefallen auf. Mit Eintopf und Familienfrieden, boulevardesk und sozialromantisch. Doch, was aus den Obdachlosen wird, wenn sie wieder auf die Straße geschickt werden, dafür interessiert sie sich nicht. Wahrlich: Es ist kalt geworden.