Salesman statt Toni Erdmann Oscars 2017: Haben die Richtigen gewonnen?

Von Daniel Benedict | 27.02.2017, 10:24 Uhr

Deutschland geht bei den Oscars 2017 leer aus; den Academy Award für den besten nicht englischsprachigen Film gewinnt der Iraner Asghar Farhadi mit „The Salesman“. Zur Recht?

Ist „Toni Erdmann“ besser als Farhadis „The Salesman“? Wer soll das bei zwei so guten und unterschiedlichen Filmen sagen. Es ist ein Jammer, dass Maren Ade ihren Erfolg nicht mit dem Academy Award krönt. Ihr Film wirkt trotzdem weiter. Nach innen als Mutmacher für unangepasstes Erzählen, nach außen als Beweis, dass deutsches Kino auch ohne Geschichtsbezug funktioniert – und sogar deutsche Witze international verstanden werden. (Riesenpatzer und Trump-Witze: die Höhepunkte der Oscars 2017) 

Am Ende haben ganz sicher auch die Begleitumstände eine Rolle gespielt: Mit dem nun zweifachen Oscar-Preisträger aus dem Iran setzt die Academy zugleich ein Zeichen gegen Trumps Politik der Ausgrenzung, das Asghar Farhadi als abwesender Geehrter mit einem klugen Dankeswort vertieft. Wer sollte da unglücklich sein?

Ohnehin erfreut, dass die Preisträger dieses sehr guten Oscar-Jahrgangs ein so breites Spektrum abdecken: Eskapismus und Engagement, Independent-Filme und Großproduktionen, schwarze und weiße Stoffe. Hollywood hat sich bei den Awards nicht auf ein Thema festgelegt – und dadurch viele Stärken auf einmal präsentiert.