Sinfoniekonzert in der Osnabrückhalle Juliana Koch wertet den Osnabrücker Musikpreis 2017 auf

Von Ralf Döring | 30.01.2018, 16:33 Uhr

Mit einem fein gespielten Oboenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart hat sich die Gewinnerin des Osnabrücker Musikpreises 2017, Juliana Koch, vorgestellt.

Man kann darüber reden, ob man eine Frau von 29 Jahren, die als Solooboistin in der Königlichen Kapelle Kopenhagen spielt, im Interview so einfach duzt, wo schon im Fußballstadion beim Kurzinterview nach dem Spiel mehr Etikette waltet. Aber grundsätzlich ist es schön, dass der NDR den Osnabrücker Musikpreis durch seine Präsenz würdigt und das Preisträgerkonzert in der Osnabrückhalle im April sendet. Wer nicht so lange warten will, wird bei Deutschlandfunk Kultur fündig: Der hat sich beim NDR eingeklinkt und überträgt den Mitschnitt mit der wunderbaren Oboistin Juliana Koch und dem Osnabrücker Symphonieorchester bereits kommenden Dienstag. Weiterlesen: Juliana Koch in der Probe und beim Workshop 

Sinn eines Konzerts: Der Dialog

Die Verantwortlichen des Osnabrücker Musikpreises verbuchen das gestiegene Interesse seitens des Hörfunks als Anerkennung für ihr Engagement. Tatsächlich hat die Jury mit Preisträgerin Juliana Koch exzellentes Gehör und Gespür für musikalische Ausdrucksstärke bewiesen. Mit dem Oboenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart hat die Gewinnerin das in der Osnabrückhalle bestätigt: In langen Melodiebögen erhebt sie sich übers Orchester, reagiert aber feinfühlig auf Signale, greift Anregungen auf; sie führt eben einen Dialog mit ihren Orchesterkollegen – ganz im ursprünglichen Sinne des Wortes „Konzert“. Dabei bringt sie den menschlichen Faktor ins Spiel, spielt mit gesanglicher Intensität und unaufgeregt spritzig, was wiederum den lebensfrohen Charakter des Stücks betont. Das schlank besetzte, feinnervig musizierende Osnabrücker Symphonieorchester und Andreas Hotz stehen ihr dabei zur Seite, und sie muss lediglich gegen Akustik im Saal anspielen, die das kleine Ensemble in Watte packt. Mozarts Leuchtkraft schmälert das kaum.

Mit der Miniatur für Orchester und Oboe „To the Mother“ des estnischen Komponisten Peeter Vähi setzt Koch dann einen emotionalen Kontrast zu Mozart, entsprechend dem Konzertmotto „Tod und Leben“. Über absinkenden Linien der Streicher singt die Oboe ihren melancholischen Gesang auf Tod und Vergänglichkeit, entlässt die Hörer aber mit Hoffnung: Das Stück mündet in einen leuchtenden Sonnenaufgang in C-Dur plus Vogelgezwitscher aus der Oboe. Eine überzeugende Preisträgerin.

Von der Verantwortung für die Musiklandschaft

Laudator Jan Brachmann, Musikredakteur bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, sagt anschließend viel Schönes über sie. Außerdem erinnert er im gut besetzten Saal an die „reiche deutsche Musiklandschaft“, für die Künstler genauso Verantwortung tragen wie etwa Kritiker – was sich locker weiterdenken lässt in Richtung Kulturpolitik. Er lobt die Felicitas und Werner Egerland Stiftung, die den Preis finanziert, und er lobt und begrüßt Hans Weichsler, der den Preis vor mehr als zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen hat. So rundet sich der Osnabrücker Musikpreis zum Herzstück des Abends. Weiterlesen: Interview mit Jan Brachmann 

Davor hat das Osnabrücker Symphonieorchester mit der „Berceuse élégiaque“ von Ferruccio Busoni den Vorhang vorsichtig zur Seite geschoben. „Des Mannes Wiegenlied am Grabe seiner Mutter“ steht über dem kurzen, eindringlichen memento mori. Zum Leben führt schlussendlich die mächtige zweite Sinfonie c-Moll von Alexander Skrjabin. Ausdauer verlangt der lange und kurvenreiche Weg vom Dunkel zum Licht von Ausführenden wie von Zuhörern. Dafür steht am Ende die Freude über die geschaffte Strecke und über das strahlende Ziel. Ein guter Abend für die Osnabrücker Musikwelt.