Schädel-Hirn-Traumata im Football „Erschütternde Wahrheit“ von und mit Will Smith

Von Wolfgang Mundt, Wolfgang Mundt | 20.02.2016, 14:18 Uhr

Will Smith spielt einen Facharzt für Neuropathologie, der bei gestorbenen Footballern ein durch den harten Profisport verursachtes Hirntrauma entdeckt. Sein Bemühen, diese unangenehme Wahrheit zu veröffentlichen, zeigt das Drama ganz klassisch als David-gegen-Goliath-Geschichte. Denn die US-amerikanische Sportlobby sieht das anders.

„Das Spiel kann auch schön sein“ heißt es über die amerikanische Form des Rugby: American Football. Jedoch krachen bei diesem körperbetonten Kampfsport insbesondere Schädel mit Brachialgewalt zusammen – das ist auf Dauer unschön.

Auf dem Arbeitstisch des Gerichtsmediziners Dr. Bennet Omalu (Will Smith) liegt der Leichnam des gerade mal fünfzigjährigen Footballers Mike „Iron“ Webster. In dessen Hirnstrukturen entdeckt der vielfach qualifizierte Neuropathologe Spuren von schweren Hirntraumata, CTE, als Folge von zahlreichen Erschütterungen.

Diese Entdeckung kam 2002 bei der NFL - National Football League - nicht gut an. Gerade in Pittsburgh, dem krisengeplagten „Ruhrgebiet“ der USA, sind die „Steelers“ so bedeutend wie Schalke 04 und der BVB zusammen. Football ist der amerikanische Sport Nummer 1 – und damit ein enormer Wirtschaftsfaktor und Identifikationsfeld für etliche Millionen Fans. Im Kleinen opponiert der lokal verwurzelte Kollege Sullivan (Mike O’Malley) gegen den aus Nigeria eingewanderten Omalu. Mit der Unterstützung seines Vorgesetzten Dr. Cyril Wecht (Albert Brooks) und getragen von seinem katholischen Glauben – Omalu ist Mitglied einer farbigen Gospelkirche – veröffentlicht er seine wissenschaftliche Untersuchung zu mittlerweile an vier Ex-Footballern nachgewiesenen Schädel-Hirn-Traumata.

Die NFL setzt ihre Macht ein und attackiert Omalu auch mit unfairen Mitteln. Er verliert zuerst den Vorgesetzten und dann den Job. Zurückgezogen in Kalifornien erlebt er schließlich, wie sich die von ihm herausgefundene Wahrheit durchsetzt.

Auf wahren Begebenheiten basierend, präsentiert dieses Medizin-Drama sich als klassische David-gegen-Goliath-Geschichte und als auf Will Smith zugeschnittenes Starkino: kaum eine Szene ohne ihn, der Fokus der Kamera liegt immer auf ihm. Die Figur seiner kenianischen Ehefrau Prema (Gugu Mbatha-Raw) beschränkt sich auf Unterstützung, Gebärfähigkeit und Schönsein. Am schlimmsten ist das überdeutliche Gut-Böse-Schema, das wenig Nuancen zeigt und zum Ende vollkommen im Pathos versinkt. Omalus finale Rede ist so simpel wie eine Predigt konstruiert, aus der sich die Wissenschaft verabschiedet hat. Genau wie der Film vom spätherbstlichen, „rostigen“ Pennsylvania ins immer sonnige Kalifornien wechselt. Dann doch lieber die schrägen Charaktere der Gerichtsmediziner in deutschen Krimis.