„Sing Street“ von John Carney Musikfilm „Sing Street“ begeistert

Von Reinhard Westendorf, Reinhard Westendorf | 27.05.2016, 16:54 Uhr

Im neuen Musikfilm „Sing Street“ von Regisseur John Carney versucht ein 15-jähriger Schüler im Dublin der 80er-Jahre durch die Gründung einer Band seine große Liebe zu finden.

Der irische Autor und Regisseur John Carney hat bereits mit „Once“ und „Can a Song Save Your Life?“ zwei mitreißende Musikdramen inszeniert. Sein neuer Film „Sing Street“ begeistert mit jugendlichem Schwung und dem „New Wave“ der Achtziger. Mitte der 1980er-Jahre waren Rock-Dokumentationen, Konzertfilme oder Spielfilme, die sich auf die Popularität eines Sängers oder einer Band verlassen konnten, nur noch selten im Kino zu sehen. „Video-Clip“ nannte sich die neue Art visueller Musikdarbietung – und fand im Fernsehen statt. Michael Jacksons „Thriller“-Video war spektakulärer und populärer als die meisten Kinofilme jener Zeit.

„Top of the Pops“ vereint Familie

TV-Sendungen wie „Top of the Pops“ vereinen auch in einem mit Eheproblemen belasteten Haushalt im depressiven Dublin des Jahres 1985 die zerstrittenen Familienmitglieder vor der Glotze. Im Unterschied zu seinem älteren Bruder kann der 15-jährige Conor (ein Neuling mit musikalischem Talent: Ferdia Walsh-Peelo) die Video-Clips musik- und filmästhetisch noch nicht so recht einordnen, aber davon begeistert ist er auch. Insbesondere vom Stil britischer Bands wie Duran Duran The Cure oder Depeche Mode ist er angetan. Selber eine Band gründen will Conor, der nur ein wenig Gitarre spielt und Songtexte zu schreiben versucht, aber zunächst aus einem ganz anderen Grund. Der Neu-Schüler an der streng katholisch geführten staatlichen Lehranstalt „Synge Street Christian Brothers School“ will damit die ein Jahr ältere Raphina (Lucy Boynton) vom Mädchenheim gegenüber für sich gewinnen.

Verliebter Schuljunge

Noch ohne einen Song oder ein Musiker zu haben, verpflichtet er das hübsche Waisenmädchen mit Model-Ambitionen als Darstellerin für ein Musikvideo. Und der verliebte Schuljunge schafft es tatsächlich bis zum Drehtag eine Handvoll musikbegeisterter Mitschüler inklusive eine selbsternannten Produzenten zusammenzukriegen. Nicht von ungefähr lautet der erste Titel der anspielungsreich „Sing Street“ benannten Band „The Riddle of a Model“ (Das rätselhafte Model). Mit klobigem VHS-Camcorder und lächerlichen Kostümen gedreht, lebt das Video nahezu ausschließlich von der optischen Präsenz Raphinas. Das Model und die Jungs finden zunehmend Gefallen an ihrer Schülerband, komponieren und texten neue Songs und drehen weitere Clips – bis Raphina zusammen mit ihrem älteren Freund nach London geht.

Mitreißende Kraft

Wieder ist die Story des neuen Films des irischen Drehbuchautors und Regisseurs John Carney recht schlicht, aber nicht minder charmant wie in seinem Überraschungserfolg „Once“ (2008) oder in „Can a Song Save Your Life?“ (2013). Wie gewohnt stellt neben den (verwundeten jugendlichen) Charakteren die Musik die mitreißende Kraft in der „glücklich-traurigen“ Inszenierung dar. Jeder für den Film komponierte Song imitiert vortrefflich einen anderen Musikstil aus den achtziger Jahren. Daneben gibt es im phänomenalen Soundtrack von „Sing Street“ noch etliches Material von Bands und Interpreten jener Zeit von Motörhead bis Daryl Hall und John Oates. Ein musikalischer Feel-Good-Film mit stürmischem Ausgang!